Bundesumweltministerium Zombies und elterlicher Sex als Geheimwaffen für den Klimaschutz

Dienstag, 18. November 2014
Mit Energiespartipps in maximal peinlichen Situationen sollen junge Zielgruppen für den Klimaschutz begeistert werden
Mit Energiespartipps in maximal peinlichen Situationen sollen junge Zielgruppen für den Klimaschutz begeistert werden
Foto: Bundesumweltministerium

Wenn Vater Staat unter die Werbungtreibenden geht, dann ist das Ergebnis meist dementsprechend: Wohlmeinende Ratschläge in Geschichten präsentiert, die immer etwas zu verzweifelt versuchen, cool zu wirken. Dass moderne Kommunikation auch im Umfeld deutscher Behörden entstehen kann, zeigt jetzt das Bundesumweltministerium. Seine von der Berliner Agentur Tinkerbelle entwickelte Energiespar-Kampagne amüsiert und informiert.
Die drei Filme der Kampagne, die einen weiteren Einsatz als Kinowerbung erleben werden (Mediaagentur: Carat), erinnern im positiven Sinn an die Kommunikation kanadischer Behörden, wo Zombies wiederholt das Thema für breite Gesundheits- und Katastrophenschutzkampagnen lieferten. Stets geht es dabei um kleine Gesten, mit denen sich viel Energie sparen lässt. Allerdings sind die Gründe dafür kurios bis haarsträubend. So schaltet das spät nach Hause kommende Mädchen das im Wohnzimmer brennende Licht aus, um ihre Eltern nicht mehr sehen zu müssen, die sie dort gerade beim Sex überrascht hat. Eine Panflötenspielerin schließt das offene Fenster, um den Lärm aus dem Garten nicht mehr zu hören. Dieser Lärm wird jedoch wesentlich vorn ihrem Mann verursacht, der dort gerade gegen Zombies um sein Leben kämpft.
Nachts in Berlin gab eine Fahrradfahrerin von den Hauswänden Energiespartipps
Nachts in Berlin gab eine Fahrradfahrerin von den Hauswänden Energiespartipps (Bild: Unternehmen)
Die junge Zielgruppe der Kampagne - adressiert werden die 18- bis 35-Jährigen - bedingt einen sehr starken digitalen Schwerpunkt im Mediamix. Neben den auf Youtube geposteten Filmen soll auch ein Themenseeding und PR-Arbeit mit Bloggern (PR-Arbeit: Fairkehr) das Publikum zur Kampagnen-Site zusammen-ist-es-klimaschutz.de  führen.

Der Startpunkt der vierwöchigen Kampagne (Gesamtetat 1,5 Millionen Euro) ist kein Zufall. Mit dem Auftritt will Bundes-Umweltministerin Barbara Hendricks im Vorfeld des UN-Klimagipfels im peruanischen Lima für das Thema mit pragmatischen Tipps werben. Hendricks: "Viele Menschen glauben, sie könnten alleine doch nichts fürs Klima tun. Unsere Kampagne zeigt, dass das nicht stimmt. Jeder kann seinen Beitrag leisten."

Anknüpfungspunkte zum Publikum außerhalb des Internets sollen neben der Kinokampagne auch eine digitale Out-of-Home-Kampagne, nächtliche Filmprojektionen sowie interaktive Plakate in Berlin, Hamburg und München liefern. Den Anfang machte hier Berlin, wo dieses Wochenende ein Plakat enthüllt wurde, auf dem das eigentliche Motiv von Socken verdeckt war. Erst nachdem Passanten alle Socken vom Plakat gepflückt haben, wird die Botschaft "Zusammen ist es Klimaschutz" sichtbar. cam 
Meist gelesen
stats