"Die Rekruten" Bundeswehr wertet Youtube-Serie als Erfolg

Donnerstag, 15. Dezember 2016
"Die Rekruten" ist bei Youtube zu sehen
"Die Rekruten" ist bei Youtube zu sehen
© Screenshot Youtube
Themenseiten zu diesem Artikel:

Bundeswehr YouTube Dirk Feldhaus Jerome Demelius


Die Rekruten der Youtube-Bundeswehr-Serie stehen vor dem Abschluss ihrer Grundausbildung. Die Bundeswehr zieht ein positives Fazit der Nachwuchs-Werbekampagne. Doch auch Kritik reißt nicht ab.
Persönliche Angriffe und Kritik an der Reality-Dokumentation "Die Rekruten" lässt Jerome Demelius einfach an sich abperlen. "Ich lese mir das durch, aber zu Herzen nehme ich mir das nicht", sagt der Matrose im Biwaklager kurz vor dem Abschluss seiner Grundausbildung an der Marintechnikschule Parow bei Stralsund. Einer der Protagonisten der umstrittenen Bundeswehr-Dokumentation zu sein, die seit Anfang November täglich über Youtube ausgestrahlt wird, findet Demelius noch immer spannend, auch wenn die Kommentare zu den Videos teilweise harsch sind und nicht immer sachlich bleiben. Mit der Serie wirbt die Bundeswehr im Internet um dringend benötigten Nachwuchs, indem sie die Ausbildung und das Leben von zwölf Rekruten der Marinetechnikschule abbildet. Die Rekruten werden beim "Bockbau" (Bettenmachen), beim Waffentraining oder der Sanitätsausbildung gezeigt. Die Serie bedient die Sehgewohnheiten junger Leute: schnelle Schnitte, kurze Dialoge, eingeblendete Schriftfelder zum besseren Verständnis.
Die Rekruten
Bild: Screenshot Youtube

Mehr zum Thema

Bundeswehr-Doku "Die Rekruten" Realsatire für Volk und Vaterland

Für die Bundeswehr ist die Serie, die noch bis Ende Januar ausgestrahlt wird, schon jetzt ein Erfolg: dafür sprächen nicht nur die reinen Klick-Zahlen, sagt Dirk Feldhaus, Kommunikationschef der Werbekampagne. Rund 28 Millionen Mal wurden die Bundeswehr-Werbevideos seit dem Start aufgerufen, in den letzten 30 Tagen laut dem Social-Media Statistik-Portal "Social Blade" 16,4 Millionen Mal.

Nach dem Start der Serie habe es auf der Karrierewebseite der Bundeswehr 40 Prozent mehr Zugriffe gegeben. In der Karrierehotline seien ein Viertel mehr Anrufe eingegangen. "Es ist uns gelungen, die Bundeswehr zum Pausengespräch auf vielen Schulhöfen in Deutschland zu machen", sagt Feldhaus. Ob es nun zu mehr Bewerbungen für eine Ausbildung bei der Bundeswehr kommt, sei abzuwarten.

Zum Vergleich: Der bei jungen Menschen beliebte Youtube-Kanal Space Radio kommt auf 6,8 Millionen Aufrufe in den letzten 30 Tagen. Der Youtuber LeFloid, der im Sommer 2015 ein umstrittenes Youtube-Interview mit Kanzlerin Angela Merkel führte, erreichte in den letzten 30 Tagen 7,3 Millionen Klicks.

Die Serie war von Anfang an von einer kontroversen Diskussion begleitet. Sie sei verharmlosend, würde schon junge Jugendliche mit dem Krieg vertraut machen und die Hemmschwelle senken. Auch der Vorwurf der Verschwendung von Steuergeldern an der rund 1,7 Millionen Euro teuren Serie und ihrer sechs Millionen Euro teuren Begleitkampagne kam auf.

Die Kritik reißt bis heute nicht ab. Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Agniezska Brugger, sagte am Mittwoch: "Für diese Werbeserie fast acht Millionen Euro Steuergelder zu verschleudern, ist ein zu teurer Preis für eine reine PR-Show." In fünfminütigen, spielerischen Reality-TV-Folgen sei es unmöglich, mit der angemessenen Tiefe Fragen von Leben und Tod oder die größeren sicherheitspolitischen Zusammenhänge zu thematisieren.

Von den zwölf Rekruten, die die Bundeswehr seit Oktober mit der Kamera begleiten ließ, schließen elf ihre Grundausbildung ab. Ein junger Mann gab nach wenigen Wochen auf. Auch das wurde in der Serie gezeigt. Damit liegt die Abbrecherquote bei den Youtube-Rekruten unter dem Durchschnitt. Im Mittel beendet rund ein Viertel der jährlich rund 20 000 Rekruten die Grundausbildung nicht.

Kritik, die Serie sei verharmlosend, weist Feldhaus zurück. Die Rekruten und Ausbilder sprächen sehr offen über die Risiken des Soldatenberufs, sie redeten über Auslandseinsätze und über die Themen Tod und Verwundung. So hätten gerade die Folgen zum Einsatz der Bundeswehr im Ausland und über den ersten Waffenkontakt die meisten Klick-Zahlen erreicht. Über 100 000 Kommentare seien Ausdruck einer intensiven Diskussion. dpa
Meist gelesen
stats