Kritik an Foodwatch Wenn der Wind zurückbläst

Freitag, 26. September 2014
Alles andere als begehrt: Der Goldene Windbeutel
Alles andere als begehrt: Der Goldene Windbeutel
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Foodwatch Werbelüge WamS


Wenige Tage bevor die Abstimmungsfrist zum "Goldenen Windbeutel 2014" endet, sind nicht nur die nominierten Kandidaten für die "dreisteste Werbelüge des Jahres" Negativschlagzeilen ausgesetzt - auch Foodwatch selbst nehmen die Medien ins Visier. In dem Artikel "So luftig ist der ,Goldene Windbeutel'" wirft aktuell "Welt online" der Verbraucherschutzorganisation ein intransparentes Abstimmungsverfahren vor.

Die Tageszeitung stützt sich dabei auf drei Kritikpunkte: Erstens die Auswahl der Kandidaten, die ein Foodwatch-Team intern treffe und sich damit der Willkür verdächtig mache. Zweitens die intransparente Auszählung der Stimmen jenseits der Öffentlichkeit. So zeige Foodwatch im Abstimmungsprozess nicht einmal Zwischenergebnisse auf der Seite. Drittens bemängelt der Autor, dass das System keinen Hinweis auf Mehrfachabstimmungen gebe - sollten Doppelstimmen zulässig sein, öffne dies Tür und Tor für Manipulationsversuche, beispielsweise durch konkurrierende Windbeutel-Kandidaten.

Foodwatch betont gegenüber der Zeitung als auch auf HORIZONT-Nachfrage, dass man die technischen Möglichkeiten ausschöpfe, um Mehrfachabstimmungen und Manipulationsversuche herauszufiltern und man dabei auf einem "sehr hohen technischen Standard" arbeite. Auf das Einblenden von Zwischenergebnissen würde man gerade verzichten, um Unternehmen nicht noch mehr Anlass zu Manipulation zu geben. Eine ausführliche Stellungnahme hat Foodwatch online gestellt.

Tatsächlich sind die "Welt"-Vorwürfe nicht sonderlich gehaltvoll. Natürlich lässt sich die Frage stellen, warum genau diese und nicht andere Produkte nominiert sind - aber das muss ja nicht heißen, dass sie es nicht verdient haben. Und die Frage nach Intransparenz bringt jede nicht öffentliche Auszählung von Stimmen mit sich, Onlineabstimmungen insbesonders. Mit Zwischenergebnissen könnte die NGO sich durchaus einen Gefallen tun, weil sie mehr Sicherheit vermitteln würden, aber ein Beweis für die ordnungsgemäße Auszählung wären auch sie nicht.

Dass es die NGO nur auf Spendengelder abgesehen habe - ein weiterer Punkt in dem Artikel -, ist ebenso ein alter Hut, wie die Tatsache, dass Foodwatch-Chef Bode sich gerne zum Ritter des Verbraucherschutzes aufschwingt und die Medienpräsenz augenscheinlich genießt. Beides aber liegt in der Natur der Sache einer Non-Profit-Organisation: Ohne Aufmerksamkeit keine Spendengelder; ohne Spendengelder keine Vereinstätigkeit. Ob sein Ansinnen, auf Missstände in der Lebensmittelwirtschaft und -kommunikation aufmerksam zu machen, deshalb weniger begrüßenswert ist, ist eine ganz andere Frage.

Belvita
Bild: Mondelez

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Spannend an der diesjährigen Windbeutel-Abstimmung ist, dass die Medien immer häufiger einen kritischen Blick auf Foodwatch und seinen Preis zu werfen scheinen, was Industrie- und Verbandsvertreter viele Jahre vermisst und bemängelt haben. Die Hersteller haben gelernt, dass es im Streit mit Foodwatch nicht immer nur um Wahrheit und Klarheit geht, sondern es vor allem eine Kommunikationsschlacht zu schlagen gilt. Dass sie dabei die Medien auch mal für sich zu nutzen wissen, ist mit Sicherheit auch ein Verdienst ihrer Öffentlichkeitsarbeit in den vergangenen Jahren. In den Verbraucherforen dominiert nach wie vor ein Klima pro Foodwatch - keine Frage. Aber was die mediale Berichterstattung angeht, hat sich der Wind ein Stück weit gedreht und stellt auch Foodwatch gelegentlich vor neue, kommunikative Herausforderungen. Dass es dabei in die eine wie in die andere Richtung mal etwas windiger zugeht, ist eigentlich nur fair. mh

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