Ceconomy Metro Group steigt mit einem Dickschiff ins Retail-Media-Geschäft ein

Donnerstag, 02. Februar 2017
Richy Ugwu, CEO Retail Media Group
Richy Ugwu, CEO Retail Media Group
Foto: Ceconomy

Nach Otto, Zalando und der Scout-Gruppe steigt mit der Metro-Group nun der nächste deutsche Konzern in den Retail-Media-Markt ein. Und die Retail Media Group (RMG) der Metro-Tochter Ceconomy hat sich im lukrativen Datengeschäft Großes vorgenommen. RMG kann schon vom Start weg über 10 Millionen tägliche Kundenkontakte von den Websites der Metro Group vermarkten und will weitere Händler als Vermarktungspartner gewinnen.

Als die Metro Group zum Jahreswechsel mit Ceconomy eine eigene Holding für ihr europäisches Konsumelektronikgeschäft gründete, wurde das von vielen Wirtschaftskennern als Schritt gewertet, um auf diese Weise die eigenen Minderheitengesellschafter bei Media-Saturn zumindest teilweise auszuhebeln. Was damals niemand so richtig zu beantworten vermochte: Welche neuen Geschäftsfelder sollte Ceconomy aufbauen, die nicht schon in der Media-Saturn-Gruppe angelegt sind?

Diese Woche liefert die Truppe rund um den designierten Vorstandsvorsitzenden Pieter Haas mit der Präsentation der Retail Media Group nun eine erste Antwort. Künftig wird der Konzern die Vermarktung der Reichweiten seiner E-Commerce-Plattformen nicht mehr externen Dienstleistern überlassen, sondern will direkt daran verdienen.

Das sah noch vor Jahresfrist anders aus. Media-Markt und Saturn hatten ihre Onlineshops im Rahmen eines Pilotprojekts von dem externen Dienstleister Triad vermarkten lassen. Doch das Thema scheint auch an branchenpolitischer Relevanz gewonnen zu haben. Media-Saturn versteht sich im Markt der Konsum- und Unterhaltungselektronik zunehmend offensiver als europäischer Gegenentwurf zu Amazon. Da wäre es seltsam, wenn man dem Rivalen aus Seattle ausgerechnet das Zukunftsthema Online-Werbung exklusiv überlassen würde.

Für Pieter Haas geht es explizit nicht nur um die hier zu erwartenden Umsätze: „Auch für uns Händler besteht in der Datennutzung ein erhebliches Potenzial zur besseren Kundenansprache.“ Die RMG soll die digitale Transformation des Handels prägen: „Wir möchten mit unserer Expertise im Bereich Smart Data und Adtech andere Retailer dabei unterstützen, ihre datengetriebenen Geschäftsmodelle zu optimieren, und bieten ihnen an, mit der RMG zu kooperieren.“

Rein theoretisch hatte RMG schon vor dem Schritt an die Öffentlichkeit schon erfolgreich außerhalb des Ceconomy-Bereichs akquiriert. Denn neben Media-Markt, Saturn, Redcoon und der Shopping-Community iBood sind auch die Websites von Metro und Real/Hitmeister im Vermarktungsportfolio. Diese Onlineplattformen gehören allerdings nicht zu Ceconomy sondern sind in der neuen Metro-Tochter für den B-to-B- und Lebensmittelhandel angesiedelt.

Torsten Ahlers
Bild: Otto Group

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Es wäre aber ein wichtiges Signal, wenn auch möglichst schnell außerhalb der Metro-Group weitere Vermarktungspartner gefunden werden. Denn in dem Geschäft der Nutzung von Kunden-Transaktionsdaten für Targeting Services zeichnet sich zunehmend ein Rennen um die nötige kritische Masse ab. Mit einer monatlichen Reichweite von rund 300 Millionen Visits liegt RMG hier nicht schlecht im Rennen. Konkurrent Zalando Media Solutions beispielsweise schafft mit einer monatlichen Reichweite von 160 Millionen Visits etwas mehr als die Hälfte.

Aber diese Zahlen wirken schon etwas weniger beeindruckend, wenn man sie in Relation zu den 1 Milliarde Suchanfragen setzt, die Google monatlich verzeichnet. Zudem kann Google auf diese Weise Nutzerinformationen zu allen denkbaren Themenfeldern sammeln, während die Retail-Media-Vermarkter meist auch die Themenschwerpunkte ihrer jeweiligen Handelsbranche beschränkt sind.

RMG-CEO Richy Ugwu muss daher jetzt nicht nur aus der Bandbreite der vermarktbaren Websites ein zuverlässig planbares Werbeprodukt entwickeln, sondern auch klare Differenzierungspunkte zu bisherigen Big-Date-Anbietern liefern. Geplant ist dazu künftig sollen die Online-Kontakte mit den Besucher- und Transaktionsdaten aus stationären Stores und anderen Multichannel-Kontaktpunkten zu verknüpfen. Das wären Planungsdaten, mit denen Google aber auch Amazon in Zukunft kaum dienen kann. cam

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