Dmexco 2016 So tickt die Touristik

Freitag, 09. September 2016
Sven Ditz sieht in der Touristikbranche Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung
Sven Ditz sieht in der Touristikbranche Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung
Foto: fvw

Ob Influencer Marketing oder Programmatic Advertising – die „Touristik ist bei der Digitalisierung eine der langsamsten Branchen“, kritisiert Sven Ditz, Chef der Agentur Sitegeist. Das Aufholpotenzial sei enorm.

„Ich kann mir kaum eine Branche vorstellen, für die Digitalisierung so relevant ist und die soweit zurück liegt“, sagt Sven Ditz, Geschäftsführer und Leiter Konzeption der Digitalagentur Sitegeist Tourismus Solutions. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen hält er die Entscheidungsketten in der Reisebranche für deutlich länger, teils herrsche eine regelrechte Abwehrhaltung.

Sitegeist-Geschäftsführer Sven Ditz auf der Dmexco

Um das Thema "So tickt die Touristik - digitale Vermarktungspotenziale erkennen und richtig nutzen" dreht sich auch der Expertentalk auf der Dmexco am HORIZONT-Stand C11 in Halle 9. Am Donnerstag, den 15. September wird Sven Ditz, Geschäftsführer und Leiter Konzeption Sitegeist Tourismus Solutions, ab 13:30 Uhr dazu Rede und Antwort stehen.
„Manche Touristiker hätten am liebsten noch immer, dass Kunden anrufen, Faxe schicken und von selbst ins Reisebüro gehen“, so Ditz. Zwar hätten die meisten Travel-Unternehmen inzwischen passable Internetseiten, aber längst nicht überall könne der Nutzer online oder mobil buchen. Mancherorts gebe es nur einen Digitalen im Marketer-Team. Zugleich steckten dieselben Firmen Jahr für Jahr Millionen Euro in den Druck von Reisekatalogen, obwohl über diese nur noch ein Drittel des Geschäfts laufe.

Seinen Weckruf richtet Ditz vor allem an klassische Reisebüros, Ketten und Veranstalter. „Die Alteingesessenen werden links und rechts von hochkapitalisierten Quereinsteigern überholt.“ Herausforderer sind die großen Online-Reisebüros wie Booking.com, Digitalkonzerne wie Google und Facebook sowie Metasuchmaschinen wie Tripdavisor. Diese kassieren für die Vermittlung einer Reise-, Hotel- oder Flugbuchung meist 15 bis 25 Prozent vom Umsatz und teils noch deutlich mehr.

„Wenn man das Horrorszenario weiterspinnt, dann ist ein mittelständischer Hotelbesitzer irgendwann kein Selbstentscheider mehr, sondern abhängig von Booking.com, HRS und Co“, warnt Ditz. Seinen Kunden rät er deshalb in die eigenen Digitalpräsenzen zu investieren, um die Direktbuchungen zu steigern.

„Viele Reisebüros versuchen, die großen Portale zu imitieren“, moniert der Agenturchef. Stattdessen sollten diese die eigenen Stärken klar herauszustellen und auf allen Digitalkanälen deutlich machen, „bei uns kannst Du auch in den Laden kommen“. „Das Potenzial ist riesig, Reiseunternehmen bei ihrer fortschreitenden Digitalisierung strategisch zu beraten“, so Ditz. Das Schöne sei: „Sind die oft bodenständigen, mittelständischen Travel-Entscheider einmal mit guten Ergebnissen überzeugt, dann sind es treue Kunden.“ Jochen Eversmeier

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