Bundestagswahl 2017 So kommunizieren die Parteien im Internet

Freitag, 14. Juli 2017
Wie treten die Parteien im Internet auf? (Foto: Deutscher Bundestag / Marc-Steffen Unger)
Wie treten die Parteien im Internet auf? (Foto: Deutscher Bundestag / Marc-Steffen Unger)
Themenseiten zu diesem Artikel:

AfD Google Facebook Deutschland SPD CDU Parteitag


Im 21. Jahrhundert werden Wahlen im Internet entschieden, oder? Ganz so eindeutig ist es nicht. Wenn es tatsächlich so wäre, würde Deutschland demnächst von der AfD regiert. Bei Google und Facebook liegen die Rechten jedenfalls vorn, wie eine Analyse der Hamburger Mediaagentur JOM für Horizont zeigt. Das Interesse an den Content-Angeboten der etablierten Parteien ist dagegen überschaubar.

CDU, SPD und Co fallen als Experten für digitales Marketing bisher nicht auf. Ihre Kontakte zum Wähler steigen, wenn sie einen Parteitag abhalten, wenn ein Politiker einen Wutausbruch hat (Kretschmann), wenn ein großer Staatsmann stirbt (Kohl). Aber besondere Aktivitäten im Netz, Social-Kampagnen, Paid oder Earned? Henning Ehlert, Managing Director der JOM Group: "Entweder sind die Möglichkeiten der Digitalisierung bei den politischen Parteien noch nicht angekommen oder Sie befinden im Sommerschlaf – wenn man einmal von der AfD absieht."

AfD liegt bei Suchanfragen ganz vorn

Welche Partei wird im Netz am häufigsten gesucht?
Welche Partei wird im Netz am häufigsten gesucht? (Bild: Google Trends)
An einem einzigen Tag im Juni werden die Grünen mit Abstand Spitzenreiter bei Google: Als Winfried Kretschmanns "Wutrede" über das von seiner Partei geforderte Ende des Verbrennungsmotors online geht, schießt die Zahl der Suchanfragen bei den Grünen in die Höhe. Wenn allerdings nicht gerade eine derart außergewöhnliche Aufführung auf der politischen Bühne gezeigt wird, sind die Mehrheitsverhältnisse bei Google klar: Nummer 1 ist die AfD, mit deutlichem Abstand rangieren dahinter die Grünen, die gelegentlich von der SPD vom 2. Platz verdrängt werden, wie beim Dortmunder Programm-Parteitag. Eher mäßig ist dagegen das Interesse für die Seiten von CDU, FDP und Linken. Ganz allgemein ist die Nachfrage nach dem Parteien-Content gegenüber dem Vormonat, als die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen das Interesse weckten, im Juni gesunken.

Merkel wird öfter gegoogelt als Schulz

Wer wird im Netz gesucht? Merkel oder Schulz
Wer wird im Netz gesucht? Merkel oder Schulz (Bild: Google Trends)

Einen kleinen Peak bewirkte Martin Schulz mit seiner Parteitagsrede in Dortmund, die den Startschuss für die Aufholjagd der Sozialdemokraten geben sollte. Aber dann verflachte das Interesse an seiner Person schnell wieder, Angela Merkel dominiert den direkten Vergleich mit ihrem Herausforderer ganz klar. Als sie beim "Brigitte"-Talk ganz nebenbei, ob gewollt oder ungewollt, den Weg für die Ehe für alle freimachte, schoss die Nachfrage nach der amtierenden Kanzlerin in ungewohnte Höhen. Eigentlich muss man sie ja gar nicht googeln. Denn, Originalton Merkel: "Sie kennen mich."

Facebook-Freunde von Rechts

Wer hat die meisten Facebookfreunde?
Wer hat die meisten Facebookfreunde? (Bild: Fanpage Karma)
Bei Facebook ist die Sache klar: Die meisten Fans hat die AfD, und zwar mehr als die beiden sogenannten Volksparteien CDU und SPD zusammen. Auch wenn die Zahl der Kommentare, Likes und Shares gezählt wird, liegt die AfD vorn: Mehr als die Hälfte aller Reaktionen geht auf ihren Account, und über 80 Prozent der Reaktionen auf AfD-Postings sind positiv (Likes, Love, Wow). Der FDP gelingt es immerhin, wenn auch ausgehend von niedrigem Niveau, ihre Facebook-Community zu vergrößern. uv

Wo die SPD spitze ist und welche Parteien Google Adwords nutzen, erfahren HORIZONT-Abonnenten in der aktuellen Wochenzeitung, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.


Meist gelesen
stats