Facebook vs. Twitter Suárez-Tweet von Snickers sorgt für erneute Reichweitendiskussion

Donnerstag, 26. Juni 2014
So reagierte Snickers auf Twitter auf den Surez-Biss - mit großem Erfolg (Bild: Screenshot)
So reagierte Snickers auf Twitter auf den Surez-Biss - mit großem Erfolg (Bild: Screenshot)


Die Diskussion um die organische Reichweite auf Facebook bekommt neue Nahrung. Jüngster Anlass ist die schon jetzt legendäre Beißattacke von Luis Suárez bei der WM: Snickers griff das Ereignis sowohl bei Twitter als auch auf Facebook mit Postings in eigener Sache auf. Dass der Tweet wesentlich mehr User-Interaktionen generierte als der Facebook-Post, bringt einen Digitalstrategen der Snickers-Agentur BBDO zu dem Ergebnis: "Facebooks organische Reichweite ist zu 100 Prozent tot."


Der, der das sagt, ist nicht irgendjemand: Rhys Hillman ist Senior Digital Strategist bei BBDO in New York und wurde Anfang 2013 vom britischen "Guardian" zu den zehn Digitalstrategen gezählt, die man im Auge behalten müsse. Gestern veröffentlichte Hillman auf seinem Twitter-Profil eine Collage, die den Snickers-Tweet zu Suarez sowie den entsprechenden Facebook-Post nebeneinander zeigt. Zum damaligen Zeitpunkt hatte der Tweet 35.000 Retweets gesammelt und war rund 15.000 Mal favorisiert worden. Das zur selben Zeit abgesetzte Posting auf Facebook hingegen verzeichnete gerade einmal 3.250 Likes und knapp 700 Shares. Und das, obwohl dem allgemeinen Snickers-Account auf Twitter "nur" etwas über 50.000 Nutzer folgen, während die Facebook-Seite mehr als 11 Millionen Fans hat. "Faceboooks organische Reichweite ist 100 % tot", lautet Hillmans eindeutiges Verdikt.

Die Frage ist, ob man die beiden Kanäle in der Art und Weise miteinander vergleichen kann, wie Hillman es tut. So merkt einer seiner Follower beispielsweise an, dass die User-Ansprache von Snickers auf Twitter deutlich besser gewesen sei als auf Facebook. Ein anderer Punkt dürfte jedoch viel wichtiger sein: Was Echtzeit-Kommunikation angeht, ist Twitter noch immer der wesentlich etabliertere Kanal. Passiert in der Welt etwas Spannendes, wird auf dem 140-Zeichen-Dienst in Echtzeit reagiert und darüber gesprochen - je nach viralem Potenzial mit enorm hohen Interaktionsraten.

Man denke nur an die spektakuläre Notwasserung eines US-Airways-Flugzeugs auf dem Hudson-River im Jahre 2009: Eines der ersten Fotos der Beinahe-Katastrophe wurde auf Twitter verbreitet. Und aus Markensicht gilt der Oreo-Tweet zu dem Stromausfall beim letztjährigen Super Bowl immer noch als Bravourstück in Sachen Echtzeitmarketing. Über den Kurznachrichtendienst verbreitete sich die Nachricht der Mondelez-Marke seinerzeit in Sekundenschnelle. Das war auch bei den Marken-Tweets zu Suárez der Fall, der entsprechende Hashtag wurde schnell zum Twitter-Trend.

Nur: Bedeutet höhere Interaktion auf Twitter gleich niedrige Reichweite auf Facebook? Bei Facebook hält man wenig von Hillmans Vergleich: "Auf Facebook stehen Interaktionen nicht für Reichweite", so ein Sprecher gegenüber HORIZONT.NET. "Ein Post kann organisch hunderttausende oder sogar Millionen von Menschen erreichen, aber gleichzeitig nur wenig Interaktionen haben." Beispiel Thomas Müller: Der deutsche Nationalspieler habe mit dem Bild seiner genähten Augenbraue Facebook zufolge 10 Millionen Menschen innerhalb eines Tages erreicht und 1,9 Millionen Interaktionen generiert, davon mehr als 300.000 Likes.

Nichtsdestotrotz arbeitet Facebook daran, stärker als Kanal zur Echtzeitkommunikation wahrgenommen zu werden. So hat das Unternehmen kürzlich einen "Newswire" eingerichtet, der sich in erster Linie an Journalisten richtet und sich besonders für Breaking News eignen soll - also jene Nachrichten, die normalerweise auf Twitter schnell Verbreitung finden. Weitere Features wie etwa "Trending Topics" sollen für zusätzliche Aufmerksamkeit für aktuelle Themen sorgen. ire
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