Facebooks Gender-Offensive Gleichberechtigung à la Mark Zuckerberg

Donnerstag, 09. Juli 2015
Das neue Gruppen-Zeichen auf Facebook
Das neue Gruppen-Zeichen auf Facebook
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Facebook Regina Mehler Caitlin Winner Carolyn Everson


Facebook feilt weiter am Design. Nach einer kürzlichen - recht marginalen - Logo-Änderung, die vielen Nutzern kaum aufgefallen sein dürfte, hat das Social Network nun auch die Icons für Freunde und Gruppen geändert. Das Besondere: Die Frau tritt aus dem Schatten des Mannes heraus. "Endlich!", meint Regina Mehler, Gründerin und Geschäftsführerin der Women Speaker Foundation (WSF). HORIZONT Online hat mit ihr über die Gender-Offensive von Facebook gesprochen.
Facebook Freunde-Logo alt (l.) und neu (r.)
Facebook Freunde-Logo alt (l.) und neu (r.) (Bild: Screenshot)
Es ist ein Akt für mehr Gleichberechtigung: Das bisherige Freunde-Logo zeigt im Vordergrund die Silhouette eines Mannes, etwas versetzt rechts dahinter die einer Frau. Im neuen Icon hat sich die Frau vor den Mann geschoben. Wie und warum Facebooks-Chefdesignerin Caitlin Winner das geändert hat, erklärt sie in einem Beitrag im Medien-Fachmagazin medium.com: "Als Frau, die ihre Ausbildung an einer Frauenschule absolvierte, war es schwer, nicht die Symbolik des früheren Icons zu sehen. Die Frau stand wortwörtlich im Schatten des Mannes." Sie wollte aber zwei Menschen in gleicher Größe direkt nebeneinander haben, ohne dabei erkennen zu lassen, wer in der ersten Reihe steht.
So sah das Gruppen-Icon vorher aus
So sah das Gruppen-Icon vorher aus (Bild: Screenshot)
Hand angelegt hat Designerin Winner auch am Gruppen-Icon. Stand das Konterfei einer Frau bislang rechts im Hintergrund, nimmt es nun die zentrale Position in der Mitte ein (siehe Bild oben). Allerdings sind hier die Männer noch in der Überzahl. Auch die Silhouetten selbst hat Winner modernisiert. Die Darth-Vader-Helm-artige Frisur der Frau verschwand, die Schultern erscheinen breiter. Auch das Männer-Motiv peppte sie auf. Die neuen Icons sind derzeit zum Teil nur in der App aktualisiert. In der Desktop-Version von Facebook prangen immer noch die alten Zeichen.
Regina Mehler, Gründerin und Geschäftsführerin der Women Speaker Foundation
Regina Mehler, Gründerin und Geschäftsführerin der Women Speaker Foundation (Bild: WSF)
WSF-Gründerin Mehler kämpft seit einigen Jahren für mehr Frauen auf der Bühne, aber auch in Führungspositionen. Sie wundert sich nicht darüber, dass ausgerechnet Facebook die Frau optisch nach vorne holt, schließlich verantworten in diesem Unternehmen unter anderem mit Sheryl Sandberg (COO), Carolyn Everson (Vice President Global Marketing Solutions), Nicola Mendelsohn (Vice President EMEA) und hierzulande mit Marianne Dölz viele Frauen Führungspositionen. Eigenartig erscheint ihr allerdings der Vorstoß von Facebook (und Apple) im Herbst vergangenen Jahres: Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, erhalten einen Bonus. Auf diese Weise, so versprechen sich die Unternehmen, zögern sie das Kinderkriegen hinaus und konzentrieren sich erst einmal ganz auf die Karriere. Ein Lockmittel, das durchaus kontrovers aufgenommen wurde.
„Wir müssen auch Stereotype, Sprache und Bilder verändern, die den Prozess der beruflichen Gleichberechtigung begleiten.“
Regina Mehler, Gründerin und Geschäftsführerin WSF
Was Facebook hier nur ganz unscheinbar in dem Freundschaftsicon ändert, beschreibt laut Mehler sehr gut die Stimmung in der Branche. "Dass Facebook in diesem Icon einmal bewusst die Frau gleichberechtigt neben den Mann stellt, ist ein schönes Zeichen. Genau das passiert doch gerade: Die Frauen bringen sich in Stellung, arbeiten an ihrem Auftritt, formieren sich in Netzwerken und kämpfen für mehr Macht, mehr Verantwortung und dafür, beruflich etwas zu bewegen." So gut wie heute seien die Zeiten für Frauen noch nie gewesen: "Wir haben spannende Initiativen, die für mehr Frauen in Führungspositionen und mehr Frauen in Aufsichtsräten kämpfen, die Gründerinnen unterstützen oder Frauen in technischen Berufen. Aktuell gibt es zwar noch keine Frau, die ein Dax-Unternehmen als CEO führt, aber das wird nicht mehr allzu lange dauern", ist sich Mehler sicher.

Auch wenn sich mit dem Icon nur ein winziges Detail ändert, für Mehler geht es genau um diese Kleinigkeiten: "Wir müssen auch Stereotype, Sprache und Bilder verändern, die den Prozess der beruflichen Gleichberechtigung begleiten." Man brauche neue (Vor)Bilder im Kopf, vor allem für die nächste Generation: "Es stimmt nicht, dass Frauen, keine Unternehmen führen können. Wir brauchen erfolgreiche Vorzeige-Frauen in technischen Berufen, im Vorstand, in den Aufsichtsräten und solche, die zeigen, dass sich Karriere und Kinder nicht ausschließen."

Für Mehler drückt die Veränderung der Logos aber noch etwas anderes aus: "Es geht um ein Miteinander und nicht um ein Entweder – Oder." Es sei kein Geheimnis mehr, dass gemischte Teams besser funktionieren und bessere und kreativere Ergebnisse erzielen. "Wenn Mann und Frau nun gleichberechtigter nebeneinander stehen, weist das den Weg, den wir gehen müssen." jm
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