Black Friday Wieso auch deutsche Kunden wild auf die amerikanische Rabattschlacht sind

Donnerstag, 26. November 2015
Blackfridaysale.de macht die Kunden mit einem Maori-Kriegstanz scharf auf die Schnäppchenschlacht
Blackfridaysale.de macht die Kunden mit einem Maori-Kriegstanz scharf auf die Schnäppchenschlacht
Foto: Blackfridaysale.de

Der Name klingt wie eine ominöse Drohung, aber diesen Freitag - dem sogenannten Black Friday - geht es dem Handel nur um schwarze Zahlen. Fast 1 Milliarde Euro könnten nach Expertenschätzungen hierzulande an diesem Wochenende zusammenkommen. Damit entwickelt sich die in den USA entstandene Verkaufsschlacht auch für den deutschen Einzelhandel zum Umsatzturbo.
Noch ist es allerdings vor allem der Onlinehandel, der von dem verlängerten Wochenende zwischen Black Friday und Cyber Monday profitiert. 924 Millionen Euro kann sich der deutsche E-Commerce laut einer Studie von RetailMeNot  von dem Event erwarten. Die starke Internetfixierung hat vor allem historische Gründe. Amazon nutzte bei seinem Start in Deutschland den Black Friday stark als Marketingthema, um E-Commerce-Skeptiker zu ersten Testkäufen im Internet zu motivieren. Aktuell wirbt der Onlineriese aber lieber mit dem Label Cyber Monday, für eine ganze Woche von Sonderangeboten im Minutentakt. Konkurrent Ebay verzichtet ganz auf Black Friday und Cyber Monday und nennt seine Promotion stattdessen die "Wooow-Woche".
Das mag auch daran liegen, dass mittlerweile auch deutsche Online-Händler das Thea für sich entdeckt haben. Neben großen Playern wie Douglas und Redcoon gibt es auch Angebotsaggregatoren wie Black-Friday.de und Blackfridaysale.de, die Stimmung für die kollektive Schnäppchenjagd machen. Bis der Black Friday auch den stationären Handel erreicht, wird es aber wohl  noch eine ganze Zeit dauern. Bisher weiß mehr als 50 Prozent aller deutschen Konsumenten mit diesem Begriff nichts anzufangen und nur 10 Prozent haben überhaupt schon einmal ein Black-Friday-Sonderangebot wahrgenommen. Das macht den Tag für auf ein Massenpublikum zielende Händler als Werbethema noch unattraktiv, deutet aber gleichzeitig auf eine mittelfristig sehr interessantes Wachstumspotenzial hin. cam

Der Ursprung

Der Black Friday bezeichnet in den USA traditionell den vierten Freitag im November und gilt als inoffizielle Eröffnung der Weihnachtsshoppingsaison. Erste Erwähnung fand er in den 1960er Jahren. Zum Ursprung des Begriffs kursieren mehrere Erklärungen: Eine besagt, dass Händler von da an aus den roten in die schwarzen Zahlen rutschen (englisch: "in the black"). Wahrscheinlicher ist, dass die Bezeichnung von den Menschenmengen stammt, die als chaotische, "schwarze" Masse wahrgenommen wurden. Nichts zu tun hat der Black Friday mit dem deutschen Schwarzen Freitag, dem Tag des New Yorker Börsencrashs im Oktober 1929 - wegen der Zeitverschiebung heißt dieser in den USA Black Thursday. Als Reaktion auf die steigende Bedeutung des Onlineshoppings gibt es seit 2005 zudem den Cyber Monday.

Interview mit Marketingprofessor Martin Fassnacht (WHU-Otto Beisheim School)

Weshalb findet ein amerikanisches Verkaufsevent wie der Black Friday in Deutschland immer mehr Verbreitung?
In Deutschland ist es heutzutage immer schwerer, zu verkaufen, da der Markt in den meisten Produktkategorien schon gesättigt ist. Da muss man den Kunden einen Anlass geben, um sie zur Suche nach neuen Produkten zu motivieren. Ein Event wie der Black Friday funktioniert da sehr gut, gerade weil es ein sehr amerikanisches Flair versprüht. Dafür sind deutsche Verbraucher empfänglich.

Sind denn Kunden so leicht mit künstlichen Anlässen zu ködern? Die Frage ist eher, ob man einen Verkaufsanlass glaubwürdig mit einem Thema triggern kann. Das Beispiel Valentinstag zeigt sehr anschaulich, wie effektiv das sein kann, wenn das Thema stimmt. Beim Black Friday hat Amazon massiv auf das Thema gesetzt, um E-Commerce an sich in Deutschland populärer zu machen. Darauf können nun andere Onlinehändler aufbauen.

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Nur die Onlinehändler oder hat auch der stationäre Handel hier eine Chance? Wenn der Onlinehandel den Black Friday verstärkt als Marketing-Instrument einsetzt, wird das Thema die deutsche Gesellschaft zunehmend durchdringen. Als Konsequenz wird der stationäre Einzelhandel das Thema ebenfalls für sich entdecken. Aber noch wissen gut zwei Drittel aller Deutschen nichts mit dem Begriff "Black Friday" anzufangen. Als Werbeargument ist die Effektivität damit noch begrenzt.

Sollten die Händler nun an der Popularität des Black Friday arbeiten oder gibt es auch heimische Themen? 32 Prozent aller Käufe erfolgen laut GfK anlassbezogen, damit empfiehlt sich die Suche nach neuen Anlässen. Generell sollte ein Event für Verbraucher relevant und jährlich planbar sein. Der Tag der Deutschen Einheit hätte da sicher Potenzial.
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