Employer Branding Stress, Sparzwang und Intrigen killen Arbeitgeberattraktivität

Montag, 03. August 2015
Die Ellipse zeigt das Ideal eines attraktiven Arbeitgebers
Die Ellipse zeigt das Ideal eines attraktiven Arbeitgebers
Foto: Top Job

Eine entscheidende Rolle im Kampf um die Talente spielt die Attraktivität des Arbeitgebers. Das klingt banal, ist es aber nicht. Die Mühe lohnt sich allerdings, da sich positive Anreize für die Unternehmen besonders wirtschaftlich auszahlen: bei attraktiven Betrieben steigt laut einer Trendstudie von Top Job sowohl die Unternehmensleistung um 16 Prozent, als auch die Innovationsraten um 12 Prozent. Die Kundenbegeisterung liegt um 12 Prozent höher.
Beim detaillierten Vergleich der Geschlechter zeigen sich teilweise überraschende Unterschiede: 27 Prozent der Männer legen besonderen Wert auf eine Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, bei mehr als 30 Prozent punktet der Betrieb mit einer Kultur des Vertrauens. Frauen und der Generation Y hingegen sind aktive Mitarbeiterführung wichtig. Sie erwarten vor allem ergebnisorientierte und inspirierende Führung (durchschnittlich 17 Prozent) und die Möglichkeit, internes Unternehmertum zu leben. Negative Kräfte wirken bei allen befragten Gruppen gleich. Beschleunigungsfallen wie Stress, Überbelastung und Dauerbelastung reduzieren die Arbeitgeberattraktivität um 24 Prozent. Auch Zentralisierung und korrosive Energie, gekennzeichnet durch interne Machtkämpfe und Mikropolitik, wirken sich mit 23 Prozent beziehunsgweise 19 Prozent negativ auf die Unternehmensbewertungen aus. Innerer Rückzug und Frustration sowie Gleichgültigkeit (19 Prozent) zerstören ebenfalls die Arbeitgeberattraktivität.

Eine weitere Erkenntnis: es braucht nicht allzu viele unterschiedliche Strategien für die einzelnen Zielgruppen – die Erwartungsprofile der Generation X (zwischen den 1960ern und 1980ern Geborene) ähneln sehr stark denen der Männer, jene der Generation Y denen der Frauen. Sind die mentalen Einstellungen zum Vorgesetzten positiv, spielen die Talente weniger mit dem Gedanken, die Firma zu verlassen. Sie fühlen sich eher mit dem Unternehmen verbunden und kommunizieren dies auch nach außen. Grundsätzlich reagieren dabei aber die weiblichen Mitarbeiter und die Generation Y besonders sensibel: Erleben beide Gruppen ihren Arbeitgeber als unattraktiv, sind sie schneller bereit zu kündigen und sind stärker emotional erschöpft als Männer bzw. die Generation X.

Die Ergebnisse stammen aus der aktuellen Top-Job-Trendstudie, die Bewertungen zu den Arbeitsbedingungen in Unternehmen liefert. Im Auftrag des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität (Zeag) hat das Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen die Befragungsergebnisse von 16.274 Führungskräften und Mitarbeitern aus 96 Unternehmen mit 20 bis 5000 Mitarbeitenden ausgewertet. Unter dem ausgeglichenen Anteil von Männer und Frauen gehören 26 Prozent aller Befragten der Generation X und 25 Prozent der Generation Y an. Ziel der Studie war es, die Attraktivität von Unternehmen zu analysieren, welche sich vor allem auf die Bewertungen, Gedanken und Gefühle der Arbeitnehmer in Bezug auf ihren Job bezieht. hor
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