FMCG Ranking Wieso die 50 größten Konsumgüterhersteller der Welt erstmals schrumpfen

Donnerstag, 28. September 2017
Der einzige deutsche Vertreter im Ranking Henkel wächst erneut gegen den Trend
Der einzige deutsche Vertreter im Ranking Henkel wächst erneut gegen den Trend
© Henkel
Themenseiten zu diesem Artikel:

Umsatz OC&C Strategy Consultants Ranking Digitalisierung


Seit 2002 erhebt die Beratungsfirma OC&C Strategy Consultants jedes Jahr das Ranking der 50 größten Konsumgüterhersteller der Welt. An der Spitze tut sich nicht viel, doch kumuliert muss die Branche einen schweren Schlag hinnehmen: Erstmals sind die Umsätze der 50 Top-FMCG-Player in der Summe zurückgegangen, und zwar um 0,7 Prozent (Vorjahr: +0,3). Innovative Newcomer und lokale Größen profitieren von der Digitalisierung und geringeren Marktzutrittsbarrieren. Woran das liegt:

Umsatzwachstum der FMCG-Top-50 von 2002-2016

Quelle: OC&C

Jahrzehntelang feierten die Konsumgüterhersteller einen Umsatzrekord nach dem nächsten, auch in Zeiten der Krise 2009 brach das Wachstum zwar dramatisch ein, befand sich aber immer noch auf einem Niveau von 0,6 Prozent. Doch nach dem Aufschwung 2010 sanken die Wachstumsraten wieder sukzessive bis zu einem neuen Tiefpunkt im vergangenen Jahr. Nun also das erste Minus in der Geschichte der OC&C-Erhebung. Vor allem die Vertreter der Nahrungsmittelbranche unter den Top 50 müssen kämpfen: Sie büßen im Schnitt 2,5 Prozent Umsatz ein.

Die Gründe:

Den einen Grund für die genannte Entwicklung gibt es nicht, aber einige gewichtige Argumente sprechen gegen die FMCG-Riesen. Einige Vertreter hatten ein geringes Mengenwachstum und konnten ihren Absatz nicht analog zum Bevölkerungswachstum steigern. Vor allem in aufstrebenden Märkten befinden sie sich im Wettbewerb mit starken lokalen Champions. Andere wiederum kämpfen nicht mit regionalen, sondern mit breiter agierenden kleinen Playern, die sich bietende Chancen durch die fortschreitende Digitalisierung klug nutzen. Das Stichwort lautet hier niedrigere Markteintrittsbarrieren. "Die alten Regeln gelten nicht mehr", sagt Chehab Wahby, Partner bei OC&C und Co-Autor der Studie. Kundennähe, Agilität und Authentizität entwickelten sich in der digitalen Welt zu immer wichtigeren Attributen.

Das Ranking:

An der Spitze nichts Neues: Es führt weiterhin Nestlé mit einem Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel von 90,8 Milliarden US-Dollar - von der 2014 übersprungenen 100-Milliarden- Grenze sind die Schweizer deutlich entfernt. Mit weitem Abstand auf Platz 2 und 3 folgen der weltweit größte Werbungtreibende Procter & Gamble (64,9 Milliarden) und Pepsico (62,8 Milliarden). Von den zehn größten verzeichnen lediglich der brasilianische Fleischproduzent JBS (7 Prozent) und Brauereiriese Anheuser-Busch Inbev (4 Prozent) ein nennenswertes Umsatzwachstum. Als einziges deutsches Unternehmen unter den ersten 50 liegt Henkel auf Rang 38, drei Positionen höher als im Vorjahr. Das Wachstum von 7 Prozent führt zu einem Gesamtumsatz von 10,6 Milliarden US-Dollar..
Das sind die 50 größten FMCG-Hersteller 2016 - zum Vergrößern bitte klicken
Das sind die 50 größten FMCG-Hersteller 2016 - zum Vergrößern bitte klicken (© dfv)

Die Learnings:

"Grundsätzlich wird der Trend weiter anhalten. Aber man muss differenzieren: Es wird auch weiterhin große Unternehmen geben, die durch gutes Markenmanagement wachsen werden", sagt Wahby. Dafür müssen die Big Player agiler werden, Entscheidungs- und Innovationszyklen verkürzen und Abläufe automatisieren. Auch Akquisitionen können helfen: "Hierbei geht es um den Spagat zwischen der Konservierung einer erfolgreichen Marke und der Nutzung von Synergieeffekten", sagt Wahby. Ein Beispiel: Der Brauereigigant Heineken hat in den vergangenen Jahren eine Reihe an Craft-Biermarken zugekauft, weil deren Margen sehr attraktiv sind. Die Marken existieren weiter unter ihrem eigenen Label, profitieren aber von der Distributions- und Einkaufsstärke eines Großkonzerns. fam
Meist gelesen
stats