Camp Beckenbauer Wie der Kaiser eine neue Denkfabrik des Sports etablieren will

Freitag, 26. Juli 2013
Mit Gastgeber Beckenbauer diskutierten u.a. Günter Netzer, Sepp Blatter und Wolfgang Niersbach.
Mit Gastgeber Beckenbauer diskutierten u.a. Günter Netzer, Sepp Blatter und Wolfgang Niersbach.


Neuer Fixpunkt im Sportbusiness-Kalender: Vergangene Woche lud Franz Beckenbauer Größen aus Sport, Wirtschaft, Politik und Medien in das Nobel-Hotel "Stanglwirt" nach Tirol, um über Herausforderungen und Weichenstellungen des Sports in Gegenwart und Zukunft zu diskutieren. "Camp Beckenbauer", so der Name der Veranstaltung, soll künftig einmal im Jahr stattfinden und zu einem "strategischen Forum" werden, wie Beckenbauers Berater und Camp-Organisator Marcus Höfl im Interview mit HORIZONT.NET erklärt. Fifa-Chef Sepp Blatter, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, DOSB-Präsident Thomas Bach, Adidas-Chef Herbert Hainer, Fußball-Legende und Infront-Manager Günter Netzer, "Bild-Chefredaktuer-Kai Diekmann, Bertelsmann-Gesellschafterin Liz Mohn: Schon allein dieser kurze Auszug aus der gut 150 Personen umfassenden Gästeliste zeigt, dass das "Camp Beckenbauer" sich als Get-Together der Top-Entscheider etablieren soll. Beckenbauer und Höfl, der in Kitzbühel die Beratungsfirma Marcus Höfl Management führt, haben ihr über Jahre gepflegtes Netzwerk genutzt, um ein solches Line-up hinzubekommen.

Auf der Agenda standen Themen wie "Der Erfolg einer Fußball-Weltmeisterschaft - was zählt?", "Die Zukunft Olympischer Spiele - wie nachhaltig müssen diese Mega-Events sein?" oder "Wohin treibt es die Medien? Sind neue Kommunikationsmittel wie Twitter und Facebook wirklich die Zukunft oder eher eine Gefahr?". Dass die Vorgänge in dem Hotel am Fuße der 2.300 Meter hohen Gebirgskette "Wilder Kaiser" der Öffentlichkeit nicht verborgen blieben, dafür sorgte nicht zuletzt der Fifa-Chef: Sepp Blatters Ankündigung, dass die Fußball-WM 2022 in Katar nicht im Sommer, sondern im Winter stattfinden soll, wurde zunächst via dpa verbreitet und anschließend von Medien aus aller Welt zitiert.

Doch nicht nur die Podiumsteilnehmer auf der Bühne, auch die Gäste in der zum Kongresszentrum umgewandelten Reithalle des "Stanglwirts" durften mitreden. Per Fernbedienung konnten sie ihre Meinung zu vorgegebenen Fragenkomplexen abgeben, die Professor Sascha Schmidt, Leiter des Instituts für Sports, Business & Society der privaten Wirtschaftsuniversität in Oestrich-Winkel, im Vorfeld des Events konzipiert hat.

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Einen ausführlichen Bericht vom "Camp Beckenbauer" lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 30/2013.

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Die Fragen lauteten etwa, welche Faktoren für den Erfolg einer Fußball-WM maßgeblich seien (Ergebnis: Eine Mehrheit stimmte für "Begeisterung der Bevölkerung") oder ob Olympische Spiele in Zukunft an geeignete Bewerber verlost werden sollten. Ergebnis bei der letzten Frage: Das Gros der Teilnehmer stimmte für "Ja". Die Idee hinter dieser Einbindung des Publikums: Schmidt und sein Team sollen die Ergebnisse der Veranstaltung im Nachgang auswerten, um das Camp Beckenbauer so zu einer Veranstaltung mit nachhaltiger Wirkung zu machen, so Höfl. ire

Lesen Sie auf der folgenden Seite das Interview mit Marcus Höfl

Marcus Höfl organisierte das erste "Camp Beckenbauer" (Bild: Fotografica Kitzbühel)
Marcus Höfl organisierte das erste "Camp Beckenbauer" (Bild: Fotografica Kitzbühel)

Herr Höfl, wie lautet Ihr persönliches Fazit zum ersten Camp Beckenbauer? Es war die Premiere, sicher lief nicht alles perfekt, aber ich denke, sie ist uns gut gelungen. Mit unseren Themen scheinen wir ins Schwarze getroffen zu haben, was man auch an der Berichterstattung sehen konnte. Die Äußerungen von Sepp Blatter zur Fußball-WM 2022 in Katar wurden weltweit in den Medien zitiert. Auch das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv. Und vor allem haben alle, mit denen ich gesprochen habe, gesagt, dass sie nächstes Jahr wieder dabei sein wollen. Das ist das beste Kompliment.

Teil des Events war ein internationeles Sport-Forum. Welche Idee steckt dahinter?
Die Rolle des Sports hat sich in den letzten Jahren rasant verändert, ist für viele Menschen so etwas wie eine Ersatzreligion geworden. Sport durchdringt mittlerweile alle Schichten der Gesellschaft. Dadurch wächst natürlich auch die gesellschaftspolitische Verantwortung, der sich der Sport stellen muss. Und genau darüber sollen sich Entscheidungsträger aus Sport, Wirtschaft, Medien und Politik beim Camp Beckenbauer austauschen und nach Wegen suchen, wie der Sport dieser Rolle in Zukunft gerecht werden kann. Aber dieser Gedankenaustausch, die Diskussionen, sind nur ein Teil. Die Gesprächsrunden werden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vorbereitet, die dann im Nachgang die Ergebnisse auswerten und durch weiterführende Untersuchungen und Studien begleiten, sodass Nachhaltigkeit erzielt wird.

Welche Impulse sollen von der Veranstaltung ausgehen? Es gibt eine ganze Reihe von Foren, die sich mit dem Thema Sport befassen und wo sich Entscheider unterschiedlicher Ebenen austauschen. Uns geht es darum, ein strategisches Forum zu schaffen, bei dem Gesamtverantwortliche aus Sport, Wirtschaft, Medien und Politik zusammenkommen. Es sollen immer diejenigen sein, die tatsächlich etwas ändern können, damit es nicht beim Gedankenaustausch bleibt, sondern konkrete Lösungsansätze und praktikable Wege für die Zukunft des Sports gesucht und auch umgesetzt werden.

Wovon wird es abhängen, ob das Camp Beckenbauer auch 2014 in dieser Form wieder stattfindet? Unser Plan war es von vornherein, mit dem Camp Beckenbauer eine relevante Veranstaltung zu etablieren, die in Zukunft einmal im Jahr stattfindet. Der Erfolg der Premiere hat uns in unserem Vorhaben nur bestärkt. Selbst wenn es nicht so gut gelaufen wäre, hätten wir weitergemacht, weil wir überzeugt sind, dass es wichtiger denn je ist, sich Gedanken darüber zu machen, wie der Sport im 21. Jahrhundert aufgestellt sein muss, um seiner Bedeutung gerecht zu werden. Interview: Ingo Rentz
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