EU-DSGVO Marketer haben Ernst der Lage noch nicht erkannt

Donnerstag, 16. November 2017
Die EU-DSGVO soll das Datenschutzrecht EU-weit vereinheitlichen
Die EU-DSGVO soll das Datenschutzrecht EU-weit vereinheitlichen
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Am 25. Mai 2018 tritt die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union verbindlich in Kraft. Die bereits im vergangenen Jahr beschlossene Regelung soll das Datenschutzrecht EU-weit vereinheitlichen und regelt unter anderem die Rechtsgrundlagen der Datenverarbeitung. Für das Online-Marketing dürfte die EU-DSGVO - in Verbund mit der kürzlich beschlossenen E-Privacy-Verordnung - weitreichende Folgen haben, da die Verwendung personenbezogener Daten künftig strenger gehandhabt wird. Doch viele Marketer scheinen darauf noch nicht in ausreichendem Maße vorbereitet, wie eine Umfrage von HubSpot nahelegt.
Zu den Konsequenzen, die die befragten Marketer durch die EU-DSGVO für ihr Geschäft erwarten, gehören etwa sinkende Konversionsraten (33 Prozent nennen diesen Punkt), Veränderungen in den Marketing-Routinen (37 Prozent) und schrumpfende Kontaktdatenbanken (51 Prozent). Wer dabei die Gewinner sein werden, steht für die Befragten ebenfalls fest: 41 Prozent schätzen, dass sie personenbezogene Daten zukünftig vermehrt über externe Plattformen wie Facebook oder Google verarbeiten werden. Dementsprechend wollen 44 Prozent der Umfrageteilnehmer in den nächsten Jahren mehr in Social-Media-Marketing investieren wollen, 37 Prozent wollen mehr für SEO ausgeben. Das heißt: Facebook und Google, die bereits jetzt den überwiegenden Teil der Online-Spendings auf sich vereinen, bekommen noch mehr Marktanteile. 41 Prozent der Befragten wollen den Weg gehen, vermehrt auf Content Marketing zu setzen.
Wie sich das Marketing durch die EU-DSGVO verändert
Wie sich das Marketing durch die EU-DSGVO verändert (© HubSpot)
Viele Marketer und Führungskräfte sind den Ergebnissen der HubSpot-Umfrage zufolge allerdings gar nicht oder nur unzureichend auf das vorbereitet, was da auf sie zukommt. 12 Prozent der Befragten gaben an, überhaupt erst durch diese Umfrage von der neuen Verordnung gehört zu haben. Und auch bei denen, die immerhin Bescheid wissen, sind viele noch untätig geblieben: Fast ein Viertel (22 Prozent) hat noch keinerlei Maßnahmen ergriffen und weniger als die Hälfte (42 Prozent) ist laut HubSpot "mehr oder weniger" darauf vorbereitet.
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Zu den bereits getroffenen Maßnahmen gehören etwa Anpassungen der Art und Weise, wie Kundendaten gesammelt werden (60 Prozent), der Datensicherheits- und Datenschutzprotokolle (56 Prozent) sowie Umstellungen auf Opt-In-Verfahren (55 Prozent).
Viele Marketer ahnen offenbar nicht, was mit der Datenschutz-Grundverordnung auf sie zukommt
Viele Marketer ahnen offenbar nicht, was mit der Datenschutz-Grundverordnung auf sie zukommt (© HubSpot)
Dass es lohnt, sich auf die Änderungen durch die DSGVO vorbereitet zu sein, zeigt die Einstellung der Verbraucher, die HubSpot ebenfalls abgefragt hat: 90 Prozent der Befragten beurteilen die EU-DSGVO als vorteilhaft für Verbraucher. Die Gründe dafür sind vielfältig. So glauben drei Viertel der Befragten, dass Unternehmen personenbezogene Daten nicht sicher handhaben. Dementsprechend wollen sie auch sofort informiert werden, falls Sicherheitslecks entdeckt werden.

91 Prozent der Befragten wünschen sich zudem, dass Unternehmen sie darüber informieren, wie mit ihren personenbezogenen Daten umgegangen wird, während 55 Prozent gerne einsehen würden, welche Daten Unternehmen von ihnen gespeichert haben. Ganze 59 Prozent würden das sogenannte "Recht auf Vergessenwerden" nutzen wollen, das ihnen das Anrecht auf die komplette Löschung ihrer Daten zusichert.
Datenschutz ist schwer zu durchschauen (© Gerd Altmann / PIXELIO)

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Auch die Art und Weise der Werbeansprache ist für die Verbraucher von Bedeutung. So sind 84 Prozent der Umfrageteilnehmer der Ansicht, dass Unternehmen sie nicht ohne ihre Erlaubnis kontaktieren dürfen sollten. Dementsprechend negativ ist auch die Einstellung der Konsumenten gegenüber Werbetelefonate und -E-Mails. Hierbei würden 61 bzw. 60 Prozent Gebrauch von einer Opt-Out-Option machen. ire
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