Exklusiv-Umfrage zum ADAC Vertrauenswert beim Automobilclub bricht ein / Aus für "Gelben Engel"

Donnerstag, 23. Januar 2014
Gegen die Wand gefahren: Der ADAC ist jetzt selbst Pannenopfer (c) ADAC
Gegen die Wand gefahren: Der ADAC ist jetzt selbst Pannenopfer (c) ADAC

Die Manipulation beim Gelben Engel hat das Image des ADAC massiv beschädigt. Wie stark, zeigt jetzt erstmals eine Online-Blitzumfrage von Survey Sampling Germany im Auftrag von HORIZONT und der Mainzer Managementberatung 2hm. Danach haben 47 Prozent der Befragten derzeit weniger Vertrauen als vor der Krise. Die Umfrage, an der sich 500 Personen beteiligt haben, fand am Dienstag Nachmittag statt. Damit zeigt sich erstmals, wie stark sich das Frisieren der Zahlen bei der Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen auf das Image des größten europäischen Automobilclubs auswirkt. Eine Twitter-Analyse von Attensity für HORIZONT zeigt zudem, dass von Samstag bis Montag die Zahl der Tweets zum Thema ADAC auf 7200 explodierte. Davor lag die Anzahl der Kurznachrichten im Schnitt bei 100 am Tag. Über zwei Drittel der Posts waren negativ, die Mehrheit der Nachrichten stammt von Männern. Am häufigsten fallen die Begriffe Betrug, Skandal und Vertrauen.

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Eine Überraschung ist das nicht; nur wird erstmals sichtbar, vor welchem Scherbenhaufen der ADAC in der Markenführung steht. "Beziffern, glaube ich, kann man den Schaden in Euro und Cent wohl kaum. Aber schlimmer, als das Vertrauen in einer so prominenten Frage wie der eigenen Glaubwürdigkeit zu verlieren, kann es nicht kommen. Das wird auch die Rolle und Bedeutung des ADAC als politischer Akteur massiv schwächen", sagt Christopher Wünsche, Markenexperte aus München. Mit dem Abgang von Kommunikationschef Michael Ramstetter, der die Manipulation beim ADAC-Preis eingestanden hatte, wird das alleine nicht zu kitten sein. Seit Tagen fordern Branchenexperten und die Politik immer wieder eine Reform des Automobilclubs, um das verloren gegangene Vertrauen wiederzuerlangen. "Transparenz ist künftig mehr denn je gefragt und damit eine Stärkung des Markenkerns", sagt etwa 2hm-Geschäftsführer Frank Meyrahn.

ADAC-Präsident Peter Meyer (c) ADAC
ADAC-Präsident Peter Meyer (c) ADAC
Auch weitere personelle Konsequenzen werden nicht ausgeschlossen. "Die Frage ist doch, wer hat über Jahre diese Kultur des Mauschelns geduldet?", sagt etwa Kommunikations-Spezialist Volker Klenk. Der Managing Partner von Klenk & Hoursch in Frankfurt sieht nicht nur die Mitgliederzeitschrift "ADAC Motorwelt" auf dem Prüfstand, sondern auch die Leserwahl zum Gelben Engel. "Sie ist verbrannt. Es braucht einen neuen Namen und Modus." Das scheint man beim ADAC ähnlich zu sehen. Dem Autobranchen-Titel "Automobilwoche" antwortete ADAC-Präsident Peter Meyer auf die Frage, ob der Gelbe Engel noch eine Zukunft habe: "Sicherlich nein, er hat keine Zukunft. Das war ein Totalschaden". Damit könnte das Ende des Preises, zumindest in seiner bisherigen Form, besiegelt sein. Meyer kündigte zudem in einer Erklärung an, den Verein mehr öffnen zu wollen. "Ich werde dem höchsten Gremium des ADAC, der Hauptversammlung im Mai 2014 in Saarbrücken, Vorschläge unterbreiten, die dauerhaft für mehr Offenheit, höhere Transparenz und direktere Mitgliedereinbindung sorgen sollen." Ob das reicht, die Öffentlichkeit zu beruhigen, werden die nächsten Tage zeigen. mir
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