Digitale Sportvermarktung "Wir müssen im Bereich digitale Medien wesentlich kreativer werden"

Freitag, 13. Februar 2015
Manuel Lopez ist Geschäftsführer von United Sports Digital
Manuel Lopez ist Geschäftsführer von United Sports Digital
Foto: Agentur

Manuel Lopez gehört zu den erfahrensten und profiliertesten Medienmanagern aus dem Sportbereich. Gemeinsam mit seinem Geschäftsfpartner Uwe Zimdars und dem Lagardère-Konzern hat der ehemalige Geschäftsführer von Sport 1 soeben die Agentur United Sports Digital ins Leben gerufen. HORIZONT Online hat mit Lopez über die Idee hinter der Neugründung und über Sportmarketing im digitalen Zeitalter gesprochen.

Herr Lopez, Sie positionieren sich mit United Sports Digital klar als Digital-Dienstleister. Warum? Die Digitalen Medien bieten die größte Attraktivität für Sponsoren, weil beinahe jeder heutzutage online ist und in diesem Bereich die Möglichkeiten in Bezug auf Interaktivität und Mobilität am größten sind.

Wo sehen Sie die Hauptaufgabe Ihrer Agentur? Sponsorships müssen heutzutage digital aktiviert werden. Aufgrund der hohen Komplexität der digitalen Welt bedarf es dafür eines sehr hohen Consulting-Aufwandes. Wir müssen im Bereich digitale Medien wesentlich kreativer werden. Hier sehen wir auch die Marktlücke für United Sports Digital: Unsere Aufgabe besteht darin, aus der Sicht des Sponsors zu bewerten, welche Rechte sich für die Marke bestmöglich eignen und wie sie sich weiterentwickeln bzw. digital inszenieren lassen.

United Sports Digtal
Bild: Lagardère Unlimited

Mehr zum Thema

United Sports Digital Lagardère gründet Digital-Agentur für Sportmarketing

Wie sind Sie gegenüber den Online-Vermarktern positioniert? Ursprünglich kommen mein Geschäftspartner Uwe Zimdars und ich aus dem Publisher-Bereich. Fast alle Sport-Portale, die in Deutschland zur Marke geworden sind, haben wir in irgendeiner Form begleitet, aufgebaut oder vermarktet. Dabei mussten wir uns immer Gedanken darüber machen, wie man Inhalte produziert, die gerne gelesen oder angeklickt werden. Wir verstehen daher die Bedürfnisse von Medien und Vermarktern sehr gut. Und durch unsere Muttergesellschaft Lagardère Unlimited haben wir einen guten Draht zu den Rechtehaltern. Deswegen setzen wir auf ein enges Zusammenspiel mit Rechtehaltern, Publishern und Vermarktern.

Warum ist gerade der Sportbereich im Digitalen so attraktiv? Ich glaube, es gibt keine Branche, wo es bei derart hohen Reichweiten eine so große Bindung zu den Fans gibt – höchstens vielleicht in der Musik. Viele Sponsoren machen sich das bereits zunutze, indem sie über den Einkauf von Rechten mit den Fans in Dialog treten oder prominente Testimonials nutzen, um ihre Marken emotional aufzuladen. Im Zuge der Digitalisierung haben sich allerdings die Parameter verschoben: Früher gab es die Autogrammstunde im Autohaus, um Bindung zu den Fans aufzubauen. Heute kann man den Fan über sehr reichweitenstarke neue Touchpoints wie Facebook zusätzlich aktivieren.

„Sponsorships müssen heutzutage digital aktiviert werden. Aufgrund der hohen Komplexität der digitalen Welt bedarf es dafür eines sehr hohen Consulting-Aufwandes.“
Manuel Lopez
Nutzen Sponsoren und Werbungtreibende das vorhandene Potenzial ausreichend? Man muss eine gewisse Glaubwürdigkeit aufbauen. Das Sponsorship muss zur Marke passen, und man muss wissen, was man mit dem Sponsoring überhaupt anstellt. Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Hier sehen wir auch großen Beratungs-Bedarf und noch viel Luft nach oben. Wichtig ist, dass die eingekauften Rechte glaubwürdig, reichweitenstark und emotional aktiviert werden. Das geht am besten über gute Inhalte und Storytelling – da reden wir schnell über Content Marketing und Native Advertising.

Hat der klassische Online-Banner damit ausgedient? Nein, der Banner hat im Mediamix absolut seine Legitimität. Letztendlich ist das eine Frage des Mediamixes und der eigenen Zielsetzung. Sponsoring alleine reicht genauso wenig wie nur die Schaltung eines Banners. Außerdem ist Banner nicht gleich Banner: Von Wallpapern über Rich-Media-Formate bis hin zu Bewegtbild gibt es hier vielfältige Möglichkeiten.

Der Manager:

Manuel Lopez war bis 2014 Deutschland-Geschäftsführer des britischen Sportmedienunternehmen Perform Group. 2012 hatte er die vom ihm gegründeten und geführten Unternehmen Spox Media und Mediasports Digital an Perform verkauft. Bis 2006 war Lopez Bereichsleiter Vertrieb und Marketing bei Sport 1, zwischenzeitlich war er kommissarischer Geschäftsführer des Sportportals. Mit seinem Agenturpartner Uwe Zimdars verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit: Gemeinsam hatten sie 2007 das Sportportal Spox gegründet. Zimdars war zuletzt Head of Concept & Product bei Perform, die gleiche Position bekleidete er zuvor bei Spox und Sport 1. Weitere Stationen von Lopez und Zimdars waren DSF, Kirch Intermedia, T-Online und Yahoo.
Das ist Segen und Fluch zugleich: im Netz gibt es eine regelrechte Inflation an Werbeflächen. Deswegen geht es in diesem Bereich auch immer mehr in Richtung technischer Vermarktung. Programmatic Buying und Real-Time-Bidding gehören sicherlich zu den ganz großen Zukunftsthemen.

Welche Herausforderungen hält die Digitalisierung für Medien und Publisher noch bereit? Der Markt ist durch die technische Entwicklung sehr schnelllebig geworden. Vor drei Jahren haben wir noch kaum über Twitter oder Instagram gesprochen. Hinzu kommt: Die Stars werden zu eigenen Medien, und die Vereine werden immer mehr zu Medienhäusern – Stichwort Club TV. Manche Vereine haben mittlerweile eigene Redaktionen und Studios und produzieren damit eigene Inhalte. Das kann für sie sehr lohnenswert sein, wenn man sich anschaut, was für riesige Reichweiten einige Clubs in den digitalen Medien haben. Interview: Ingo Rentz

Exklusiv für Abonnenten:

Mehr zum Thema Digitale Sportvermarktung lesen HORIZONT-Abonnenten im Report Sportbusiness I in der aktuellen Wochenzeitung, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonennten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

Meist gelesen
stats