Digitalisierung Deutsche Internetwirtschaft überholt Automobilindustrie in zwölf Jahren

Mittwoch, 23. März 2016
eco-Geschäftsführer Harald A. Summa
eco-Geschäftsführer Harald A. Summa
Foto: eco

Deutschland gilt gemeinhin als Land der Ingenieure. Glaubt man einer aktuellen Studie des Branchenverbands eco, dann könnte Deutschland bald als Nation der Web-Dienstleister wahrgenommen werden. Schon in wenigen Jahren soll die Internetwirtschaft an einer Reihe von Traditionsbranchen vorbeiziehen.
Laut der Untersuchung, die eco, der Verband der Internetwirtschaft, gemeinsam mit Arthur D. Little durchgeführt hat, steckt im Digital Business noch viel Musik - und zwar über viele Jahre. Laut der Studie soll der jährliche Umsatz der deutschen Internetwirtschaft von 72,6 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 114 Milliarden Euro im Jahr 2019 steigen - das wäre ein durchschnittliches Wachstum von 12 Prozent im Jahr. Der eco-Verband nutzt diese Steilvorlage freilich, um die Internetwirtschaft zu einer der "treibenden Kräfte der deutschen Wirtschaft" zu machen. Die Branche wachse sechs- bis siebenmal schneller als die deutsche Gesamtwirtschaft, schreiben die Autoren der Studie, die sich dabei auf die aktuelle Prognose der Bundesregierung für das deutsche Wirtschaftswachstum berufen. Diese liegt fürs laufende Jahr bei 1,7 Prozent, für das Jahr 2017 stellt die Bundesrefgierung ein Plus von 1,5 Prozent in Aussicht. 

Umsatzentwicklung der deutschen Internetwirtschaft von 2012 bis 2019

Quelle: (eco)
Der prophezeite Siegeszug der Internetwirtschaft hat aus Sicht der Studien-Autoren zwangsläufig zur Folge, dass diese anderen Industrien den Rang ablaufen wird. "Bleiben die Wachstumsraten der einzelnen Wirtschaftszweige in den kommenden Jahren gleich – und momentan spricht nichts für große Veränderungen diesbezüglich –, dann wird die deutsche Internetwirtschaft bereits in fünf Jahren die Maschinenbauindustrie und die chemisch-pharmazeutische Industrie überholen", erklärt Lars Riegel, Principal bei Arthur D. Little. "Im Jahr 2028 wird sie sogar die Automobilindustrie hinter sich lassen, die derzeit noch das größte Marktvolumen beisteuert."

Das Wachstum wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Laut Studie soll d
ie Zahl der Beschäftigten in der Branche von 243.000 im Jahr 2015 auf 332.000 im Jahr 2019 steigen. Das entspricht einem jährlichen Anstieg von über acht Prozent. "Dass die Zuwachsraten hier hinter dem Umsatz zurückbleiben, zeigt deutlich, dass die Internetwirtschaft immer effizienter wird", erläutert eco-Geschäftsführer Harald A. Summa

Hinzu kommt, dass aus Sicht der Studien-Autoren auch andere Branchen von der Digitalisierung profitieren. Als Beispiele werden etwa
Prozessoptimierungen in der Logistikbranche und im Handel genannt. "Die Internetwirtschaft ist somit ein Treiber für das Wachstum und vor allem auch die Wettbewerbsfähigkeit anderer Industrien", glaubt Summa. Aus seiner Sicht werden Unternehmen, die sich nicht aktiv mit der digitalen Transformation beschäftigen, ins Hintertreffen geraten. mas 

Die Studie

In der zu Grunde liegenden Studie wurden die Zahlen zu den Umsätzen und der Beschäftigung in der Internetwirtschaft in Deutschland sowie der detaillierten Segmentprofile auf Basis von Daten von eco und Arthur D. Little sowie verschiedener Sekundärdatenquellen von Verbänden (bvh, EITO, BITKOM, VATM, BIU, ZVEI, etc.), von Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts, der Bundesnetzagentur und anderer Dienste (z. B. Statista, Destatis) sowie auf Basis von zahlreichen Experteninterviews ermittelt.
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