Beschwerden beim Werberat Ashley Madison stellt Plakatkampagne ein

Dienstag, 19. November 2013
Das beanstandete Motiv aus der Ashley-Madison-Kampagne "Besser als jede deutsche Ehefrau"
Das beanstandete Motiv aus der Ashley-Madison-Kampagne "Besser als jede deutsche Ehefrau"


In seiner jüngsten Werbekampagne bewies das Seitensprungportal Ashley Madison einmal mehr, dass es zu provozieren versteht: Auf Großplakaten greift das Unternehmen den angeblichen Trend auf, dass deutsche Männer sich vor den Nörgeleien ihrer Ehefrauen zunehmend in die Arme von ausländischen Geliebten flüchteten. So manchem Betrachter stießen die Motive allerdings sauer auf. Nun findet die Kampagne ein jähes Ende. Wie Ashley Madison mitteilt, erhielt man ein offizielles Schreiben des Deutschen Werberates, das über eine Beschwerde gegen die Kampagne informiert. Darin heißt es: "Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, die Darstellung einer türkischen Frau als unterwürfig und der deutschen Frau als zickig und gewalttätig sei rassistisch und diskriminierend, sowohl im Hinblick auf türkische wie auf deutsche Frauen. Zudem sei die Darstellung eines geschlagenen Ehemannes, der als Lösung zu einer devoten türkischen Geliebten flieht ebenfalls diskriminierend und verharmlose das bestehende Problem der Gewalt in der Ehe."

Der Deutsche Werberat bestätigt den Vorgang auf Anfrage. Ashley Madison wurde wie in der Verfahrensordnung des Gremiums vorgesehen zu einer Stellungnahme aufgefordert. Käme der Werberat zu dem Schluss, dass die Kampagne tatsächlich diskriminierend ist, müsste Ashley Madison die Kampagne zurückziehen. Dem kommt das Unternehmen nun allerdings zuvor und stampft die Plakate ein bei gleichzeitigem Verzicht auf eine künftige Wiederverwendung.

Gleichwohl zeigt sich Ashley Madison bestürzt über den Vorgang und argwöhnt, dass den Beschwerdeführer "eigennützige politische Zwecke" getrieben haben könnten. Christoph Kraemer, Europa-Sprecher von Ashley Madison, sieht eine "haltlose und an den Haaren herbeigezogene Spekulation über die Botschaft der Plakatmotive". In Wahrheit habe man sich als "Pionier in binationalen Techtelmechteln" positionieren wollen. Dass deutsche Männer häufig aufgrund von Nörgeleien in der Ehe auf die Suche nach Geliebten gingen, und das immer häufiger im Ausland, habe man anhand von Mitgliederbefragungen und Beobachtungen des Mitgliederverhaltens herausgefunden.

Die Kampagne unterstreiche daher lediglich die Fantasien deutscher Männer, so Kraemer. "Ganz eindeutig hat hier jemand willkürlich eine Botschaft in unsere Kampagne hinein interpretiert, die gar nicht weiter von der eigentlichen Botschaft der verwendeten Motive und dem Slogan entfernt sein könnte." Was in der Tat aufmerken lässt: Der Beschwerdeführer beanstandete offenbar nur das Motiv, das eine türkische Geliebte zeigt. Die Kampagne besteht jedoch aus insgesamt drei Motiven, wovon die beiden übrigen eine spanische sowie eine brasilianische Frau zeigen. ire
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