Big Data Wie die Datenrevolution den Sport verändert

Dienstag, 10. Februar 2015
SAP und der FC Bayern München haben im vergangenen Jahr eine Partnerschaft geschlossen
SAP und der FC Bayern München haben im vergangenen Jahr eine Partnerschaft geschlossen
Foto: SAP

Nicht nur in der Werbewirtschaft findet eine Datenrevolution statt – auch im Sport ist Big Data angekommen. Abgesehen davon, wie Vereine sich die Möglichkeiten der intelligenten Datennutzung zunutze machen können, ging es auf dem SpoBiS in Düsseldorf auch um die Frage, wie Big Data eigentlich den Sport verändert.

Kooperationspartner für das entsprechende Panel war der Softwarekonzern SAP. Kein Zufall, immerhin unterhält das Unternehmen Partnerschaften mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und seit vergangenem August auch mit dem FC Bayern München. Der deutsche Rekordmeister soll von der Expertise von SAP in Sachen digitales CRM profitieren und den Fans auf diese Weise Mehrwerte liefern, so Stefan Mennerich, Direktor Neue Medien bei Bayern München.

Das dürfte dem Verein dabei helfen, das Geschäft mit Tickets und Merchandising-Produkte anzukurbeln – letzteres ist eine wichtige Säule im Erlösmodell des FC Bayern.
Diekmann
Bild: Sponsors/Picture Alliance

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Fast noch wichtiger allerdings dürfte das Datenmanagement im Bereich des wichtigsten Assets nicht nur der Bayern, sondern eines jeden Fußballclubs sein: Den Spielern. Wenn man eine Zusammenstellung aller Pässe von Philipp Lahm wolle, die über 30 Meter gingen und in einem bestimmten Winkel gespielt wurden, könne man das heute bereits mit wenigen Mausclicks bewerkstelligen und dem Spieler und Analysten zur Verfügung stellen, so Dirk Ifsen, Geschäftsführer der Perform Group in Deutschland. Das Unternehmen betreibt reichweitenstarke Portale wie Spox.com und Sportal.de und erfasst laut Ifsen zwischen 1600 und 2000 Events pro Spiel – also Pässe, Schüsse oder Sprints.

Allerdings sind solche Daten lediglich „Nice to have“, solange man nicht weiß, was man damit anfangen kann. Entscheidend sei daher, daraus auch die richtigen Schlüsse zu ziehen, so Ifsen. Ebenso wichtig sei, die Daten auch ansprechend visualisieren zu können. Gleiches gilt für medizinische Daten, mit denen Trainer und Betreuer Fitnesszustand und Gesundheit des spielenden Personals überschauen und gegebenenfalls darauf einwirken können.
„Früher wartete man auf die eigene Kicker-Note am Montag, heute können die Spieler mit ihren iPhones jederzeit ihre eigenen Laufdaten abrufen.“
Jan Henkel
Befeuert wird die Entwicklung auch von der heutigen Spielergeneration. „Früher wartete man auf die eigene Kicker-Note am Montag, heute können die Spieler mit ihren iPhones jederzeit ihre eigenen Laufdaten abrufen“, so Sky-Moderator Jan Henkel. Und auch der Zuschauer wird bereits mit Big Data konfrontiert: Beim Bundesliga Top-Spiel auf Sky werden pro Partie ein bis zwei Grafiken eingeblendet, die etwa die Laufdaten eines Spielers zeigen oder die Bereiche auf dem Feld, wo er sich am meisten aufgehalten hat. Dabei müsse man aber behutsam vorgehen, gab Henkel zu bedenken: „Man muss das Publikum auf so etwas vorbereiten und darf es nicht damit überrumpeln.“

„Solange es Spieler wie Franck Ribery gibt, die sich überhaupt nicht für ihre Laufdaten interessieren, sondern einfach ihr Spiel machen wollen, wird der Sport funktionieren.“
Jan Henkel
Inwieweit die Datenrevolution den Sport weiter verändern wird, ob es im Fußball etwa möglicherweise irgendwann Auszeiten gibt, um zusätzlichen Raum für Taktikbesprechungen zu schaffen, darauf gab es auf der SpoBiS-Bühne keine abschließende Antwort. Stefan Wagner, General Manager Media, Sports & Entertainment bei SAP, betonte jedoch, dass intelligentes Datenmanagement nicht nur für den Fußball interessant sei – und schon gar nicht allein für den Spitzensport. „Wir gehen in den Sport, weil wir sehen, dass es dort Bedarf für unsere Lösungen gibt. Wir wollen diese aber nicht nur der Creme de la Creme zur Verfügung stellen, sondern auch dem Breitensport.“

Viele Fans dürften sich angesichts der zunehmenden Datennutzung fragen, ob dem Sport auf diese Weise nicht vielleicht die Seele geraubt wird. Für diejenigen hatte Henkel allerdings eine gute Nachricht: „Solange es Spieler wie Franck Ribery gibt, die sich überhaupt nicht für ihre Laufdaten interessieren, sondern einfach ihr Spiel machen wollen, wird der Sport funktionieren.“ ire

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