Discounter Netto und die süße Abzockerin im Kaufmannsladen

Donnerstag, 16. März 2017
Fernsehzuschauer wissen dank Netto: Auch im Kaufmannsladen lauert Abzockerei
Fernsehzuschauer wissen dank Netto: Auch im Kaufmannsladen lauert Abzockerei
Foto: Netto Discount
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Viralhit EDEKA YouTube Facebook Jung von Matt


Gibt es etwas Harmloseres als Kinder, die mit ihrem Kaufmannladen spielen? Nicht, wenn Netto Discount plötzlich die Preisfrage ins Spiel bringt. Dann wird aus einem altbekannten Ritual plötzlich ein echter Viralhit. Die Discounttochter von Edeka zeigt nun schon seit einigen Wochen im Fernsehen eine amüsante Geschichte über einen kleinen Jungen, dem die aufgerufenen Preise im Kaufmannsladen seines Kindergartens zu hoch sind. Auf Youtube konnten darüber schon mehr als 1,5 Millionen Nutzer schmunzeln.
Das in Nürnberg ansässige Discount-Unternehmen ist noch einer der letzten Händler, der komplett auf Außenkommunikation verzichtet. Das hindert Netto allerdings nicht daran, online mit seinen Werbevideos regelmäßig Publikumslieblinge zu liefern. So sammelte Nettos Katzenvideo im vergangenen Jahr rund 11 Millionen Views ein. Auch die Frühjahrskampagne ist auf einem guten Weg. Am 17. Februar hochgeladen (die reguläre TV-Austrahlung begann zwei Tage später), liegt das Video allein auf Youtube deutlich im siebenstelligen Bereich. Weniger überraschend wird der Erfolg, wenn man bedenkt, dass Netto seine Werbung bei der Edeka-Agentur Jung von Matt produzieren lässt (eine offizielle Bestätigung dazu ist von keinem der beteiligten Unternehmen zu bekommen). Auch Edeka kann immer wieder mit Filmen wie zuletzt "Eatkarus" reichweitenstarke Digitalauftritte liefern. Es stellt sich allerdings die Frage, ob Nettos Digitalstrategie ähnlich effektiv ist wie der Auftritt der Konzernmutter. Denn während Edeka alle digitalen Kontakte aus Kampagnen auf eine ganze Palette von digitalen Dialogplattformen weiterleiten kann, vergibt Netto aufgrund seiner Schweigsamkeit viel von dem digitalen Kommunikationspotenzial. Der beste Beleg dafür: Nettos Facebook-Seite hat derzeit 343.000 Fans. Konkurrent Lidl hat sich dagegen 2,3 Millionen Fans auf Facebook erarbeitet.

Mit dem mangelnden kreativen Potenzial lässt sich diese Diskrepanz sicher nicht erklären. So übersetzt die aktuelle Frühjahrskampagne die vergleichsweise simple Preisbotschaft in eine charmante und gut gecastete Geschichte aus dem Kindergarten. Wie der kleine Junge seine Rolle als Kunde spielt und das Mädchen die Verkäuferin hinter der Ladentheke die Verkäuferin gibt, ist sehr authentisch und dürfte den meisten Erwachsenen ein Lächeln entlocken. Auch die Pointe - der Vergleich zwischen den fiktiven Preisen des Spiezeugladens und den Billigpreisen bei Netto - ist gut platziert.

Damit aus dieser Geschichte allerdings ein echter Kult entstehen kann, müsste Netto auch Interaktionen rund um den Auftritt fördern. Doch dabei scheitert schon das Youtube-Video. Kommentare sind hier nicht möglich. cam
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