Einfach abgekupfert Warum die BVG Ärger mit einer Instagrammerin hat

Montag, 20. November 2017
Plakat und Instagrampost gleichen einander bis ins kleinste Detail
Plakat und Instagrampost gleichen einander bis ins kleinste Detail
© Anetha Lu via Facebook
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BVG Anetha Lu Plakat Jung von Matt Petra Reetz


In der vergangenen Woche sorgten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und Jung von Matt/Saga wieder einmal für einen Ohrwurm, als sie den Münchener-Freiheit-Hit "Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)" in einem Viral-Spot wieder aufleben ließen. Doch nun sorgt ein Plakat für Negativ-Schlagzeilen. Der Grund: Das Motiv ist nahezu 1:1 von dem Foto einer Instagrammerin abgekupfert. Diese findet dies gar nicht lustig. Die BVG war bis zu ihrer Kontaktaufnahme allerdings offenbar ahnungslos - und fühlt sich von der verantwortlichen Agentur betrogen.
"Copy & Taste (sic!): Ihr hättet mich auch einfach fragen können": Mit diesem Vorwurf brachte die Social-Media-Nutzerin Anetha Lu auf der Facebookseite der BVG den Stein ins Rollen. Dazu hat sie ein Foto angefügt, auf dem ihr Original-Foto (veröffentlicht am 29. Juni) und das Plakat der Verkehrsbetriebe gegenübergestellt sind. Man muss dabei gar nicht allzu genau hinschauen, um die Ähnlichkeit festzustellen. Denn auf beiden Bildern ist eine rothaarige Frau mit modischer Kapitänsmütze zu sehen, die eine Jeansbluse mit zweireihiger Kette trägt und zwischen zwei gelben Bussen steht. Lediglich der Gesichtsaudruck und die Gesichtszüge unterscheiden sich voneinander. Dazu der Spruch: "Bloggerin kann jede. Werde Busserin" - was man getrost als Anspielung auf das Original-Bild auffassen kann. Im Gespräch mit HORIZONT Online verrät Anetha Lu, wie sie Wind von den Plakaten bekam. Zwar wohnt sie selbst seit zwei Jahren in Berlin und nutzt täglich den Nahverkehr der BVG, wurde aber erst durch den Hinweis eines Arbeitskollegen auf den Motivklau aufmerksam. "Ich bin fast vom Stuhl gefallen", so die Instagrammerin, die  2.000 Abonnenten auf dem Foto-Netzwerk hat. Inzwischen habe die BVG mit ihr Kontakt aufgenommen. Was die Parteien nun geklärt haben, dürfe sie allerdings erst in den nächsten Tagen verraten.

Tatsächlich antworteten die Verkehrsbetriebe noch am selben Tag des Vorwurfs-Posts mit folgendem Kommentar auf Anetha:


Die Verkehrsbetriebe bitten sie darin um eine Kontaktaufnahme und entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten. Auch die BVG bezieht im Gespräch mit HORIZONT Online Stellung zum Vorfall. Laut Pressesprecherin Petra Reetz hätten die Verkehrsbetriebe selbst erst durch die Kontaktaufnahme der Instagrammerin von dem Motivklau erfahren. Die Plakate, mit denen die BVG um Nachwuchs wirbt, stammen von einer Agentur, die die BVG nicht nennen möchte - von Stammbetreuer Jung von Matt kommen sie aber nicht. Inzwischen haben die Öffis laut Reetz mit den Verantwortlichen das Gespräch gesucht und sie für die Aktion heftig kritisiert. "So etwas darf nicht passieren", so die Pressesprecherin, "das steht außer Frage".

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© Twitter/@BVG_Kampagne

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Laut Reetz fühlen sich die BVG sogar betrogen. Denn das Motiv habe den Verantwortlichen sehr gut gefallen und sie gingen davon aus, dass alles rechtens zugegangen sei. "Sich Inspiration auf der Straße zu holen, ist ja vollkommen in Ordnung, aber hier ist ohne Frage 1:1 kopiert worden", fügt Reetz an. Dafür gäbe es keine Entschuldigung. Im Anschluss an die Kontaktaufnahme mit Anetha Lu habe die BVG ihr ein Honorar angeboten, über das nun mit ihr verhandelt werde.

Die Plakate werden nicht mehr lange in der Hauptstadt zu sehen sein, denn die Bewerbungsphase für die beworbenen Ausbildungen ist zu Ende. bre
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