Fire Phone Amazons Frontalangriff auf Apple, Google und Samsung

Dienstag, 09. September 2014
Das Fire Phone kommt nach Deutschland
Das Fire Phone kommt nach Deutschland
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Gut sechs Wochen nach dem Verkaufsstart in den USA bringt Amazon sein Fire Phone nun auch nach Deutschland. Das erste Smartphone des E-Commerce-Riesen ist Teil einer ausgefeilten Produktoffensive, mit der Amazon Wettbewerbern wie Apple, Samsung und Google das Wasser abgraben will. Und das längst nicht nur im Smartphonemarkt.
Dass Amazon ausgerechnet jetzt mit seinem Fire Phone expandiert, dürfte kein Zufall sein. Am heutigen Dienstagabend präsentiert Apple im kalifornischen Cupertino aller Voraussicht nach neben der sagenumwobenen iWatch auch das neue iPhone 6. Auch wenn Amazon im Smartphone-Markt (noch) nicht das Standing hat, um Apple die Show zu stehlen - ein wenig Aufmerkamkeit wird der Handelsriese schon abzweigen können.
Zumal Amazon alles tut, um nach dem schleppenden Verkaufsstart in den USA - dort soll sich das Gerät in den ersten 20 Tagen lediglich 35.000 Mal verkauft haben - wenigstens die Deutschen von dem Smartphone zu überzeugen, das ab sofort beim Exklusivpartner Deutsche Telekom vorbestellt werden kann. Vor allem der Preis ist - passend zum Produktnamen - ziemlich heiß, jedenfalls auf den ersten Blick. Gerade einmal einen Euro kostet das Gerät, das durchaus das eine oder andere innovative Feature bietet. So etwa Firefly - einen Produktscanner mit direkter Anbindung zum Amazon-Shop. Oder auch die "Dynamic-Perspective"-Funktion, mit der Nutzer über Kippen, Schwenken und Neigen des Geräts durch Menüs, Apps und Karten navigieren können.

Der erste "Schnäppchen"-Eindruck relativiert sich spätestens beim Blick auf die Tarife, die man für das Fire Phone buchen muss. Die kosten nämlich mindestens 45 Euro. Den hohen Preis begründet  Telekom-Boss Tim Höttges mit den "ganz neuen Möglichkeiten", die das Fire Phone für das mobile Internet biete. "Um alle Funktionen in vollem Umfang nutzen zu können, braucht das Gerät ein starkes, leistungsfähiges Netz", so Höttges weiter. Dass das nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist, versteht sich von selbst.

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Damit der ambitionierte Gesamtpreis nicht zum Verkaufshemmnis wird, wirft Amazon eine ganze Reihe weiterer Preisanreize in die Waageschale. CEO Jeff Bezos nennt unter anderem exklusive Amazon-Funktionen wie die Mayday-Taste für technischen Live-Support sowie den kostenlosen und unbegrenzten Cloud-Speicherplatz für Fotos. Als weitere Dreingabe winkt Käufern des Fire Phone ein Jahr lang Amazon Prime gratis. Nutzer des Dienstes haben unbegrenzten Zugriff auf die Amazon-Videothek und die 500.000 Titel umfassende Kindle-Leihbücherei. Außerdem können sie sich auf Amazon erworbene Artikel kostenlos via Premiumversand zuschicken lassen.

Das Fire Phone ist zunächst exklusiv bei der Telekom erhältlich
Das Fire Phone ist zunächst exklusiv bei der Telekom erhältlich (Bild: Foto: Amazon)
Dass Amazon sein Fire Phone nutzt, um auf andere Dienste aufmerkam zu machen, gehört zum Konzept. Der Einstieg in den Smartphonemarkt ist jedenfalls nur ein Teil der Offensive, mit der das Unternehmen im Wettlauf mit Google, Apple und Co Schritt halten will. Ein weiterer Kanal, in dem die Mega-Konzerne gerade ihre Claims abstecken, ist TV: Vor wenigen Tagen erst hat Amazon in Deutschland Fire TV eingeführt. Die Set-Top-Box, die neben eigenen Diensten auch die Mediatheken von ARD und ZDF, aber auch Online-Videodienste wie Zattoo und Netflix sowie das Bewegtbildangebot der "Bild", Spotify und Maxdome (Pro Sieben Sat 1) anbindet, muss sich gegen Angebote wie Apple TV und Googles Chromecast-Streamingstick durchsetzen. Im Markt für Musik, Apps und Games konkurrieren die Konzerne schon lange miteinander.

Wer im Wettkampf der Giganten am Ende die Nase vorn hat, ist noch offen. Allerdings hat der Launch des Fire Phone gezeigt, dass es so etwas wie Mut zur Lücke im Wettstreit der Giganten nicht geben kann. Einen Kanal wie Mobile nicht selbst zu besetzen, kann sich niemand mehr leisten. Diese Lücke hat Amazon nun geschlossen. Das nächste Kapitel in dieser Geschichte wird wahrscheinlich am heutigen Abend erzählt, wenn Apple mit der iWatch in den Markt für Wearables einsteigt. Google Glass lässt grüßen. mas
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