Edeka-Filiale Wie dieser Supermarkt ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit setzt

Montag, 21. August 2017
Kreativer Protest bei Edeka
Kreativer Protest bei Edeka
Foto: facebook.com/WeisseRoseGemeinschaft

Eine Edeka-Filiale in der Hamburger Hafencity hat am Wochenende mit einer überraschenden Aktion für große Aufmerksamkeit gesorgt: Nahezu alle Regale des Marktes waren leer, stattdessen standen darin Schilder mit einer warnenden Botschaft.
"So leer wären unsere Regale ohne Ausländer", "Dieses Regal ist ohne Vielfalt ziemlich langweilig" oder "Unsere Auswahl kennt heute Grenzen" hieß es darauf. In der Tat herrschte in dem Markt gähnende Leere: Wein aus Frankreich, Käse aus den Niederlanden oder Tomaten aus Spanien - alles nicht zu haben. "Die Regale sehen aus wie auf Cuba", kommentierte ein Nutzer auf Twitter ironisch. 
Was tatsächlich hinter der Aktion steckt, ließ sich bislang nicht klären. Filialinhaber Markus Böcker wollte sich auf Nachfrage von HORIZONT Online nicht äußern und bat stattdessen darum, am Dienstag noch einmal anzurufen. Aus der Edeka-Zentrale gibt es bisher ein recht knappes Statement. Auf Anfrage von HORIZONT Online erklärte ein Sprecher: "Edeka steht für Vielfalt. Wir führen zahlreiche Lebensmittel in unserem Sortiment, die in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands hergestellt werden. Aber erst gemeinsam mit Produkten aus anderen Ländern schaffen wir in unserem Sortiment die einzigartige Vielfalt, die unsere Kunden schätzen. Wir freuen uns, dass wir viele positive Stimmen zu der Aktion am Samstag bekommen haben. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aktuell noch nicht mehr zu dieser Aktion sagen möchten." So ist man letztendlich aufs Spekulieren angewiesen. Die naheliegendste Erklärung: Hier hat jemand ziemlich kreativ gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Jedenfalls bekommt das Thema große Aufmerksamkeit: Auf Facebook erhalten die Filialbetreiber viel Lob und Zuspruch, auch auf Twitter gibt es Unterstützung, etwa von der rheinland-pfälzischen CDU-Chefin Julia Klöckner.
Dass man mit einer solchen Aktion auch weniger offene Nutzer anlockt, lässt sich wohl nicht vermeiden. Einer der Stänkerer ist etwa der AfD-Politiker Marcus Pretzell: "Ist das nicht eher völlig irre?", fragt der Ehemann von Frauke Petry auf Twitter - erhält dafür aber auch jede Menge Gegenwind. Die Antwort eines Nutzers: "Wenn jetzt noch einer fragt warum man nicht die AfD wählen sollte. Hier ist die Antwort. Weil die einfach zu doof sind sowas zu kapieren." 

Bereits im Juli bekam Edeka viel positive Publicity, nachdem das Unternehmen auf sympathische Weise auf ein Plakat beim G20-Gipfel in Hamburg reagiert hatte. Der Hamburger Andre Kramer hatte sich durch Demonstranten und Polizisten einen Weg gebahnt, in der Hand in Pappschild mit der Aufschrift: "Ich bin Anwohner und gehe nur kurz zu Edeka - Danke". Edeka bot Kramer auf Facebook anschließend an, ihm seine Lebensmittel einfach nach Hause zu liefern - und erntete dafür viel Applaus. ire
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