CES 2016 "Unsere Geräte kennen uns bald besser als unsere engsten Verwandten"

Freitag, 08. Januar 2016
Die Teilnehmer der CES sind auf der Suche nach "the next big thing"
Die Teilnehmer der CES sind auf der Suche nach "the next big thing"
Foto: Katrin Ansorge
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Schreiben wir, so lange wir es noch können. Geht es nach Wendy Ju, Forscherin an der Stanford University, hat die 140 Jahre alte Technologie der klassischen Tastatur schließlich bald ausgedient. Auch die Sprache ist eigentlich viel zu langsam und kein effizienter Weg, etwas auszudrücken. Doch was kommt dann?

Zunächst Entwarnung: Ein bisschen tippen und diskutieren dürfen und müssen wir noch, denn das "next big thing" ist noch nicht gefunden. Beispiel Sprachsteuerung im Auto: Die funktioniert in der Regel noch immer nicht zufriedenstellend. Teilweise nerven die Systeme die Fahrer mit ständigem Nachfragen oder aberwitzigen Vorschlägen, Hintergrundgeräusche und Dialekte erschweren den Verzicht auf Tasten und Tippen zusätzlich. Auch das Sprechen mit dem Handy, um SMS zu formulieren oder Termine eintragen zu lassen, stößt in der Öffentlichkeit an seine Grenzen.

Das nächste Beispiel: Gestensteuerung. BMW legt bei der diesjährigen CES seinen Fokus darauf und zeigt mit dem Feature Air Touch, wie sich Infotainmentfunktionen berührungsfrei mit der flachen Hand steuern lassen. Sensoren erfassen dabei die Bewegung zwischen Mittelkonsole und Innenspiegel und ermöglichen bereits, bestimmte Flächen auf dem großen Panoramadisplay zu aktivieren. Marcus Behrendt, Leiter Anzeige- und Bedienkonzepte bei BMW in München, beschreibt die Herausforderungen: "Manche Gesten kann ein Device leicht lernen, aber manche wiederum haben in verschiedenen Ländern eine völlig andere Bedeutung. Wir wollen aber keine Gestensprache entwickeln, sondern etwas, das die Leute in zwei Tagen verstanden haben." Ein letztes Beispiel, das allerdings per se erst im Teenageralter ist, ist die Steuerung durch Augenbewegung, wie sie bei der CES im Bereich der Eyewear oder auch bei Augmented Reality zu beobachten ist. Schnelle Blicke führen momentan ebenso schnell eher zu einem Informations-Overload als zu mehr Komfort.

Beinahe könnte das Fazit also tatsächlich eine Entwarnung und eine Ode an die Tastatur und das Schreiben sein, wäre es für Pattie Maes, Professorin am renommierten MIT Media Lab in Cambridge, nicht nur eine Frage der Zeit, bis die Technologie voranschreitet: "Wir sind noch nicht so weit, aber es ist absehbar, dass unsere Geräte das Potenzial haben, uns besser zu kennen als unsere engsten Verwandten." Das Auto spielt dann beispielsweise schnellere Musik, wenn die Sensoren im Lenkrad spüren, dass der Fahrer müde wird. Gesundheitstracker warnen, wenn eine Erkältung droht, oder geben Kleidungstipps je nach Außentemperatur. "Unsere Geräte werden uns helfen, eine bessere Version von uns selbst zu werden", sagt Maes. "Sie werden zu unseren besten Freunden." kan

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