Dieselgate Wie Volkswagen-Händler Kunden mit der Marke versöhnen wollen

Dienstag, 06. Oktober 2015
In der Region Speyer bitten lokale VW-Händler um Entschuldigung und zeigen sich kämpferisch
In der Region Speyer bitten lokale VW-Händler um Entschuldigung und zeigen sich kämpferisch
Foto: Neubeck Autohäuser und Auto Zotz

Der Manipulationsskandal bei VW erfasst auch den Handel. In Anzeigen entschuldigen sich jetzt einzelne VW-Händler und bitten um das Vertrauen der Kunden.
Die Manipulation von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen beschäftigt längst auch die VW-Partnerbetriebe. Kunden beschweren sich, Kunden feilschen um noch höhere Rabatte bei Dieselautos oder bleiben ganz weg. Für einzelne Betriebe kann das existenzbedrohend sein, auch wenn sie in ihren lokalen Umfeldern tief verhaftet sind. Teilweise bestehen hier jahrelange Beziehungen zwischen Händler, Kunden und Marke. In der Region Speyer gehen daher jetzt Händler in die Offensive. Vergangenes Wochenende erschien in der "Rheinpfalz" eine Anzeige der beiden Betriebe Neubeck Autohäuser und Auto Zotz. Unter dem Slogan "Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken" beziehen die beiden Unternehmen klar Stellung. "Als Händler sind wir ebenso überrascht wie Sie über die Handlungsweise unserer Automobilmarke. Doch wir sind auch davon überzeugt, dass Volkswagen es wieder gut machen wird."
In der Region Speyer bitten lokale VW-Händler um Entschuldigung und zeigen sich kämpferisch
In der Region Speyer bitten lokale VW-Händler um Entschuldigung und zeigen sich kämpferisch (Bild: Neubeck Autohäuser und Auto Zotz)
Die beiden Betriebe, die in Speyer und Landau ansässig sind, wollen dazu ihren Teil beitragen. Sie bitten um das Vertrauen der Kunden und entschuldigen sich für die Ereignisse. Ähnliche Anzeigen sind bundesweit auch von weiteren VW-Partnern geschaltet worden. Eine zentrale Vorgabe aus Wolfsburg gibt es dafür aber nicht.

Derweil kommt das Info-Tool, das VW am Freitag freigeschaltet hat, sehr gut an. Mit dessen Hilfe können Kunden anhand der Fahrgestellnummer herausfinden, ob ihr Auto betroffen ist. Der Konzern hat bereits über eine Million Zugriffe darauf registriert, wie aus dem Umfeld von Volkswagen zu hören ist.

Die Aufklärung des Skandals und die Information der Kunden war auch Thema bei der heutigen Betriebsversammlung in Wolfsburg, an der über 20.000 Mitarbeiter teilnahmen. CEO Matthias Müller erklärte, das die Manipulationen allem widersprächen, für was der Konzern und seine Menschen stünden. Das sei durch nichts zu entschuldigen. Müller zeigte sich aber auch zuversichtlich: "Wir können und wir werden diese Krise bewältigen, weil Volkswagen ein Konzern mit starker Substanz ist."Gleichwohl wird das kein leichter Weg, angesichts der Rückrufaktionen, Schadensersatzzahlungen und möglicher Strafzahlungen. Müller stimmte seine Mannschaft deshalb auf harte Tage ein. Alle geplanten Investitionen stehen auf dem Prüfstand. "Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben", sagte der CEO. Neben der Aufklärungsarbeit ist für ihn die wichtigste Aufgabe, das verlorene Vertrauen der Kunden, Partner und Investoren wiederzugewinnen. "Solidität, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit", so Müller weiter, gehörten zum Markenkern von Volkswagen.

Unklar bleibt, wann Volkswagen auf den Vertrauensverlust mit einer Kampagne reagieren wird. Zu hören ist nur, dass das Marketing mit Hochdruck gemeinsam mit seinen Agenturen an entsprechenden Konzepten arbeitet. Auf Facebook agieren Markenfans dagegen schon offensiv. Sie bekennen sich zur VW und loben die Qualitäten der Autos. Mancher drückt seine Treue gleich mit einer neuen Gruppe aus: "Wir sind Volkswagen." Das könnte schon fast der Arbeitstitel für eine Qualitäts-Vertrauenskampagne sein. mir

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