DVB-T-Abschaltung So umgarnen TV-Anbieter die betroffenen Zuschauer

Dienstag, 28. März 2017
So umgarnt Zattoo DVB-T-Nutzer
So umgarnt Zattoo DVB-T-Nutzer
© Zattoo
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Am Mittwoch um Mitternacht ist es soweit: Pünktlich um 0.00 Uhr wird das terrestrische DVB-T-Signal abgestellt. Wer nicht daran gedacht hat, auf die neue DVB-T-2-Technik aufzurüsten, schaut buchstäblich in die Röhre. Für alternative TV-Anbieter ist die Angst der Zuschauer vor dem schwarzen TV-Bildschirm freilich ein gefundenes Fressen. Während Media Broadcast, ein Tochterunternehmen von Mobilcom Debitel, seit Monaten mit Hochdruck für die DVB-T2-Plattform Freenet TV trommelt, wittern Internet-TV-Anbieter ihre Chance und versuchen den Zuschauern die Zimmerantenne madig zu machen. HORIZONT Online gibt einen Überblick. 

So präsent war die Marke Freenet in den TV-Werbeblöcken schon lange nicht mehr: Bereits seit Monaten versucht Media Broadcast die deutschen DVB-T-Nutzer zum Umstieg auf das neue hochauflösende Antennenfernsehen zu bewegen - und greift in der Werbung auch zu abschreckenden Bildern. "DVB-T wird abgeschaltet. Am 29. März ist Ihr TV-Bild weg", warnt der Sprecher in dem von Brandtouch entwickelten TV-Spot, der bereits seit Ende 2016 auf reichweitenstarken Sendern läuft. 

Freenet TV

DVB-T2 wird von Media Broadcast über die kostenpflichtige Plattform Freenet TV angeboten. Neben den öffentlich-rechtlichen Sendern, die über DVB-T2-fähige Gerät nach wie vor kostenlos empfangen werden können, erhalten Nutzer von Freenet TV Zugang zu den kostenpflichtig verschlüsselten Privatsendern in HD. In den vergangenen Monaten waren bereits die Privatsender RTL HD, Sat 1 HD, Pro Sieben HD und VOX HD verfügbar. Jetzt werden bis zu 20 weitere kostenpflichtige Privatsender aufgeschaltet. Diese können weitere drei Monate gratis empfangen werden. Danach wird für die Privatsender ein Obolus in Höhe von 5,75 Euro pro Monat fällig.
Die Freenet-Tochter Mobilcom Debitel, die Media Broadcast 2016 übernahm, hat für die Wechsel-Kampagne tief in die Tasche gegriffen. Allein die Schaltung der TV-Spots, die seit August 2016 Freenet TV promoten, hat sich das Unternehmen laut einer XAD-Auswertung bis dato brutto knapp 27 Millionen Euro kosten lassen.

Und die Werbeoffensive geht weiter. Am heutigen Dienstag geht ein weiterer TV-Spot auf Sendung, der das Angebot pünktlich zur Umstellung unter dem Motto "Freenet TV ist endlich da" bewirbt. 

Dass das Unternehmen so tief in die Tasche greift, ist kein Wunder. Von den rund 3,4 Millionen Haushalten, die in Deutschland ihr Fernsehsignal über Antenne empfangen, sollen immerhin etwa 1,3 bis 1,5 Millionen DVB-T nutzen. Zum Vergleich: Sky, das hierzulande inzwischen 4,8 Millionen Kunden hat, war über Jahre nicht über 2 Millionen Kunden hinausgekommen. Die DVB-T-Nutzer sind daher eine interessante Zielgruppe. 

Kein Wunder, dass es auch alternative Anbieter auf die Antennen-Nutzer abgesehen haben. Dazu gehört auch die Deutsche Telekom. Der Bonner Konzern nutzt die DVB-T-Abschaltung in einem von DDB entwickelten TV-Spot, um den bisherigen Antennen-Zuschauern das eigene Entertain TV schmackaft zu machen. 

Auf eine ähnliche Strategie setzt die Pro-Sieben-Sat-1-Tochter Maxdome. "Keine Angst vor unscharfen Bildern, keine Angst vor der DVB-T-Abschaltung", beruhigt der Sprecher zu Beginn des Commercials, um dann ausführlich das Aktions-Angebot der Streaming-Plattform anzupreisen. 

Sehr kreativ geht Zattoo mit dem DVB-T-Thema um. In dem aktuellen Werbespot wird ein Nachteil der "alten" Antennentechnik thematisiert - nämlich der lästige Kabelsalat, der dann entstehen kann, wenn man die DVB-T-Antenne mit dem ohnehin mit anderen Endgeräten verdrahteten Fernseher verbinden muss. Um das Alternativangebot von Zattoo zu bewerben, wird in dem Commercial sogar ein weltberühmtes Zitat von Martin Luther King umgedichtet: "I have a Stream. Dass eines Tages jeder mit nur einer App fernsehen kann", bricht eine junge Dame am Ende des Commercials eine Lanze für das "Fernsehen der Zukunft". 

Mit ähnlichen Argumenten meldet sich Magine TV zu Wort. "Antenne war gestern. TV-Streaming ist heute", verkündet der Streaming-Anbieter in seinem aktuellen Werbespot, mit dem das schwedische Unternehmen seine aktuellen Abo-Angebote bewirbt.

Auch "TV Spielfilm" lockt DVBT-Nutzer
Auch "TV Spielfilm" lockt DVBT-Nutzer (Bild: "TV Spielfilm")
Auch die TV-Zeitschrift "TV Spielfilm" mischt sich in die Werbeschlacht ein. Auf den Anzeigen des Programmies aus dem Hause Burda werden Antennen-Nutzer auf das Online-TV-Angebot aufmerksam gemacht, das "TV Spielfilm" gemeinsam mit Google anbietet. mas

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