Fernbus-Markt So reagiert die Konkurrenz auf die Postbus-Übernahme durch Flixbus

Donnerstag, 04. August 2016
DeinBus.de könnte durch die Postbus-Übernahme durch Flixbus unter Druck geraten
DeinBus.de könnte durch die Postbus-Übernahme durch Flixbus unter Druck geraten
Foto: DeinBus.de

Diese Nachricht ließ aufhorchen: Mit der Übernahme von Postbus wird Flixbus endgültig zur unangefochtenen Nummer 1 im Fernbus-Markt. Die Konkurrenz beobachtet den Deal mit Argwohn - zumal das Bundeskartellamt den Vorgang nicht prüfen musste. 
Durch die Postbus-Übernahme baut Flixbus seine Stellung im Markt deutlich aus. Schon jetzt bietet das Unternehmen 100.000 tägliche Verbindungen zu 900 Zielen in 20 Ländern an. Der Marktanteil von Flixbus an den gesamten angebotenen Fahrplankilometern im deutschen Fernbusverkehr betrug zuletzt 70 Prozent. Im vergangenen Jahr reisten Unternehmensangaben zufolge rund 20 Millionen Menschen mit Flixbus. Für 2016 rechnet das Unternehmen mit einem Fahrgastzuwachs auf 30 Millionen Kunden. Neben der Deutschen Bahn, die mit den Marken Berlinienbus und IC Bus ebenfalls im Fernbusmarkt vertreten ist, und DeinBus.de konkurrieren zwei weitere Anbieter mit Flixbus/Postbus um Passagiere. Die Bahn hat durch ihre Stellung im öffentlichen Fernverkehr, also inklusive ihres Schienennetzes, eine noch recht komfortable Position. Daher dürfte insbesondere DeinBus.de unter dem Zusammenschluss leiden. Nach Anzahl der beförderten Passagiere kommt das Unternehmen derzeit auf 11 Prozent Marktanteil.
Die Marktanteile der führenden Fernbus-Anbieter in Deutschland
Die Marktanteile der führenden Fernbus-Anbieter in Deutschland (Bild: Statista)
Der Anbieter aus Offenbach war vor zwei Jahren bereits einmal insolvent und konnte nur durch den Einstieg des Investors Tillman Raith gerettet werden.
"Selbstverständlich wird Flixbus die Ticketpreise nun nach oben schrauben. Jeder Volkswirtschaftsstudent weiß, dass ein Monopolist die Monopolistenrente abschöpfen wird", so Raith.

Auf ein Einschreiten vom Bundeskartellamt brauchen die Konkurrenz-Unternehmen nicht zu hoffen: Die Bonner Behörde hat klargestellt, dass sie zwar durch Flixbus über die Postbus-Übernahme informiert wurde, es aber keinen Handlungsbedarf gebe. Genau genommen muss das Bundeskartellamt eine solche Übernahme nur dann inhaltlich prüfen, wenn 
die beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr vor dem Zusammenschluss insgesamt weltweit Umsatzerlöse von mehr als 500 Millionen Euro erzielt haben und im Inland mindestens ein beteiligtes Unternehmen Umsatzerlöse von mehr als 25 Millionen Euro und ein anderes beteiligtes Unternehmen Umsatzerlöse von mehr als 5 Millionen Euro erzielt hat.
„Selbstverständlich wird Flixbus die Ticketpreise nun nach oben schrauben. Jeder Volkswirtschaftsstudent weiß, dass ein Monopolist die Monopolistenrente abschöpfen wird.“
Tillmann Raith, DeinBus.de
"Wenn ein Fusionsvorhaben die geltenden Umsatzschwellen nicht erreicht, ist es beim Bundeskartellamt nicht anmeldepflichtig. Auf der Grundlage der vorliegenden Informationen konnten wir daher diesen Zusammenschluss nicht näher prüfen", teilt Kartellamtschef Andreas Mundt mit.

 
Alexander Kuhr, Gründer und Geschäftsführer von DeinBus.de, erhofft sich nun Unterstützung vom Gesetzgeber: "Wir fragen uns, ob die Politik ihr Ziel 'Mehr Wettbewerb im Fernverkehr durch Liberalisierung der Fernbusse' erreicht hat, wenn es nun ein doppeltes Monopol zwischen Flixbus und der Bahn gibt. Die Politik hat es in der Hand, den Wettbewerb zu erhalten, für günstige Mobilität zu sorgen und ein dichtes Fernverkehrsangebot zu schaffen."

Die Deutsche Bahn wollte sich auf Anfrage von HORIZONT Online nicht zu möglichen Auswirkungen der Postbus-Übernahme auf den Fernbus-Markt äußern. Allerdings hadert das Unternehmen derzeit ohnehin mit seiner Strategie in diesem Bereich: Auf der Halbjahres-Pressekonferenz am 27. Juli hatte Bahnchef Rüdiger Grube angekündigt, die Geschäftsaktivitäten im Fernbus-Bereich auf den Prüfstand zu stellen. 

Hierzu gab ein Bahnsprecher folgendes Statement ab: "Nach einer Phase dynamischen Wachstums stagnieren derzeit die Fahrgastzahlen im Fernbusmarkt. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerbsdruck absehbar hoch und die Preise unverändert niedrig. Daher wird die DB im zweiten Halbjahr 2016 ihre Fernbusstrategie neu bewerten und zu gegebener Zeit die Öffentlichkeit dazu informieren." ire
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