DFB-Präsident Niersbach bekräftigt "Die WM war nicht gekauft"

Donnerstag, 22. Oktober 2015
Der Anfang der "Spiegel"-Titelgeschichte "Das zerstörte Sommermärchen"
Der Anfang der "Spiegel"-Titelgeschichte "Das zerstörte Sommermärchen"
Foto: Der Spiegel

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich auf einer Pressekonferenz den Vorwürfen gestellt, die der "Spiegel" in seiner Titelgeschichte "Das zerstörte Sommermärchen" vorgebracht hatte. Niersbach bekräftigte vor Journalisten in Frankfurt, dass es keine schwarzen Kassen gegeben habe, aus der Stimmen von Fifa-Funktionären gekauft worden seien.

Die dubiose Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro, die der DFB im Jahr 2005 an die Fifa geleistet hatte, sei die Rückzahlung eines Zuschusses des Fußball-Weltverbands gewesen. Die Fifa habe im Jahr 2002 vom deutschen WM-Organisationskomitee (WM-OK) einen Vorschuss in Höhe von 10 Millionen Schweizer Franken verlangt. Diese Summe sei die Voraussetzung dafür gewesen, dass das WM-OK später einen Organisationszuschuss in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 170 Millionen Euro) erhalten würde. (Update: Die Fifa hat dieser Darstellung mittlerweile widersprochen)

Weil das OK zu jener Zeit noch nicht über eigene Einnahmen verfügte, habe der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus die Summe vorgestreckt. Dieser wollte sein Geld 2004 zurück und habe es ein Jahr später zurückerhalten, nachdem der DFB die Summe – 6,7 Millionen Euro – an die Fifa gezahlt hatte. Beim DFB taucht das Geld als Finanzierung eines Kulturprogramms der Fifa auf.

Ob er die Zahlung an Dreyfus per handschriftlicher Notiz abgesegnet habe, wie vom "Spiegel" behauptet, daran könne er sich nicht erinnern, so Niersbach. Er könne es aber auch nicht ausschließen. Was er jedoch sicher sagen könne: "Bei der WM-Vergabe ist alles mit rechten Dingen zugegangen." Allerdings musste der DFB-Chef ziemlich oft "Das weiß ich nicht" oder "Davon wusste ich nichts" sagen. Zum Beispiel auf die Frage, warum die 6,7-Millionen-Zahlung an die Fifa nicht auch als Rückzahlung eines Darlehens deklariert wurde. Jene Aufklärung, Transparenz und Glaubwürdigkeit, wie Krisen-PR-Experten vor kurzem auf HORIZONT Online jetzt vom DFB gefordert hatten, lieferte Niersbachs Auftritt jedenfalls noch nicht unbedingt.
Dirk Popp neu 2015
Bild: Ketchum Pleon

Mehr zum Thema

Das zerstörte Sommermärchen Spiegel vs. DFB - es geht um alles

Zuvor war "Sport Bild"-Chef Alfred Draxler Niersbach und Konsorten bereits beigesprungen. "Das Sommermärchen war nicht gekauft", verkündete Draxler auf bild.de. Dies sei das Ergebnis aus einer "Intensiv-Recherche", die er in den vergangenen Tagen bei Akteuren wie Niersbach, Franz Beckenbauer und Günter Netzer angestellt habe. Der ehemalige "Bild"-Vize ist in der Fußball-Szene sehr gut vernetzt und unterhält enge Kontakte zu den Personen, die vom "Spiegel" als möglicherweise Beteiligte bei der angeblich gekauften WM-Vergabe genannt wurden. "Ich bin mir bewusst, dass ich mit diesem Artikel meine Reputation als Journalist und Reporter aufs Spiel setze", so Draxler. Sein Fazit:  Die WM war nicht gekauft, es habe keine schwarzen Kassen gegeben. Ziemlich genau das, was Niersbach auch auf der Pressekonferenz erzählte.

Wirft man einen Blick auf Twitter, wo die Hashtags #Niersbach und #dfbpk vorübergehend zu den Top-Trends gehörten, so scheinen die Nutzer dort von Niersbachs Ausführungen nicht wirklich überzeugt: 

Meist gelesen
stats