Donald Trump Weshalb Expedia zur Amtseinführung des Präsidenten für mehr Weltoffenheit warb

Dienstag, 24. Januar 2017
Während der Vereidigung von Donald Trump warb Expedia für Weltoffenheit
Während der Vereidigung von Donald Trump warb Expedia für Weltoffenheit
Foto: Expedia
Themenseiten zu diesem Artikel:

Expedia Donald Trump Markenrelevanz CNN Andrew Cocker


Als US-Unternehmen steht Expedia vor der Herausforderung, in seinem Marketing auf das Phänomen Donald Trump richtig zu reagieren. Der TV-Spot zur Vereidigung des neuen Präsidenten zeigte, dass das durchaus geschmackvoll und mit hoher Markenrelevanz möglich ist. In einem eigens für die Berichterstattung von CNN produziertem TV-Spot (Produktion: Stink) entwickelt sich ein Gespräch zwischen zwei Reisenden zu einem Plädoyer für Weltoffenheit und gegen die Unterdrückung abweichender Meinungen. Ohne jemals mit Namen genannt zu werden, ist der neue Präsident in dem Spot stets präsent.

Expedia ist nicht die einzige und wird wohl auch nicht die letzte Marke bleiben, die Trump als Werbethema nutzt: In Deutschland nutzt das Umzugsportal Move 24 und der Mobilfunkprovider Klarmobil den polarisierenden Politiker in Kampagnen. In England wirbt die Fertigsuppenmarke Pot Noodles mit der Erfolgsgeschichte des völlig unqualifizierten Maurers Gary, die offensichtlich von Donald Trumps Biographie inspiriert ist. Aber während diese Kampagnen durchgängig auf dem komödiantischen Potenzial des neuen Präsidenten aufbauen, steht Expedia vor einem schwierigeren Balance-Akt. Als US-Unternehmen kann es den republikanischen Politiker kaum offen kritisieren, ohne negative Reaktionen seiner Anhänger einzukalkulieren.
Expedia wählte deshalb eine alternative Strategie und thematisiert stattdessen unter dem Claim "Travel the world better" die grundsätzliche Notwendigkeit für eine offene Geisteshaltung. Im Spot "Train" erklärt der alte Reisende die Neugierde zur urmenschlichen Eigenschaft: "Wir haben schon von Kindesbeinen an das Bedürfnis, über den Zaun unserer Nachbarn zu schauen. Und wenn wir das tun, sehen wir die Wunder, die uns auf der anderen Seite erwarten." Diese Offenheit sei der Schlüssel, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen und schlägt im Voice-Over auch skeptische Töne an: "Engstirnige Geister wirst du vielleicht nur wenig beeinflussen …"

Der Charme des Spots liegt nicht nur darin, dass er maßgeschneidert für das liberale und tendenziell auch reisefreudigere Publikum des Nachrichtensenders CNN ist. Expedia gelingt damit auch ein Marketingstunt, der sich nichtsdestotrotz in die Logik der aktuell laufenden globalen Markenkampagne einfügt.

Auch in der von Fallon London für den europäischen Markt kreierten Kampagnenumsetzung "Eine wundervolle Welt" bildet die gesellschaftliche Grundstimmung die Basis der Marketingstrategie, wie Andrew Cocker, Senior Marketing Director EMEA, gegenüber HORIZONT erklärte (Ausgabe 02/2017): "Weltweit ist die Intoleranz auf dem Vormarsch. Und die Menschen reagieren darauf, indem sie auf Plattformen wie Upworthy nach persönlichen Geschichten mit einer positiven Botschaft suchen. Hier wollen wir uns anschließen und vermitteln, dass es wichtiger denn je ist, zu reisen und positive Erfahrungen in anderen Ländern zu machen." cam

Meist gelesen
stats