E-Commerce Adidas gibt Verkauf auf Amazon und Co frei

Mittwoch, 02. Juli 2014
Auch der legendäre Copa Mundial ist künftig wohl auf Amazon zu haben
Auch der legendäre Copa Mundial ist künftig wohl auf Amazon zu haben


Der Sportartikelhersteller Adidas hat sich dem Druck von Händlern und Behörden gebeugt. Ab sofort können Handelspartner der Drei-Streifen-Marke die Produkte auf Marktplätzen wie Amazon und Ebay verkaufen - bislang war dies nur im eigenen Onlineshop möglich, und auch dort nur eingeschränkt. Der Druck war am Ende doch zu groß. Vor allem Sportfachhändler beschwerten sich vehement über die 2012 eingeführten E-Commerce-Richtlinien von Adidas, die es Handelspartnern untersagte, ihre Produkte auf Amazon und anderen Online-Marktplätzen zu verkaufen. Eine weitere Einschränkung: Zwar durften die Händler unter Einhaltung der Adidas-Kriterien einen eigenen Onlineshop betreiben, allerdings nicht über Suchmaschinenmarketing dafür werben. Das hatte zur Folge, dass vor allem kleinere Händler im Internet vom Kunden schlichtweg nicht gefunden wurden.

Weil dies nach Einschätzung des Bundeskartellamts weder wettbewerbskonform noch im Sinne der Kunden ist, hatte die Behörde ein Verfahren gegen den Sportartikler aus Herzogenaurach eingeleitet. Nach "umfangreichen Ermittlungen" wurde Adidas im Laufe des Verfahrens informell mitgeteilt, dass "schwerwiegende wettbewerbsrechtliche Bedenken im Hinblick auf das Verkaufsverbot über Online-Marktplätze und Beschränkungen der Suchmaschinenwerbung für autorisierte Händler bestehen", heißt es in einer Presseerklärung.

Adidas hat daraufhin neue E-Commerce-Bedingungen vorgelegt, die den Händlern nun die Nutzung von Amazon und Co erlauben. Wie bei einem selektiven Vertriebssystem üblich stellt Adidas allerdings nach wie vor die gleichen Kriterien an die Präsentation der Waren wie zuvor, heißt es aus Herzogenaurach. So soll beispielsweise durch die Bildauswahl sichergestellt werden, "dass der Kunde stets ein optimales Markenerlebnis hat". Außerdem muss immer eine Kontaktmöglichkeit bestehen, damit der Kunde auch auf Marktplätzen die "vollumfängliche Beratung" bekommt. Amazon und Ebay hätten sich in diesen Punkten in den vergangenen beiden Jahren weiterentwickelt, sagt eine Adidas-Sprecherin.

Das wettbewerbsrechtliche Verfahren ist damit eingestellt. Kartellamtspräsident Andreas Mundt: "Wir begrüßen, dass Adidas seinen autorisierten Einzelhändlern jetzt ermöglicht, nicht nur einen eigenen Online-Shop, sondern auch Shops auf Online-Marktplätzen zu betreiben. Dies ist gerade für kleine und mittlere Sportfachhändler auch in Anbetracht rückläufiger Kundenfrequenzen eine wichtige Möglichkeit, ihren Kundenkreis zu erweitern. Auch die Verbraucher profitieren hiervon ganz unmittelbar." Weiterhin ermittelt wird hingegen gegen den Sportartikler Asics, der ebenfalls sehr beschränkende E-Commerce-Richtlinien hat und im April von der Behörde abgemahnt wurde. Laut Kartellamt würden derzeit Gespräche über eine kartellrechtskonforme Ausgestaltung des selektiven Vertriebssystems geführt.

Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbands Onlinehandel, erhofft sich vom Adidas-Entscheid eine Signalwirkung auf andere Hersteller: "Das Ziel ist noch nicht erreicht, denn es gibt immer noch Hunderte von Herstellern, die Fachhändlern den Online-Vertrieb verbieten. Hier werden wir als Bundesverband Onlinehandel weiter aktiv bleiben. Wir werden informieren und uns weiter für die Rechte der Online-Händler einsetzen. Ob Hersteller oder Politik in Berlin und Brüssel - der Druck muss bleiben." mh
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