Bilanz eines Skandals ADAC verliert kaum Mitglieder

Montag, 30. Juni 2014
Die Mitgliederentwicklung des ADAC hat keinen nennenswerten Schaden genommen (Bild: ADAC)
Die Mitgliederentwicklung des ADAC hat keinen nennenswerten Schaden genommen (Bild: ADAC)


Der Manipulationsskandal beim ADAC hat den Automobilclub zwar Mitglieder gekostet, wie der kommissarische Vereinspräsident August Markl bei der Bilanzpressekonferenz heute verkündet hat. Allerdings hat der gebeutelte Automobilverband seit Bekanntwerden des Skandals um den Automobilpreis "Gelber Engel" auch neue Mitglieder hinzugewinnen können. Von Januar bis Mai haben rund 320.000 Mitglieder aufgrund der Ereignisse im Januar den Verein verlassen. Hinzu kommen weitere 60.000, die dem Verein aus anderen Gründen den Rücken gekehrt haben. Im gleichen Zeitraum hat der ADAC aber auch über 370.000 neue Mitglieder gewonnen. Damit ist klar: Der Automobilclub hat, zumindest was die Mitgliederentwicklung angeht, keinen größeren Schaden erlitten. Aktuell haben die Pannenhelfer 18,93 Millionen Mitglieder, zum Jahresende 2013 lag die Zahl bei 18,94 Millionen.

Es ist die erste Bilanz, die der größte europäische Automobilclub nach den Wahlfälschungen beim "Gelben Engel" zieht. Im Januar hatte der damalige Kommunikationschef Michael Ramstetter nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" zugeben müssen, die Ergebnisse beim Autopreis "Gelber Engel" manipuliert zu haben. Die Entrüstung in den Medien und in den sozialen Netzwerken war groß, die Entwicklung des ADAC hat das aber kaum gebremst. Trotzdem will der sein angekraztes Image aufpolieren. "Das Vertrauen unserer Mitglieder wiederzugewinnen ist das erklärte Ziel des Reformprogramms. Das Mitglied und seine unterschiedlichen Interessen stehen künftig mehr denn je im Fokus unserer Aktivitäten", erklärt Markl.

Zur Reform des Clubs gehören unter anderem die Bildung eines Beirates, mehr Transparenz, der Verzicht auf die Bezeichnung Gau und der Willen, künftig Interessenkonflikte zu vermeiden. So hat der ADAC vor vier Wochen den Verkauf von Auto-Kindersitzen eingestellt - weil der Automobilclub selbst Autositze testet. Aber auch das soll künftig der Vergangenheit angehören. Aggressive Mitgliederwerbung in Discotheken streicht der Club ebenso wie das Ziel, die 20 Millionen-Mitglieder-Grenze zu knacken.

Wirtschaftlich steht der Verein auf soliden Füßen. 2013 nahm er 1,05 Milliarden Euro an Mitgliedsbeiträgen ein. im Vorjahr lag die Summe noch bei 1,02 Milliarden Euro. Der Gewinn liegt bei 4,6 Millionen Euro. mir
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