Tabakindustrie Bald hat es sich in der Werbung ausgequalmt

Montag, 29. Juni 2015
E-Zigaretten werden bald auch vom Tabakwerbeverbot betroffen sein
E-Zigaretten werden bald auch vom Tabakwerbeverbot betroffen sein
Foto: tibanna79/Fotolia

Während die Hersteller der E-Zigaretten in den Markenaufbau investieren, geht es für die Tabakbranche jetzt ums Ganze. Der Industrie droht das völlige Werbeverbot.
Vergangenen Freitag hat Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, den Referentenentwurf zur Umsetzung der Tabakproduktrichtlinie an seine Kollegen in den Ressorts Wirtschaft, Finanzen, Gesundheit und Justiz geschickt. Der Vorschlag enthält Brisantes. Schmidt plant ein komplettes Werbeverbot für Tabakprodukte. Das würde bedeuten: Künftig dürften die Zigarettenhersteller auch nicht mehr auf Plakaten und im Kino für Zigaretten und Tabakprodukte werben. "Deutschland ist neben Bulgarien das einzige Land in der Europäischen Union, in dem die Außenwerbung für Zigaretten noch erlaubt ist", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Dies konterkariert unsere intensiven Bemühungen in der Tabakprävention gerade bei Kindern und Jugendlichen."

Für weitere Diskussionen wird sorgen: Die E-Zigaretten mit Nikotin werden in dem Papier herkömmlichen Zigaretten gleichgestellt - mit allen Restriktionen. Das heißt: Die bereits bestehende Verbote für Tabakwerbung in Print, Radio, TV und in "Diensten der Informationsgesellschaft", sprich Online, würden damit auch die E-Zigaretten treffen. Das soll ebenso für die nikotinfreien Varianten gelten.
„Wir halten es für grundfalsch, dass in einem frühen Stadium ab 2016 die immensen Vorteile gegenüber der Tabakzigarette nicht mehr flächendeckend kommuniziert werden dürfen.“
Dac Sprengel
Das würde den noch jungen Markt hart treffen. Der Protest formiert sich bereits. „Wir halten es für grundfalsch, dass in einem frühen Stadium ab 2016 die immensen Vorteile gegenüber der Tabakzigarette nicht mehr flächendeckend kommuniziert werden dürfen“, sagt Dac Sprengel, Vorsitzender des Verbands des E-Zigarettenhandels (VdeH). 

Kommt das Verbot, müssen sich die Hersteller, die sich ohnehin gerade im Aufbau ihrer Marken befinden, umstellen. Erst seit zwei Jahren wird die Elektro-Kippe intensiv beworben, hat daher bei weitem nicht die Bekanntheit, die das Produkt in anderen Ländern genießt. „Für die Hersteller wird es ab 2016 natürlich schwieriger, über die E-Zigarette und deren Funktion als Alternative zum Tabak zu informieren“, glaubt René Linden, CEO von Power Cigs. Das Unternehmen, das hinter der Marke Lynden steht, hatte vor zwei Monaten für Aufmerksamkeit gesorgt, als es erstmals nach 40 Jahren den Qualm zurück ins TV brachte. fam/mir 

Wie die E-Zigarettenhersteller derzeit sich auf ein mögliches Verbot vorbereiten und was noch für Beschränkungen in der Kommunuikation drohen, steht in der aktuellen Ausgabe von Horizont, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.
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