"Facebook fällt bei Marketern durch" Der offene Brief von Forrester an Mark Zuckerberg

Dienstag, 29. Oktober 2013
Daumen hoch? Laut Forrester gilt das nicht für das Facebook-Marketing
Daumen hoch? Laut Forrester gilt das nicht für das Facebook-Marketing

Über diesen offenen Brief wird sich Mark Zuckerberg überhaupt nicht gefreut haben. Die Zeilen, die Forrester-Analyst Nate Elliott gestern in seinem Blog verfasst hat, kommen einer Generalabrechnung gleich und treffen das Social Network an seiner empfindlichsten Stelle. "Facebook fällt bei Marketern durch", lautet die zentrale Botschaft des Marktforschers, der sich dabei auf eine Umfrage beruft. Wie Nate Elliott, Vice President und Principal Analyst bei Forrester, weiter ausführt, hat das Marktforschungsunternehmen im August 2013 knapp 400 Marketing-Entscheider in den USA, Kanada und Großbritannien befragt. Dabei ging es darum, wie zufrieden die Manager mit verschiedenen Marketing-Kanälen sind. Das Ergebnis: Auf der Bewertungsskala, die von einem Punkt (sehr unzufrieden) bis fünf Punkte (sehr zufrieden) reicht, landet Facebook in dem Ranking mit 3,54 Punkten auf dem letzten Platz - noch hinter Twitter, Google Plus und Youtube.

Das Ergebnis der Forrester-Studie (Quelle: Forrester)
Das Ergebnis der Forrester-Studie (Quelle: Forrester)
"Viele Marketer stecken inzwischen eine Menge Geld in Facebook-Marketing, aber relativ wenige sind damit auch erfolgreich", sagt Elliott. Der Marktforscher stellt dem Social Network gleich in mehreren Punkten ein mieses Zeugnis aus. So tue Facebook zu wenig, um soziale Erlebnisse und Bindungen zwischen Marken und Nutzern zu ermöglichen. "Jeder, der auf den Like-Button einer Markenpage auf Facebook klickt, erklärt sich damit einverstanden, Botschaften der Marke zu erhalten", sagt Elliott. Im Schnitt würden die Marken-Posts aber nur 16 Prozent der Fans zu sehen bekommen. Stattdessen setze Facebook auf "Display-Ads im Web 1.0-Stil und einfachstes Targeting". "Die Marketer sagen, dass diese Display-Ads schlicht nicht funktionieren", bilanziert Elliott.

Umsätze von Facebook weltweit nach Segmenten bis 2013 (Quartalszahlen)
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
Elliotts Kritik bezieht sich nicht nur auf Details, sondern auch auf das große Ganze: "Facebook ist schlicht nicht gut genug im Werbegeschäft, auf dem nun der Fokus liegt", attackiert der Forrester-Mann Zuckerberg. Forrester schätze, dass die Zahl der täglich auf Facebook eingeblendeten Display-Ads im zweistelligen Milliardenbereich liegt. Allerdings würden weniger als 15 Prozent dieser Banner auch bei der relevanten Zielgruppe ankommen. Das spiegele sich auch in der Umfrage wider. "Die Entscheider, die wir befragt haben, sagen, dass Display-Ads auf Facebook weniger wirksam sind als anderswo", so Elliott.

Aus Sicht von Forrester muss Facebook dringend handeln, um das enorme Potenzial, das im Advertising-Geschäft liegt, zu erschließen. "Sie müssen den Marketern, die den finanziellen Erfolg Ihres Unternehmens sicherstellen, besser zuhören", adressiert Elliott Zuckerberg direkt. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen Werbebudgets von Facebook abziehen. Für Facebook wäre das ein Horrorszenario. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit 4,28 Milliarden US-Dollar den Löwenanteil seines Umsatzes mit Werbung erzielt (siehe Chart). Im 2. Quartal 2013 kletterten die Werbeumsätze auf das Allzeithoch von rund 1,6 Milliarden Dollar.

Update, 13:19 Uhr: Das sagt Facebook

Facebook hat inzwischen auf die Vorwürfe von Forrester reagiert. Ein Sprecher räumt gegenüber HORIZONT.NET zwar grundsätzlich ein, dass die Einlösung der Versprechen von Social Media noch nicht abgeschlossen sei. "Die Schlussfolgerungen dieses Reports sind aber teilweise unlogisch und teilweise unverantwortlich", so der Sprecher weiter. "Die Wahrheit ist, dass Facebook-Marketing funktioniert", sagt der Sprecher - und verweist auf die mehr als eine Million aktiven Werbekunden, die das Social Network kürzlich meldete. Außerdem hätten zahllose Studien bewiesen, dass Werbungtreibende auf Facebook einen "signifikanten Return on Investment erzielen könnten. Facebook werde sich bemühen, Werbungtreibenden auch in Zukunft positive Ergebnisse zu liefern. mas
Meist gelesen
stats