DMV-Präsident Ralf Strauß im Interview "Wir sollten aufhören, herumzujammern"

Donnerstag, 23. November 2017
Ralf E. Strauß ist seit vier Jahren ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Marketing Verbands
Ralf E. Strauß ist seit vier Jahren ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Marketing Verbands
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Ralf E. Strauß Thermomix Digitalisierung


Eine Schnapszahl für Frankfurt: In der Mainmetropole findet heute der 44. Deutsche Marketing Tag statt. Rund 1500 Branchenvertreter kommen im Kap Europa zusammen, um über die dringendsten Themen zu diskutieren - unter ihnen als Präsident des Deutschen Marketing Verbands (DMV) natürlich auch Ralf E. Strauß. Im Interview mit HORIZONT fordert er die Branche schnellstmöglich zum Handeln auf; vor allem im Digitalen sieht er Bedarf und sagt: "IT ist Pflicht, keine Kür mehr."

Ralf E. Strauß über ...

... die Herausforderungen der Branche:

"IT ist Pflicht, keine Kür mehr. Damit hat sich ein Marketer auseinanderzusetzen. Viele schwadronieren davon, wie hip Digital ist. Doch herauszufinden, was das konkret für seine Branche, sein Unternehmen bedeutet, das fehlt vielen. Prozesse zu gestalten, das Projekt- und Change-Management voranzutreiben, Budgets flexibilisieren. Das alles sind Themen, die nötig sind, um das Marketing auf ein neues Level zu heben. Das ist sicher keine Raketenwissenschaft, wir müssen nur endlich damit anfangen. Das Credo: Umsetzung geht vor überladene, theorielastige Konzeptionsorgien. [...] Wir sollten langsam aufhören, herumzujammern und damit anfangen, Sachen aufzusetzen und systematisch Projekte zu starten. Das ist eine andere Art zu arbeiten im dauerhaften Projektmodus in Prozessen und Systemen - und der muss ich mich jetzt stellen."

Das ist Ralf E. Strauß

Seit Ende 2013 steht Ralf E. Strauß, Jahrgang 1964, an der Präsidiumsspitze des Deutschen Marketing Verbands. Im Hauptberuf ist Strauß Managing Partner der Unternehmensberatung Customer Excellence und Professor für Digitales Marketing & E-Business an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). Zu seinen vorherigen Berufsstationen gehören Volkswagen und SAP. Zudem ist er Chairman der 2006 von ihm ins Leben gerufenen CMO-Community.

... die Flut an Agenturen und Beratern:

"Je mehr Agenturen und Dienstleister involviert sind, desto eher entwickelt dieses Biotop ein Eigenleben und die Dienstleister arbeiten sich in Folge aneinander ab. Ohne es über einen Kamm zu scheren, aber: Viele Dienstleister sind ja primär durch das Eigeninteresse incentiviert, möglichst viel 'warmes Fleisch' zu verkaufen - in welcher Form auch immer. Als Kunde muss ich so gerüstet sein, dass ich selbst auch konzeptionell beurteilen kann, welchen Mehrwert mir die jeweiligen Sparringspartner bieten. Die konzeptionelle Lufthoheit muss stets im eigenen Unternehmen liegen."
„Sind es die großen Kommunikationsideen, die dem Marketing nachhaltig helfen? Ich denke eher weniger.“
Ralf E. Strauß, DMV-Präsident

... große Kampagnenideen vs. interne Transformation:

"Sind es die großen Kommunikationsideen, die dem Marketing nachhaltig helfen? Ich denke eher weniger. Manchmal sind aufmerksamkeitsstarke und erfolgreiche Kampagnen eher hinderlich für die eigene Transformation. Weil sie ein Stück weit blenden und fälschlicherweise - für einen gewissen Zeitraum zumindest - den Druck zur Prozessveränderung nehmen. Manchmal ist es sinnvoll, vor dem Bäumefällen erst einmal den weiten Weg ins Tal anzutreten, um dort die Axt zu schleifen."

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... den diesjährigen Marketing-Preisträger Thermomix:

"Bei Vorwerk begeistern der klare Fokus und der Erfolg mit der bewussten Entscheidung, gerade nicht auf Omnichannel zu setzen. Außerdem die gelungene Digitalisierung in Richtung Internet of Things. Zusammen mit der Rezeptwelt baut Vorwerk rund um das Produkt Thermomix sein eigenes Ökosystem auf." fam
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