"Fliegen ist das neue Öko" Film-Studenten provozieren mit Kinospot für Luftfahrtlobby

Freitag, 01. April 2016
Die Hippies wollen lieber mit dem Auto von Stuttgart nach Marseille
Die Hippies wollen lieber mit dem Auto von Stuttgart nach Marseille
Foto: Screenshot Youtube / luftfahrtbewegt

In einem kürzlich angelaufenen Kinospot für den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) werben Hippies für Flugzeugreisen. Fliegen sei das neue Öko, heißt es darin. Die Macher, Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg, rufen mit dem Film jedoch einige Kritiker auf den Plan.
In dem einminütigen Spot wollen sich drei Alt-Hippies von Stuttgart aus auf den Weg zu einem Konzert in Marseille machen. Und zwar mit dem VW-Bus, versteht sich. Doch das Trio wird sich nicht einig, welche Route die beste ist. "Audobahn? Bis Marseille? Und sich mit der Maud abzogge lasse?", fragt einer von ihnen mit gekünstelt schwäbischem Akzent. Auch die alternative Route über die südfranzösischen Landstraßen fällt durch. "Was desch erst a Sprit koschtet." Schließlich überzeugt die junge Marie die Hippies von einer Flugreise. "Fliegen ist das neue Öko", sagt sie. Doch mit dieser Botschaft hat sich der Lobbyverband BDL viel Kritik eingefangen. Denn trotz zahlreicher Fortschritte in Sachen Kraftstoffverbrauch in den vergangenen Jahren, sei ein Flugzeug heute noch immer alles andere als klimafreundlich. "Ein Vier-Liter-Flugzeug ist hinsichtlich der Klimawirkung mindestens ein Acht-Liter-Flugzeug", sagt Lars Mönch, Fachgebietsleiter für Schadstoffminderung beim Umweltbundesamt (UBA), gegenüber Spiegel Online. Ein Flieger gebe nämlich viele andere Schadstoffe in die Luft ab, etwa Stickoxide, die die Erderwärmung ebenfalls verstärken würden. Mit seiner Kampagne streue der BDL "ein bisschen Sand in die Augen", so Mönch.

Der Film ist in Zusammenarbeit mit Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg entstanden. "Wir wären selbst vielleicht gar nicht auf diesen Spruch gekommen", zitiert Spiegel Online den BDL-Präsidenten Klaus-Peter Siegloch. "Aber er ist eine erlaubte Provokation." Und die funktioniert.

In den sozialen Netzwerken lassen sich die User aus: "Wer's glaubt. Man kann auch durch Verschweigen die Zuschauer täuschen", schreibt ein Youtube-Nutzer. "Die Autoindustrie produziert übrigens viel mehr Dreck", schreibt wiederum ein SPON-Kommentator. Siegloch berichtet Spiegel Online, dass er eine ganze Reihe wütender E-Mails erhalten habe. "Den Absendern schicken wir unseren Energieeffizienzreport", sagt er. Darin sind alle anderen Treibhausgase erwähnt.

Der Spot wird Online und vermutlich auch im Kino weiterhin zu sehen sein, sagt BDL-Pressesprecher Sebastian Scholze auf Nachfrage von HORIZONT Online. "Klar, ist das Video eine Provokation. Das darf es auch sein. Immerhin wird nun über das Thema gesprochen." ron

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