Das neue Uber-Logo im Expertencheck "Eine wirklich gute Überarbeitung der Marke"

Donnerstag, 04. Februar 2016
Das neue Uber-Logo
Das neue Uber-Logo
Foto: Uber

In dieser Woche präsentierte Uber ein neues Corporate Design samt neuem Logo. Der Mobilitätsdienstleister, der nicht bei jedem Marktteilnehmer auf Gegenliebe stößt, will damit seinen Wandel hin zu einem multinationalen Technologieunternehmen unterstreichen, das längst nicht mehr nur Menschen befördert. Das neue Logo stieß bei vielen Beobachtern allerdings auf Verwunderung, da sich die Bedeutung nicht jedem auf Anhieb erschließt. HORIZONT Online hat bei Marken- und Designexperten nachgefragt, was sie von dem Logo halten. Bei den meisten kommt das Design nicht schlecht an.

Sven Achatz, Geschäftsführer Kreation Art Supermonaco: 1 - 2 Sterne

Sven Achatz
Sven Achatz (Bild: Supermonaco)
Trifft ein Bit ein Atom und sagt: "Hey, lass uns ein Logo machen". Diese schöne Geschichte, die Uber uns samt kleinem Video auftischt, hilft nicht: Ich finde das Logo nicht gelungen. Ein auf der Seite liegendes "c", ein Eingang ohne Ausweg, ein Fadenkreuz und vier zweiblättrige Kleeblätter. Immerhin: Die Form weist den Weg Richtung App. Was sicher nicht hilft, ist der fehlende Zusammenhang zum Unternehmensnamen und zum alten Logo: Es wirkt wie ein völlig neues Unternehmen, oder eine App, aber wer weiß schon was Kalanick mittelfristig vorhat. Vor allem aber, ist es schwierig das Logo dem Unternehmensziel "Transport" von Menschen oder Ware eindeutig zuzuordnen, es wirkt eher wie zum Beispiel ein Chiphersteller.

Christoph Engl, Geschäftsführer BrandTrust: 2 Sterne

Christoph Engl
Christoph Engl (Bild: Brand Trust)
Uber. Ein Wort, Schwarz mit Graustufen, schneidend einfach und klar. Wenn ein Logo die visuelle Verdichtung einer Strategie sein muss, dann hatte Uber bisher alles richtig gemacht. Die etablierte Welt der lizenzgeschützten Taxifahrer sollte ordentlich Angst haben vor dem neuen Fahrdienst-Vermittlungssystem, das mit weltweiter Anwendbarkeit und einfacher Handhabung die neuen digitalen Möglichkeiten viel besser nutzte als die Taxifahrer-Genossenschaften. Uber trat als imperialistisches System und Regelbrecher auf – unverkennbar.

Das neue Uber-Kleid müsste in einer soliden Markenstilbewertung durchfallen: Die Selbstähnlichkeit verfehlt, die Differenzierungskraft wurde verspielt, der Einfachheit wurde eine große Komplexität aufgebürdet. Kurzum: Das Neue bricht total mit dem bisher Bekannten. Auf den ersten Blick: Uber fährt hohes Risiko, Markenkapital zu zerschlagen.

Ganz anders fällt die Bewertung aus, wenn Uber mit diesem Stilbruch seine geänderte Markenstrategie ausdrücken wollte. Was als Taxidienst mit schwarzen Limousinen begann, soll sich in den nächsten Jahren rapide zu einem viel umfassenderen Dienstleister entwickeln, der Menschen und Waren bewegt und miteinander vernetzt. Dazu passen Länderfarben und individualisierte Farbcodes, die Farbigkeit in den Apps und eine gefälligere Schrift. Das Risiko für Uber liegt dabei weniger in der geänderten CI als in der geänderten strategischen Ausrichtung. Die Marke arbeitet in die Breite und verliert ihre eindeutige Spezifik. Damit wird sie zwar gefälliger aber austauschbarer. Das gibt zwei Punkte Abzug und einen weiteren für das CI mit zu hoher Komplexität. 
„Die Selbstähnlichkeit verfehlt, die Differenzierungskraft wurde verspielt, der Einfachheit wurde eine große Komplexität aufgebürdet.“
Christoph Engl, Brand Trust

Jens Grefen, Creative Director Germany Interbrand: 4 Sterne

Jens Grefen
Jens Grefen (Bild: Interbrand)
Uber wird erwachsen. 
Aus meiner Sicht eine wirklich gute Überarbeitung der Marke, die der Idee von "Bits & Atoms" Rechnung trägt und sie zum Leben erweckt. Die Marke verbindet nun auch visuell die digitale mit der echten Welt und schafft es, sich aus dem Einheitsbrei der "One-App Wonder" selbst zu definieren. Uber wird zur globalen Marke, die lokal Business generiert, und das über das klassische Personentransportwesen hinaus. Da liegt es nahe, auch den Auftritt typisch und wiedererkennbar, aber dennoch flexibel und individuell zu gestalten, und nicht alles zu Tode zu kontrollieren.

Die Flexibillität des Auftritts wird sich in der Zukunft sicher als nützlich erweisen, da sie unendliche Möglichkeiten der Differenzierung bietet. Eine gute Story, die im Wesen des Unternehmens wurzelt, ein visuell ansprechender Auftritt. Ich würde sagen – alles richtig gemacht.

Annika Kaltenthaler, Creative Director Zeichen & Wunder: 4 Sterne

Annika Kaltenthaler
Annika Kaltenthaler (Bild: Zeichen + Wunder)
Das Logo war vorher sehr einfach: U wie Uber - also das naheliegendste Bildzeichen einer Marke, einfach der erste Buchstabe, es sah eher aus wie eine Automarke - und jetzt haben sie erst einmal einen besseren, da plakativeren, Schriftzug und dazu dieses neue Bildzeichen. Es soll wahrscheinlich das einfache "Plug n Play"-System darstellen, also sagt es auf jeden Fall mehr aus also nur ein "U". Das neue Farbsystem und die Struktur verlinken die Marke schneller mit dem Thema "Technology", auch in Bezug auf die App, als das silberne.

Christine Lischka, Managing Director Serviceplan Design Hamburg: 5 Sterne

Christine Lischka
Christine Lischka (Bild: Serviceplan)
Das neue Uber-Logo überzeugt. Es verkörpert Menschlichkeit und Kreativität, nicht einfach nur Technik. Typografisch ist es von der Bundesliga in die Champions-League aufgestiegen. Das Design ist nicht mehr überambitioniert und detailverliebt, sondern souverän, klar und im positiven Sinne einfach. Das ist es dann auch was eine große Marke ausmacht. Das Unternehmen ist erwachsen geworden und das Logo spiegelt das wider.

Richtig begeistert bin ich von dem gesamten Design-Framework. Marken müssen Menschen berühren und nahbar sein. Mit der Individualisierung der Brand Icons, indem Farben und Muster den Regionen, in denen die Marke agiert, angepasst werden, nutzt die Marke die riesige Chance zur Lovebrand zu werden. Ich bin sicher, dass Uber mit dem neuen Look and Feel dafür einen riesigen Schritt in diese Richtung getan hat. Super.

Andreas Pogoda, Gesellschafter Brandmeyer Markenberatung: 3 Sterne

Andreas Pogoda
Andreas Pogoda (Bild: Brandmeyer)
Vor allen Geschmacksdiskussionen muss die Wiedererkennung bei der Gestaltung von Marken sichergestellt werden: Uber muss man immer sofort erkennen. Das war früher so - es ist auch nach dem Facelift so, sogar noch etwas deutlicher. Der Uber-Schriftzug ist ohne "Zipfel" jedoch weniger spezifisch als vorher, schade. Schwach sind dagegen das "Rider" und "Driver" Icon und die restliche grafische Uber-Welt, das ist generischer Lifestyle-Look aus der "Wallpaper" kopiert. Hier wäre ein eigenartiges Kommunikationsmuster ein Gewinn gewesen – insbesondere für eine Marke, die zum größten Teil auf dem Screen existiert. 

Daniel Rosentreter, Head of Strategy MetaDesign: 4 Sterne

Daniel Rosentreter
Daniel Rosentreter (Bild: MetaDesign)
Es macht strategisch Sinn, die Marke Uber neu zu definieren. Das bisherige, sehr limitierte, statische Design, das während der Start-up Phase entwickelt wurde, brachte das ursprünglich Angebot gut zum Ausdruck. Das Unternehmen hat sich allerdings in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Die große Ambition ist es, den Transport von Personen und Waren durch digitale Technologie zu vereinfachen. Services wie Uber Rush oder Uber Eat sind dabei erst der Anfang. Es war also Zeit für eine visuelle Veränderung. Das neue Logo und der neue Auftritt sind flexibler, vielfältiger, das Ganze hat ist stärker lokal-bezogen und rückt den Menschen in den Mittelpunkt.

Was mir allerdings fehlt, ist eine klare, kundengerichtete Geste, die die große Bandbreite von Mustern, Illustrationen und Symbolen im Gesamtauftritt inhaltlich zusammenhält. Man sieht, dass hier detailverliebte Computeringenieure am Werk waren.

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