Clinton, Trump und Co Wie die Kandidaten im US-Wahlkampf ihre Kampagnen anlegen

Donnerstag, 03. März 2016
Donald Trump ist mittlerweile Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern
Donald Trump ist mittlerweile Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern
Foto: Screenshot DonaldJTrump.com

250 Tage sind es, bis Amerika einen neuen Präsidenten wählt - und nach dem "Super Tuesday", der Vorwahl in zwölf Staaten, kristallieren sich bei Demokraten und Republikanern zwei klare Favoriten heraus: Hillary Clinton und Donald Trump sind ihrer Konkurrenz enteilt. Dabei verfolgen alle Bewerber um die Kandidatur sehr verschiedene Kampagnenansätze - ein Überblick über Trends und Strategien.
Mit Jeb Bush, Sohn des 41. Präsidenten George H.W. Bush und Bruder des 43. Präsidenten George W. Bush hat sich ein ehemaliger Favorit bereits aus dem Rennen verabschiedet, bevor es richtig begonnen hatte - und das, obwohl er bislang am meisten in klassische Media investierte. Ein Indiz dafür, wie sich die Prioritäten im US-Wahlkampf verschoben haben, findet André Aimaq, der mit seiner Agentur Aimaq von Lobenstein die 150-Jahre-Kampagne der SPD verantwortete: Reden werden inzwischen extra Twitter-optimiert verfasst, Online-Wahlwerbefilme gehören zu den  meistgeteilten Youtube-Spots: "Bewegtbild-Content, vor allem in Form von Social Videos, wird zunehmend wichtiger", so Aimaq.
Am besten gelingt das dem Demokraten Bernie Sanders. Gestartet als krasser Außenseiter, hat der 74-Jährige die Herzen vor allem junger Wähler gewonnen. Seinen Graswurzel-Ansatz nennt er nicht "Campaign", sondern "Movement", der Slogan #Together erinnert im Kleinen an die erste Obama-Kampagne. Lutz Meyer, Chef der Berliner Agentur Blumberry, hält Sanders' Auftritt für den glaubwürdigsten im Vorwahlkampf. Favoritin Hillary Clinton hingegen verfolge eine wenig glaubwürdige Strategie: "Sie erstickt in Professionalität, die sich ins Gegenteil kehrt." Ihr Logo sei ein "klassisches Gremienlogo". Immerhin hat sich die Ex-Außenministerin professionelle Unterstützung geholt: Einen Teil verantwortet Droga 5 unter Führung von Agenturboss David Droga.
Die größte Show liefert aber Donald Trump: Der Republikaner, der mit seiner Unberechenbarkeit für die eigene Parteiführung zum "Albtraum" (Aimaq) wird, habe den höchsten Unterhaltungswert, sagt Oliver Handlos von Grey New York. Er vergleicht Trump mit der Arbeitsweise der "Bild": "Seine Kampagne ist national ausgeweitetes Stammtischgerede. Lautstärke und Pauschalisierung statt komplexer Wahrheit." Dennoch kann er damit punkten - in Sachen Kampagnenführung habe er sogar den besten Auftritt, findet Blumberry-Chef Meyer. Er verstehe es, sich präsidentiell und als Marke zu inszenieren: "Herrlich großkotzig, aber stringent." Spätestens nach dem "Super Tuesday" ist klar, dass die anderen beiden ernstzunehmenden republikanischen Kandidaten Marco Rubio und Ted Cruz wohl keine Chance mehr haben. Auch aus Kampagnensicht, so Meyer: Cruz' Auftritt habe ein "lustiges Tinder-Logo" und sei "nicht auf dem Niveau einer Präsidentenkampagne". Und auch bei Rubios Kampagne fällt er ein harsches Urteil: "Die Website würde ich im Grunde abschalten und neu machen." Allerdings verstehen sich beide sehr gut auf Negative Campaigning (siehe Spot) - anders als Jeb Bush, was ihm manche Kritiker nach seinem Rückzug zum Vorwurf machten.
Vieles deutet acht Monate vor dem "Election Day" am 8. November also auf einen Präsidentschaftswahlkampf zwischen Clinton und Trump hin. Bis dahin werden sich beide Kampagnen sehr wahrscheinlich noch einmal wandeln - Clinton muss präsidentieller und glaubwürdiger werden, Trump konsensfähiger, ohne dabei an Authentizität zu verlieren. Man darf gespannt sein, ob beiden Favoriten das gelingt. fam

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