Diskriminierung bei der Jobsuche Studenten fordern anonymes Bewerbungsverfahren

Freitag, 21. August 2015
Unternehmen sollen nur nach Fähigkeiten bewerten
Unternehmen sollen nur nach Fähigkeiten bewerten
Foto: Talerio

Die Suche nach fairen Jobchancen beschäftigt die Arbeitsmarktpolitik seit vielen Jahren. Quotenregelungen für einen festen Frauenanteil oder Benachteiligungen wegen ausländischer Wurzeln beeinflussen oftmals die Wahl des zukünftigen Arbeitnehmers. 77 Prozent der jungen Akademiker sprechen sich deshalb für anonymisierte Bewerbungen ohne Foto, Namen und Angaben zu Geschlecht und Herkunft aus.
Das ist das Ergebnis der Studie „Jobsuche und Berufseinstieg“, bei der die Stellenvermittlungsplattform Talerio über 1000 Studenten befragt hat. Jeder vierte deutschsprachige Student wurde selbst bereits wegen seines Geschlechts oder seiner Herkunft bei der Jobvergabe benachteiligt. Dass Stellenbesetzungen vorurteilsfrei ablaufen, glauben deshalb lediglich 12 Prozent der angehenden Akademiker.

Die große Mehrheit ist überzeugt, dass anonyme Bewerbungen für mehr Fairness bei der Stellenvergabe sorgen. 92 Prozent der befragten Studenten begrüßen es sogar, wenn Unternehmen durch externe Dienstleister mit konkreten Stellenangeboten an sie herantreten würden. Aus Sicht von Talerio-Gründer und Geschäftsführer Marlon Litz-Rosenzweig birgt die Anonymität klare Vorteile für die Betriebe: „In der Vorauswahl erhalten dadurch Bewerber eine Chance, die hervorragend passen, aber im normalen Verfahren möglicherweise durchs Raster fielen“. Zudem garantiere das anonyme Verfahren Rechtssicherheit. Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz können ausgeschlossen werden.

Zum Unternehmen

Die Recruiting-Plattform Talerio vermittelt langfristige Arbeitsperspektiven. Das Hamburger Unternehmen bietet den Studenten und Absolventen gezielt die passenden Stellen. Die datengestützte Kandidatenauswahl soll eine unbewusste Diskriminierung bei der Qualifikationsbewertung verhindern.
Dennoch sind die Meinungen je nach Studienrichtung unterschiedlich. Mehr als die Hälfte der Geisteswissenschaftler hält das anonyme Verfahren für den richtigen Weg, bei den traditionell wirtschaftsnäheren Studiengängen wie Jura und den Wirtschaftswissenschaften sind es hingegen nur 38 Prozent. Nachteile und Herausforderungen, die diese Methode mit sich bringt, machen die Studenten skeptisch. Neben den technischen Hürden sei es für die Unternehmen nun schwerer, passende Kandidaten zu finden.hor
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