Big Data Facebook muss werbliche Datennutzung vor Gericht verteidigen

Freitag, 03. Januar 2014
Daumen hoch oder Daumen runter für Facebooks Targeting? (Bild: Facebook)
Daumen hoch oder Daumen runter für Facebooks Targeting? (Bild: Facebook)


Nachdem sich Facebook 2013 gegen die Datenschutzvorwürfe der österreischischen Initiative
Europe versus Facebook verteidigen musste, sind jetzt die USA an der Reihe. Der amerikanische Anwalt und Betreiber des Blogs Blue Hog Report, Matt Campbell, hat jetzt offiziell eine Sammelklage gegen den Web-2.0-Konzern eingereicht. Der Vorwurf trifft einen zentralen Eckpfeiler von Facebooks Geschäftsmodell: Die Auswertung von Messaging-Inhalten zum Targeting von Werbeanzeigen. Mit seiner Klage betritt Campbell zusammen mit seinem Partner Michael Hurley Neuland. Denn die Klage unterstellt nicht, dass Facebook die privaten Inhalte der privaten Nachrichten auf Facebook auswertet und seinen Werbekunden zu Targetingzwecken zur Verfügung stellt. Vielmehr geht es um markenbezogene Links, die über eine Nachricht mit anderen Facebookfreunden geteilt wird. Schon Ende 2012 war bekannt geworden, dass nicht nur die offiziellen Likes von Markenseiten auf Facebook als Kontakt zwischen Nutzer und Marke zählen, sondern auch die Auseinandersetzung mit einer Marke - etwa durch Teilen von Markencontent. Um diese Aktivität dokumentieren zu können, muss Facebook Nachrichten innerhalb der Community auf relevante Marken-Links überprüfen.

Die Kläger werten diese Auswertung als Verletzung des Briefgeheimnisses. Denn die Links bilden Teil einer privaten Nachricht. Facebook stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass hier keine Inhalte der privaten Nachricht weitergegeben werden, sondern lediglich das Vorhandensein eines Links dokumentiert wird. Damit würde der Rechtsstreit in den Bereich der Metadaten-Debatte fallen, die derzeit auch gerade die Politik aufs Heftigste beschäftigt. Dort musste sich gerade das Programm des Geheimdiensts NSA der gerichtlichen Überprüfung stellen. In erster Instanz kam das zuständige Gericht zu dem Ergebnis, dass die Sammlung von Verbindungsdaten verfassungswidrig ist. In zweiter Instanz wurde dieses Urteil allerdings wieder kassiert.

Nun wird es spannend sein, zu sehen, ob ein privates Unternehmen beim Umgang mit Metadaten an anderen Standards gemessen wird als eine staatliche Behörde. Nicht nur für Facebook steht potenziell viel auf dem Spiel. Denn sollten auch die Metadaten der Facebook-Nutzer unter den Datenschutz fallen, wäre der USP der Werbung in Social Media - das besonders fein justierbare Targeting - ernsthaft gefährdet. Communitys wie Facebook und Twitter werden nicht zuletzt deshalb so hoch bei ihren Börsengängen bewertet, weil die Investoren davon ausgehen, dass ihre noch in der Entwicklung befindlichen Werbemodelle durch die höhere Datenqualität über die erreichbaren Nutzer kompensiert wird. cam
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