Digitale Transformation Weshalb Nestlé-CEO Paul Bulcke ein Problem mit der Schwerkraft hat

Donnerstag, 15. September 2016
Nestlé-CEO Paul Bulcke
Nestlé-CEO Paul Bulcke
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Nestlé ist mit seinen 150 Jahren Firmengeschichte ganz klar ein Traditionsunternehmen. Das hindert CEO Paul Bulcke aber nicht daran, in der digitalen Transformation den direkten Vergleich mit Start-ups zu suchen. Denn der Schweizer Lebensmittelkonzern begnügt sich nicht damit, in den digitalen Kanälen den Anschluss zum Mainstream zu halten, er will digitaler Innovationsführerin der Konsumgüterbranche sein.

Im Programm der diesjährigen Dmexco war Bulckes Thema noch als Frage formuliert: „Can a 150-years old company lead in digital?“ Aber der gebürtige Belgier machte von Anfang an kein Geheimnis aus seiner Meinung zum technologischen Wandel: „Digital öffnet uns die Tür zu einer unglaublichen Zahl neuer Möglichkeiten.“ Wer diese Möglichkeiten nutzen wolle, müsse sich allerdings erst einmal klarmachen, woher er komme. Und das ist im Fall von Nestlé ein Hintergrund, der in der digitalen Ära von vielen als Wettbewerbsnachteil empfunden wird.

Bulcke ist sich der latenten Widerstände innerhalb der eigenen Unternehmensorganisation sehr bewusst: „Wenn man ein Unternehmen mit einer 150-jährigen Geschichte ist, dann erzeugt das eine gewisse Schwerkraft gegen Veränderungen. Und wenn das Unternehmen erfolgreich ist, dann ist diese Schwerkraft sogar noch schlimmer.“

Der Nestlé-CEO sieht allerdings keine Alternative zu einem proaktiven Umgang mit dem Thema: „In der Gesellschaft ersetzt der Dialog zunehmend den Monolog und die Erwartungshaltung an die Unternehmen hat sich radikal verändert. Heute wollen die Menschen wissen, wofür ein Unternehmen steht.“ Für Bulcke kam das entscheidende Aha-Erlebnis, als sich Nestlé 2010 in den sozialen Netzwerken der Konsumenten stellen musste: „Wir haben damals noch wie ein Unternehmen offiziell geantwortet und schnell gelernt, dass das ein Fehler war. In den sozialen Netzwerken muss man als Mensch, nicht als Unternehmen sprechen.“

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Heute betreibt Nestlé ein Programm der Digital Transformation Teams, das die neue Geisteshaltung aus der Unternehmenszentrale Vevey in die einzelnen Landesgesellschaften tragen soll. Dabei soll sich nicht nur das Marketing beschränken, sagt Bulcke: „Digital geht in seiner Bedeutung weit über die Frage hinaus, wie wir mit unseren Kunden kommunizieren. Es wird auch die Arbeit unserer Fabriken beeinflussen.“

Paradoxerweise führten gerade diese weitreichenden Potenziale dazu, dass sich viele Unternehmenslenker dem Thema digitale Transformation nur ungern näherten, glaubt der Nestlé-Manager: „Wenn man einen neuen Produktionsstandort oder eine neue Werbekampagne in Auftrag gibt, dann weiß man, worum es geht. Aber wenn man Gelder für die digitale Transformation bereitstellt, dann investiert man in ein Thema, das man selbst nicht beurteilen kann.“ cam

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