Foodwatch-Studie Lebensmittelindustrie macht Kindern nach wie vor ungesunde Lebensmittel schmackhaft

Dienstag, 25. August 2015
Das Ergebnis der Foodwatch-Studie zum Kindermarketing der Lebensmittelindustrie in Deutschland: nur 29 von 281 Produkten entsprechen den Anforderungen der WHO
Das Ergebnis der Foodwatch-Studie zum Kindermarketing der Lebensmittelindustrie in Deutschland: nur 29 von 281 Produkten entsprechen den Anforderungen der WHO
Foto: Foodwatch

In Deutschland sind laut Foodwatch 15 Prozent der Kinder übergewichtig. 6 Prozent gelten sogar als adipös. Als Konsequenz drohen hier Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen. Grund für die Übergewichtigkeit ist meist eine ungesunde Ernährung. Glaubt man Foodwatch, dann ist das Marketing der deutschen Lebensmittelunternehmen ein Grund dafür. Wie aus einer aktuellen Studie der Organisation hervorgeht, locken deutsche Hersteller Kinder nach wie vor fast ausschließlich mit ungesunden Lebensmitteln.
Foodwatch nutzt die Studie "Kindermarketing für Lebensmittel. Freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft ("EU Pledge") auf dem Prüfstand" auch, um die freiwillige Selbstbeschränkung der Lebensmittelindustrie beim Kindermarketing für gescheitert zu erklären. Hintergrund: 2007 stimmten viele Unternehmen dem sogenannten EU Pledge, einer freiwilligen Selbstbeschränkung bei Werbung, die sich an Kinder richtet, zu. Insgesamt 281 Produkte von den Unternehmen wie Kellogg's, Ferrero oder Nestlé, die der Selbstbeschränkung zustimmten, wurden nun für die Studie untersucht. Dabei wurden die Nährwerte der Lebensmittel mit den Anforderungen an ausgewogene Lebensmittel der Weltgesundheitsorganisation WHO abgeglichen. Das Ergebnis: Lediglich 29 der untersuchten Produkte erfüllen diese Anforderungen.

Gesundheitsexperten sind der Ansicht, dass die restlichen 90 Prozent der untersuchten Produkte nicht an Kinder vermarktet werden sollten. Foodwatch sowie medizinische Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen wie die Deutsche Adipositas Gesellschaft fordern nun eine gesetztliche Begrenzung beim Marketing.
„Die Lebensmittelwirtschaft ist nicht Teil der Lösung, sondern der Kern des Problems“
Oliver Huizinga
Foodwatch nutzt die Gelegenheit, um den EU Pledge selbst zu kritisieren. Der Zuckergehalt bei Kinderfrühstücksflocken beispielsweise darf laut EU Plage doppelt so hoch sein (bis zu 30 Prozent) als der Wert, den die WHO empfiehlt (15 Prozent).

"Mit wohlklingenden Selbstverpflichtungen inszeniert sich die Lebensmittelbranche als Vorreiter im Kampf gegen Übergewicht und Fehlernährung - und vermarktet gleichzeitig tonnenweise Süßigkeiten und Junkfood gezielt an Kinder. Ein trauriges PR-Manöver, das nur von der eigenen Verantwortung ablenken soll. Die Lebensmittelwirtschaft ist nicht Teil der Lösung, sondern der Kern des Problems", so Oliver Huizinga, Experte für Kindermarketing bei Foodwatch. jp
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