Fintech-Szene Wie N26 und Vaamo die traditionellen Geldhäuser angreifen wollen

Dienstag, 26. Juli 2016
Das N26-Managementteam von links: CEO Valentin Stalf, COO Maximilian Tayenthal, CFO N26-Bank Matthias Oetken, CTO Christian Rebernik und CEO N26 Bank Markus Gunter
Das N26-Managementteam von links: CEO Valentin Stalf, COO Maximilian Tayenthal, CFO N26-Bank Matthias Oetken, CTO Christian Rebernik und CEO N26 Bank Markus Gunter
Foto: N26

Kaum ein Fintech macht in Deutschland derzeit mehr auf sich aufmerksam als N26, vormals Number 26. Das Berliner Start-up sorgte vor kurzem für Negativ-Schlagzeilen, als es knapp 500 Kunden ohne Angabe von Gründen kündigte. Jetzt, knapp zwei Monate später und mit neuem Namen, versucht das Start-up so aggressiv wie nie, die angestaubte Bankenwelt anzugreifen. Der neue Partner an der Seite: das Frankfurter Fintech Vaamo.
Vor wenigen Wochen sahen einige Experten bereits das Ende für N26 kommen. Weil Kunden zu häufig Geld von ihrem N26-Girokonto abgehoben hatten, kündigte das Start-up diesen Nutzern überraschend. N26 bietet ein kostenloses Girokonto mit Online-Banking an, mit dem Kunden gebührenfrei Geld am Automaten abheben können. Die eigentlich anfallenden Kosten für die Barabhebung übernahm das Start-up selbst. Die unprofitablen Kunden mussten daraufhin gehen. Zahlreiche Medien berichteten über diesen Vorfall. Die Krisen-Kommunikation des jungen Unternehmens war daraufhin nicht gerade mustergültig. Sie kam verspätet und nicht gerade einfühlsam daher. Alles in allem ein PR-Debakel. Doch trotz dieser Nachrichten scheint N26 weiterhin auf Erfolgskurs zu sein. Nur anderthalb Jahre nach Produktlaunch erhielt das Fintech vor wenigen Tagen von der Bafin und der Europäischen Zentralbank eine deutsche Vollbanklizenz und darf somit offiziell Bankgeschäfte in Europa tätigen. Mit über 200.000 Kunden ist das Start-up zwar im Vergleich zu traditionellen Bankhäusern keine große Nummer, trifft aber einen Nerv der großen Geldhäuser. Welche Bank schafft es schon, so viele Kunden in so kurzer Zeit zu gewinnen?

Mit der Banklizenz im Rücken gehen die Berliner nun in den Offensivmodus. Gestern verkündete das Unternehmen, das erste Investment-Produkt auf den Markt zu bringen. Ab heute können Kunden mit N26 Invest direkt in der App ihr Geld in Portfolios anlegen. Dieser Baukasten kommt vom Start-up Vaamo, mit dem N26 kooperiert. Vaamo ist ein Fintech aus Frankfurt, ein sogenannter Robo-Adviser, der automatisierte Geldanlagen anbietet. Im Februar hatte N26 bereits das Startup TransferWise in seinen Dienst integriert. TransferWise ermöglicht internationale Überweisungen.

Genau dieses Baukastensystem ist laut einem aktuellen "Handelsblatt"-Bericht (Print) aus Sicht der Unternehmensberater im Trend. Über eine Plattform werden den Kunden Leistungen angeboten, ohne diese selbst entwickelt zu haben. N26 und Vaamo haben diesen Trend erkannt. "Durch Kooperationen können Banken effizient und schnell innovative Produkte anbieten", wird etwa Jörg Sandrock, Geschäftsführer von PwC, zitiert. Damit sind übrigens auch traditionelle Bankhäuser gemeint, die immer häufiger den Schulterschluss mit Fintechs suchen, um ihr digitales Portfolio zu erweitern. Ende 2015 gaben die Nord LB und die Dieter von Holtzbrinck Ventures die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens bekannt, das sich mit dem "Aufbau von Geschäftsmodellen im Bereich innovativer Finanztechnologie" beschäftigen soll. Die Commerzbank startete ihren Main-Incubator, um Fintechs zu unterstützen. Und die Deutsche Bank richtete drei Innovationslabore in Berlin, London und im Silicon Valley ein, in denen die Produkte, Services und Dienstleistungen weiterentwickelt werden.

Vor rund einer Woche erhielt N26 übrigens etwa 40 Millionen US-Dollar an Risikokapital. Die Investoren glauben also scheinbar weiterhin an das junge Fintech - trotz Kündigungsskandal von vor zwei Monaten. Mit Horizons Ventures habe das Fintech nun einen Investor an Bord, der auch bei weiteren Runden mitgehen könnte, sagte N26-Gründer und Geschäftsführer Valentin Stalf gegenüber Gründerszene. Das Geld soll nun vor allem ins Marketing fließen. ron
Meist gelesen
stats