Bizarrer Streit Ungarn will Heineken-Logo verbieten

Dienstag, 21. März 2017
Der rote Stern ist zentraler Bestandteil des Heineken-Logos
Der rote Stern ist zentraler Bestandteil des Heineken-Logos
Foto: Heineken
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Der Protektionismus ist zurück und macht internationalen Konzernen zunehmend das Leben schwer. Nachdem bereits die US-Regierung um Präsident Donald Trump angekündigt hat, die heimische Wirtschaft mit Strafzöllen abschotten zu wollen, sorgt jetzt auch Ungarn für Schlagzeilen. Die Regierung um Ministerpräsident Viktor Orbán will offenbar das Heineken-Logo verbieten.
Möglich machen soll das ein neues Gesetz. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, will die Regierung Orbán ein Gesetz auf den Weg bringen, das die Verwendung nationalsozialistischer und kommunistischer Symbole unter Strafe stellt. Das Heineken-Logo, auf dem ein roter Stern zu sehen ist, müsse vor diesem Hintergrund womöglich aus dem Verkehr gezogen werden. Das Verbot einer kommerziellen Nutzung von Hakenkreuz, Hammer und Sichel oder rotem Stern sei eine "moralische Verpflichtung", zumal der Stern von Heineken "offensichtlich politische Bedeutung habe", heißt es in dem Bericht weiter. 
In Ungarn wird Heineken möglicherweise der rote Stern zum Verhängnis
In Ungarn wird Heineken möglicherweise der rote Stern zum Verhängnis (Bild: Heineken)
Heinken weist die Vorwürfe seitens der ungarischen Regierung zurück. "Der rote Stern war von Anfang an das Markenzeichen von Heineken. Der Stern ist ein Brauersymbol, welches bereits im Mittelalter Verwendung fand", heißt es in einer Stellungnahme, die HORIZONT Online vorliegt. Einen Zusammenhang zwischen dem Heineken-Stern und dem roten Stern kommunistischer Prägung bestehe daher nicht. Vielmehr stünden die Punkte des Sterns für die vier natürlichen Zutaten des Biers - nämlich Wasser, Gerste, Hopfen und Malz. Der fünfte Punkt stehe für die Magie des Brauens – die Leidenschaft und die Handwerkskunst der Brauer. "Das rote Heineken-Stern hat keine politische Bedeutung und wird als einheitliches Markensymbol weltweit, in jedem Markt, eingesetzt", teilt Heineken weiter mit. Der Konzern hoffe, die Angelegenheit zeitnah lösen zu können. 

In der Tat spricht vieles dafür, dass die von Ungarn genannten moralischen Bedenken nichts mit der Attacke auf Heineken zu tun haben. Denn der Streit mit dem Bierbrauer Heineken, der seinen Kreativetat nach langjähriger Zusammenarbeit mit Wieden + Kennedy 2015 an Publicis vergab, hat eine Vorgeschichte. Laut "Süddeutscher Zeitung" hat die ungarische Regierung erst kürzlich zum Boykott von Heineken aufgerufen.

Grund war ein vor Gericht ausgetragener Namensstreit zwischen einem in Rumänien tätigen ungarischstämmigen Bierbrauer, der zugunsten von Heineken ausging. Zudem wirft die ungarische Regierung ausländischen Konzernen vor, im Osten der EU Produkte mit schlechterer Qualität zu verkaufen als im Westen. Dem Bericht zufolge kursieren Gerüchte, dass Budapest solche Konzerne mit Strafgebühren belegen wolle. mas
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