Capelli-Gründer George Altirs "Wer im Fußball präsent sein will, muss nach Deutschland gehen"

Dienstag, 22. Dezember 2015
George Altirs steigt beim MSV Duisburg ein
George Altirs steigt beim MSV Duisburg ein
Foto: MSV Duisburg / Daniel Matic

Die Nachricht, dass die New Yorker Capelli-Gruppe Teilhaber beim MSV Duisburg wird, kam durchaus überraschend. Im deutschen Fußball, so werden viele sagen, gibt es attraktivere Investments. Vor allem für Marken, die hierzulande noch recht unbekannt sind und erste Gehversuche auf dem hart umkämpften Markt für Sportartikel unternehmen wollen. Der Schritt passt jedoch zur Strategie von Capelli-Gründer und -CEO George Altirs. HORIZONT Online hat mit ihm gesprochen.
George Altirs ist eine umtriebige Unternehmerpersönlichkeit. Geboren 1965 in Midlaya im Norden Libanons, ging er Ende der Achtziger Jahre in die USA, um seinen ganz persönlichen amerikanischen Traum zu leben: Ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Dieses Unternehmen heißt GMA Accessories Inc. und beherbergt unter seinem Dach Firmen wie Capelli New York, GMA Shanghai Company und die 2011 gegründete Capelli Sport. Damit ist Altirs in Bereichen wie Einzelhandel, Immobilien und E-Commerce unterwegs, außerdem unterhält die Gruppe eigene Produktionsstätten in China. Seine größte Leidenschaft, so betont Altirs bei der Präsentation beim MSV Duisburg immer wieder, gehöre dem Fußball. In seinem Geburtsland gebe es keinen anderen Sport, versichert er. In den USA besitzt Altirs den Proficlub Wilmington Hammerheads, außerdem betreibt er die Fußball-Indooranlage "Capelli Sport Center" und das Trainingszentrum für Jugendliche Cedar Sports Academy.

Jenseits des großen Teiches besitzt Altirs damit bereits einige Standbeine im Sport. Nun folgt der erste Schritt, auch in Deutschland Fuß zu fassen. Für einen Betrag im höheren einstelligen Millionenbereich hat sich Altirs 5,1 Prozent an der Profiabteilung des MSV Duisburg gesichert. Auf fünf weitere Prozent hält er eine Option. In drei Jahren, wenn der Vertrag des MSV mit Uhlsport ausgelaufen ist, wird Cappeli Sport neuer Ausstatter des Tabellenletzten der Zweiten Bundesliga. Zudem wird Kay Mourheg, Europa-Chef von Capelli Sport, in den Aufsichtsrat der KGaA einziehen.
Altirs und sein Europa-Chef Kay Mourheg
Altirs und sein Europa-Chef Kay Mourheg (Bild: MSV Duisburg / Daniel Matic)
Aber warum Deutschland? Und vor allem: Warum der MSV Duisburg, jener Verein, der vor zwei Jahren noch haarscharf an der Insolvenz vorbeigeschrammt ist und aktuell den letzten Platz der Zweitligatabelle belegt? Punkt 1 ist für Altirs glasklar: "In Deutschland schlägt das Herz des Fußballs. Wer im Fußball präsent sein will, muss nach Deutschland gehen", sagt der Firmenchef, der übrigens mit einer Deutschen verheiratet ist, im Gespräch mit HORIZONT Online. Im Land des Weltmeisters sieht er eine große Chance, vor allem im Nachwuchsbereich etwas aufzubauen.

Die Antwort auf Frage zwei muss Altirs den anwesenden Medienvertretern gleich mehrfach beantworten: "Der MSV Duisburg teilt dieselben Werte wie wir: Ehrlichkeit, harte Arbeit, Leidenschaft und Tradition." Hinzu kommt eine regionale Komponente: Die Europa-Zentrale von Capelli sitzt in Ratingen, nur etwa 25 Kilometer von Duisburg entfernt.
„In Deutschland schlägt das Herz des Fußballs. Wer im Fußball präsent sein will, muss nach Deutschland gehen.“
George Altirs
Mitentscheidend dürfte jedoch vor allem ein Punkt gewesen sein: Der MSV Duisburg sucht händeringend nach frischem Geld. Im vergangenen Jahr überlebte der Verein nur dank eines Schuldenschnitts. Seither war es vor allem Gerald Kassner, Chef des Reiseunternehmens Schauinsland Reisen, der Geld in den MSV pumpte. Um die Auflagen des Gläubigermoratoriums von 2013 zu erfüllen, waren jedoch noch weitere Finanzmittel nötig. Da kam Capellis Interesse an einem Einstieg wie gerufen.

Laut Ingo Wald, Vorstandsvorsitzender des MSV, habe man die Anteile weit über Wert verkauft. "Das zeigt, dass der MSV eine Marke ist, die noch einen gewissen Gegenwert darstellt." Für Altirs ist der finanzielle Gegenwert des Engagements allerdings gar nicht so wichtig, wie er beteuert: "Ich sehe uns nicht als Investor. Es geht uns nicht darum, etwas zu kaufen und dann gewinnbringend wieder zu verkaufen. Wir werden uns auch nicht in das operative Geschäft einmischen oder Einfluss auf das Management nehmen. Das hier ist eine langfristige Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren sollen", so Altirs gegenüber HORIZONT Online.

Allerdings: So richtig in die Karten schauen lassen will sich Altirs nicht. Mehrmals versichert er, dass es keine Agenda, keinen Business-Plan für die Partnerschaft gebe. Auch dazu, wie er die Marke Capelli hierzulande pushen will - etwa durch Werbung -, zeigt sich der Unternehmer zugeknöpft. Zu seinen Marketing-Plänen erfährt man von ihm nur so viel: "Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir alles tun, was nötig ist." Einen Eindruck von der Werbestrategie gibt ein Blick in die USA: Dort wirbt Capelli vor allem in sozialen Medien und Lokalzeitungen.
Die weltweit größten Sportartikelhersteller im Jahr 2014
Die weltweit größten Sportartikelhersteller im Jahr 2014 (Bild: HORIZONT)
Ganz ohne Marketing wird es jedoch kaum gehen. Schon gar nicht auf dem hart umkämpften Sportartikel-Markt, auf dem sich neben den Platzhirschen Adidas, Nike und Puma auch New Balance und seit Neuestem Under Armour tummeln. Wenn er vor so einer Konkurrenzsituation kneifen würde, hätte er sein Unternehmen gar nicht erst gegründet, zeigt sich Altirs furchtlos: "Wir stellen uns dem Wettbewerb so, wie wir das schon immer getan haben: Wir arbeiten hart und glauben an uns selbst. Wenn wir schnell sind und flexibel agieren, werden wir auch in diesem Umfeld bestehen können." Dabei wird es ihm womöglich helfen, dass er viel Energie in die Nachwuchsförderung stecken will. Zahlreiche Jungkicker würden so bereits früh mit der Marke in Kontakt kommen.

Bleibt die Frage, wie die Fans des MSV auf den neuen Geldgeber reagieren. Deutsche Fußballfans stehen Investoren, noch dazu solchen aus dem Ausland, gerne skeptisch gegenüber. Der Verein hat die Partnerschaft wohlweislich zunächst nicht an die große Glocke gehängt. Aus dem Umfeld des Vereins ist jedoch zu hören, dass sich die Vorbehalte gegen Capelli wohl in Grenzen halten. Und auch der Unternehmenschef ist sicher, dass er die MSV-Anhänger für sich gewinnen kann: "Wenn die Fans sehen, wie wir arbeiten, werden sie uns vertrauen." ire
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