Deloitte-Studie Viele deutsche Unternehmen fühlen sich nicht gut für die Zukunft gerüstet

Montag, 18. September 2017
Deutsche Unternehmen investieren immer mehr in technologische Innovationen
Deutsche Unternehmen investieren immer mehr in technologische Innovationen
© Pixabay.com

Die deutsche Wirtschaft investiert immer stärker in Innovationen für die Zukunft. Das ist das Ergebnis des "Deloitte Innovation Survey", einer Befragung unter mehr als 150 Chief Innovation Officers und Top-Managern aus allen Branchen. Demnach stocken 86 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Innovations-Budgets auf, die Ausgaben in dem Bereich wachsen bis 2019 von 166 auf 175 Milliarden Euro an. Dennoch fühlen sich viele deutsche Unternehmen nicht gut für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet.
Die Hälfte der Befragten gibt in der Studie an, sich höchstens ausreichend für die Zukunft gewappnet zu sehen. Immerhin ein Drittel sieht sich gut vorbereitet. Dabei gibt es je nach Größe des Unternehmens Differenzierungen: So glaubt sich der Mittelstand optimaler aufgestellt als Konzerne. Finanzdienstleister und Technologiefirmen stehen besser da als die meisten anderen Industrien. Im Mittelpunkt der Ausrichtung auf die Zukunft stehen bei den befragten Unternehmen digitale Technologien und Prozesse wie Big-Data-Analysen, Cloud-Computing- und Internet-of-Things-Lösungen. Jeweils um die 50 Prozent der Befragten beschäftigen sich vorrangig mit diesen Themen. Insgesamt wurden in der Studie zehn Innovationsarten überprüft, die beim Geschäftsmodell, Struktur und Prozessen, aber auch bei den Produkten, dem Service, der Markenpflege, den Vertriebswegen und der Kundenbindung ansetzen. Das Ergebnis: Fast zwei Drittel der Befragten nutzen nur maximal drei Innovationsarten. Die größten Hindernisse sind für viele vor allem ein Mangel an Zeit und fehlendes Fachwissen zu digitalen Technologien und Prozessen.

"Deutschland ist von einer Innovationstradition der Ingenieure geprägt. Es lohnt sich aber, dieses Denken zu hinterfragen", sagt Nicolai Andersen, Leiter Innovation in EMEA bei Deloitte. "Die Digitalisierung stellt viele bisherige Innovationsstrategien auf den Kopf. In puncto Innovationsfähigkeit und -kultur sind deshalb neue Ansätze gefragt. Wie die Studie zeigt, kämpfen aber viele Unternehmen hierzulande noch mit der Anwendung in der Praxis."

Laut dem "Deloitte Innovation Survey" sind vor allem neue Technologien ein wichtiger Treiber digitaler Innovation in der deutschen Wirtschaft. Demnach sind es vor allem Big-Data-Analysen, Cloud Computing und das Internet of Things, die von den Unternehmen verstärkt ins Visier genommen werden. Eine deutlich geringere Rolle spielen Automatisierung, Crowdsourcing und Blockchain-Anwendungen. Gerade beim Internet of Things und dem Themenkomplex Machine Learning besteht das höchste Implementierungspotenzial. Das bedeutet: Unternehmen betrachten die Technologien als hochrelevant, haben aber noch keine konkreten Pläne zu deren Implementierung entwickelt. Das trifft auf immerhin bis zu 20 Prozent der Befragten zu.

"Nur jedem vierten Unternehmen gelingt der Übersetzungserfolg von Trends in Innovationen", so Andersen weiter. Um das zu ändern, müssten die Betroffenen aber mehr tun als ihre Budgets zu erhöhen. "So kann eine breite Anwendung unterschiedlicher Innovationsarten ebenso hilfreich sein wie die generelle Förderung der Innovationskultur. Wichtig ist immer, genau zwischen Hype und Substanz unterscheiden zu können. Dort, wo es sich wirklich lohnt, muss das Engagement unbedingt höher ausfallen, besonders beim Mittelstand." Dabei könnten vor allem Großkonzerne von den schlanken Organisationsstrukturen der Start-up-Welt lernen und so gleichzeitig die Innovationskultur aktiv fördern.

Die komplette Studie stellt Deloitte zum kostenlosen Download bereit. tt
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