Buzzbird-Chefs Andreas Türck und Felix Hummel "Facebook wird jetzt richtig heiß für Influencer, definitiv"

Donnerstag, 02. März 2017
Die Buzzbird-Gründer Andreas Türck und Felix Hummel
Die Buzzbird-Gründer Andreas Türck und Felix Hummel
Foto: Buzzbird

Wie groß kann Influencer Marketing werden? Andreas Türck und Felix Hummel von Buzzbird sagen: "Die Unternehmen werden absehbar 10 bis 15 Prozent ihrer digitalen Werbebudgets in Influencer Marketing investieren." Viel mehr Optimismus geht nicht.
Türck - ein bekanntes TV-Gesicht und als Pilot-Manager einer der Pioniere in Sachen Content Marketing - und Youtube-Star Hummel wollen in der neuen Lieblingsdisziplin vieler Marketer ganz vorne mitspielen. Vor gut einem Jahr gründeten sie die Plattform Buzzbird, das Versprechen lautet: "Wir machen Influencer Marketing einfach, planbar, skalierbar und endlich auch messbar." Konkrete Umsatzzahlen wollen die beiden noch nicht nennen, ein paar Hinweise gibt es aber doch. Aktuell sind über 200 Marken und rund 5000 Influencer an Buzzbird angeschlossen. Schalteten die Unternehmen anfangs vor allem Testbuchungen für einige tausend Euro, lägen einzelne Budgets für Influencer-Kampagnen mittlerweile im sechsstelligen Bereich. Türck: "Wir wachsen Monat für Monat um bis zu 100 Prozent." Noch in diesem Jahr soll Buzzbird in fünf weiteren Märkten an den Start gehen: England, Frankreich, Italien, Spanien und Skandinavien.
Influencer Marketing
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Eine klare Vorstellung haben Türck und Hummel, auf welchen Plattformen in den nächsten Jahren die Musik spielt. Youtube sei weiter "absolut gesetzt", bekomme aber zunehmend Konkurrenz. Von wem wohl? Hummel: "Facebook ermöglicht Influencern neuerdings die Monetarisierung ihrer Inhalte. Das wird dazu führen, dass Facebook jetzt richtig heiß für Influencer wird, definitiv. Ich sehe hier ein sehr großes Potenzial."

Und wenn der Zauber doch irgendwann vorbei sein sollte und sich Influencer Marketing als Luftnummer erweist? Wird nicht passieren, sagt Türck: "Menschen werden zu Medien, das ist die große Veränderung. Nicht mehr Popstar oder Model, sondern Influencer ist der Berufswunsch vieler junger Leute." Die Unternehmen seien gerade erst dabei, dass wahre Potenzial der neuen Disziplin zu entdecken. Türck: "Keine Marke wird es sich noch leisten können, Influencer Marketing nicht zu machen."

Was unterscheidet Buzzbird von den vielen anderen Plattformen und Agenturen für Influencer Marketing?
Hummel: Buzzbird ist einzigartig, weil wir eben weder Agentur noch Marktplatz sind. Wir sind die Software, die Influencer Marketing endlich einfach und verständlich macht. Kürzlich hat ein Kunde, den wir Buzzbird präsentiert haben, noch im Termin ein Briefing online gestellt. Nach noch nicht einmal vier Stunden hatte er 15 Bewerbungen von passenden Influencern mit individuellen Kreativ-Konzepten. Drei Tage später waren die ersten Beiträge online. Welche Agentur kann das leisten?

Türck: Felix ist selbst ein sehr erfolgreicher Influencer und ich komme von der Agenturseite, spezialisiert auf Content Marketing und Media. Wir kennen also die Probleme und Anforderungen beider Seiten sehr genau. Der Anspruch von Buzzbird ist, Influencer Marketing zu professionalisieren und für Marken im großen Stil buchbar zu machen. Das können wir mit unserer Technologie besser als irgendjemand sonst im Markt. Mit Buzzbird haben wir eine Blaupause für den gesamten Werbemarkt geschaffen.

Das ist jetzt aber ein arg großes Wort…
Türck: Ist aber so. Im Ernst: Buzzbird bringt in allen relevanten Bereichen Innovation ins Media-Business. Marken oder Agenturen können direkt mit den Influencern arbeiten, sie haben direkten Datenzugriff auf deren Leistungswerte. Bei uns gibt es keine intransparenten Zwischenhändler. Buzzbird ist die integrierte Plattform für Planung, Einkauf, Buchung, Reporting, Analyse und Sicherheit.

Wie viel Geld haben Sie in Buzzbird investiert?
Hummel: Mittlerweile liegen wir bei den Investitionen im siebenstelligen Bereich. Der Hauptanteil unserer Umsätze fließt in die Weiterentwicklung der Plattform. Das ist ein Prozess, der nie endet.
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Wenn Buzzbird so unique ist, wäre doch der nächste logische Schritt, das Angebot international auszurollen.
Türck: Buzzbird kann man in jedem Land sofort einsetzen. Skalierung ist der Kern unseres Geschäftsmodells. Und ja, wir planen noch in diesem Jahr in den wichtigsten europäischen Kernmärkten zu starten: UK, Frankreich, Italien, Spanien und Skandinavien.

War es schwer, schnell genügend Influencer auf die Plattform zu kriegen?
Hummel: Überhaupt nicht. Als ich bei Youtube anfing, gab es nichts Cooleres, als bei einem großen Multichannel Network unter Vertrag zu sein. Das hat sich komplett gedreht. Bei Buzzbird entscheiden die Influencer selbst, bei welchen Kampagnen sie mitmachen. Da schiebt sich kein Vermarkter mit irgendwelchen Preislisten mehr dazwischen, das ist absolut ein Auslaufmodell. Unser Angebot ist die Antwort auf eine Frustration, die vorhanden war. Wir optimieren unser Tool jeden Tag und passen es dem Markt an. Für mich gibt es nichts Geileres.

Influencer Marketing ist eines der Mega-Themen der Branche, es gibt aber auch kritische Stimmen, die von einem Hype sprechen. Keine Sorge, dass Sie mit Buzzbird eine gefährliche Wette auf die Zukunft eingehen?
Türck: Überhaupt nicht. Es gibt Prognosen aus den USA, wonach Unternehmen zukünftig 10 bis 15 Prozent ihrer digitalen Werbebudgets in Influencer Marketing investieren. Ich halte das für absolut realistisch. Mit tradierten Werbeformen wird es immer schwieriger, Zielgruppen zu erreichen. Unterbrecherwerbung wird als störend empfunden, die Menschen wollen das nicht. Nicht ohne Grund sind Ad-Blocker so auf dem Vormarsch. Der Trend ist eindeutig: Nicht unterbrechen, sondern integrieren. 10 bis 15 Prozent - das klingt extrem optimistisch.
Hummel: Influencer Marketing findet in Social Media statt. Wenn man sieht, wie stark Social Media wächst, sind Prognosen von 10 bis 15 Prozent für Influencer Marketing sicher nicht übertrieben.

Türck: Menschen werden zu Medien. Das ist die große Veränderung. Nicht mehr Popstar oder Model, sondern Influencer ist der Berufswunsch vieler junger Leute. Alleine in Deutschland haben 80 Youtuber mittlerweile über eine Millionen Follower. Was für eine Kraft! Die Unternehmen sind gerade dabei, dieses gewaltige Potenzial für sich zu entdecken. Keine Marke wird es sich noch leisten können, Influencer Marketing nicht zu machen.

Was ist das größere Ding: Content Marketing oder Influencer Marketing?
Türck: Influencer Marketing ist eine extrem wichtige Ausprägung des Content Marketings. Die Influencer erreichen mit ihren Inhalten täglich Millionen von Menschen. Mit klassischem Content Marketing solche Reichweiten zu erzielen dauert sehr lange und ist teuer.

Und Influencer Relations, also die Zusammenarbeit mit ausgewählten Bloggern?
Hummel: Du kannst nicht mit 100 Influencern eine Freundschaft aufbauen in der Hoffnung, dass sie irgendwann mal zu Brands Ambassadors werden. Das geht nicht. Wenn Influencer Marketing wirklich groß werden soll, muss es planbar, messbar und vor allem skalierbar sein.
„Keine Marke wird es sich noch leisten können, Influencer Marketing nicht zu machen.“
Andreas Türck
Ein Einwand gegen Influencer Marketing lautet: Die meisten Influencer arbeiten unprofessionell und brauchen ganz viel Betreuung, damit die Kampagnen nicht völlig in die falsche Richtung laufen.
Hummel: Influencer brauchen niemanden, der auf sie aufpasst! Wenn jemand weiß, wie er seine Zielgruppe erreicht, dann ja wohl der Influencer selbst. Wir sind auch keine 18-Jährigen mehr, die in einem Network festsitzen, sondern wir sprechen hier von einer Branche, die sich extrem professionalisiert hat. Wir sind viel reifer, als es in der Presse oft dargestellt wird.

Auf welcher Plattform ist in den nächsten Jahren die meiste Musik drin: Youtube, Facebook, Instagram, Snapchat?
Hummel: Youtube ist absolut gesetzt, die machen ihre Hausaufgaben und sind zum richtigen Zeitpunkt auf Themen wie Live und Gaming aufgesprungen. Facebook ermöglicht Influencern neuerdings die Monetarisierung ihrer Inhalte. Das wird dazu führen, dass Facebook jetzt richtig heiß für Influencer wird, definitiv, hier sehe ich ein sehr großes Potenzial. Instagram ist und bleibt wichtig. Bei Snapchat ist das Problem, dass aktuell keine messbaren Daten existieren. Und Sachen, die nicht messbar sind, interessieren uns nicht.
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