"Das ist rausgeworfenes Geld" Krisen-Experte Popp zu Thailands Imagekampagne

Donnerstag, 05. Dezember 2013
Suggeriert paradiesische Zustände: Anzeigenmotiv der Thailand-Kampagne
Suggeriert paradiesische Zustände: Anzeigenmotiv der Thailand-Kampagne

Zeitungsleser dürften sich in diesen Tagen verwundert die Augen reiben. Grund ist eine Imagekampagne von Modern Thailand. Die ganzseitigen Anzeigen, auf denen unter anderem traumhafte Strände und kulinarische Spezialitäten zu sehen sind, sollen den Deutschen ganz offensichtlich einen Urlaub in dem Land schmackhaft machen. Ein Vorhaben, das angesichts der politischen Unruhen in Thailand ein "Geschmäckle" hat. Die Anzeigen werden derzeit in überregionalen Titeln wie dem "Handelsblatt", der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geschaltet. Nicht selten wird direkt daneben ausführlich über die Krawalle der Regierungsgegner berichtet, die kürzlich den Amtssitz von Premierministerin Yingluck Shinawatra stürmen wollten. Nachdem bereits Menschen ums Leben gekommen sind, haben diverse Reiseveranstalter bereits Ausflugs- und Besichtigungsprogramme in Bangkok abgesagt.

Dirk Popp
Dirk Popp
Krisen-PR-Experte Dirk Popp, Chef von Pleon Crisis Management, hält die Kampagne vor dem Hintergrund der Krawalle für wenig sinnvoll. "Das ist rausgeworfenes Geld", sagt Popp gegenüber HORIZONT.NET. Zwar gibt er zu bedenken, dass es bisweilen schwierig sei, bereits gebuchte Werbemotive zu stoppen. Unmöglich sei dies aber nicht. Im Falle der aktuellen Kampagne wäre dies aus Sicht von Popp dringend geboten. "Der Widerspruch zwischen dem Bild, das die Anzeigen vermitteln sollen, und der Realität ist für jeden klar erkennbar. Hier werden paradiesische Zustände nur vorgegaukelt. Die Wirksamkeit einer solchen Kampagne geht daher auch gegen Null", so Popp.

Etwas anders beurteilt er Werbekampagnen nach Naturkatastrophen, die eine Region wieder als Reiseziel attraktiv machen sollen. Da die betroffenen Länder oft sehr stark vom Tourismis abhingen, findet Popp solche Kampagnen legitim. mas

-
-

Meist gelesen
stats