Beats by Dre Sieben Gründe warum Apple was auf die Ohren will

Montag, 12. Mai 2014
Logo der Kopfhörermarke Beats by Dr. Dre (Foto: Beats Electronics)
Logo der Kopfhörermarke Beats by Dr. Dre (Foto: Beats Electronics)

Der erste Hip-Hop-Milliardär und ein saftiges Thema für alle Apple- Fans und -Kritiker. Das ist die erste Erfolgsbilanz der nun offiziell bestätigten Übernahmeverhandlungen zwischen Apple und dem Premium-Kopfhörerhersteller Beats Electronics. Weshalb Apple allerdings bereit ist, den horrenden Preis von 3,2 Milliarden US-Dollar für eine Firma zu zahlen, die sich in einem Markt mit einem Volumen von insgesamt nur 1 Milliarde US-Dollar bewegt, ist eher unklar. HORIZONT.NET liefert sieben Gründe, warum Apple trotz dieser Bewertung dringend was auf die Ohren will.

1. Apple braucht eine Börsengeschichte

Ein Übernahmepreis von 3,2 Milliarden US-Dollar bedeutet eine phantastische Wertsteigerung für Beats. Als HTC seinen Gesellschafteranteil von 51 Prozent 2012 und 2013 abstieß, erhielt der Smartphone-Hersteller insgesamt nur 415 Millionen Dollar dafür. Damit hätte sich der Wert von Beats seit dem vergangenen Jahr grob vervierfacht. Weder der Kopfhörer- noch der Streamingmarkt liefern einen Grund, der diesen Sprung rechtfertigen würde. Allerdings haben seit vergangenem Jahr Apples ebenfalls börsennotierte Wettbewerber gezeigt, dass man mit Milliardenübernahmen von Hardware-Entwicklern auch gute Börsengeschichten erzählen kann. Google zahlte für den Hersteller von smarten Thermostaten Nest ebenfalls 3.2 Milliarden Dollar, Facebook kaufte den VR-Brillenhersteller Oculus Rift für 2 Milliarden Dollar. Anders als Beats sind diese Unternehmen nocht weit davon entfernt, profitiabel zu sein.

2. Apple braucht dringend ein neues Standbein

Die jüngsten Bilanzzahlen haben es wieder gezeigt. Apple ist zwar hochprofitabel, aber auch extrem abhängig von seinem Erfolg mit den iPhones. Noch kann sich Apple auf seine treuen Fans verlassen, doch das Schicksal seines mittlerweile nur noch marginalen iPod-Business ist auch eine Erinnerung daran, dass keine Cashcow ewig lebt. Da derzeit aus dem Unternehmen selbst kein neues Produkt mit Trendpotenzial erkennbar ist, hilft die Portfolioerweiterung über einen Zukauf.

3. Apple denkt an die Zeit nach den Musik-Downloads

Steve Jobs hat seinerzeit mit iTunes den Markt für digitale Musik revolutioniert. Doch jetzt liegt der Download von einzelnen Songs nicht mehr im Trend und Streaming wird immer wichtiger. Apple hat versucht, mit einem eigenen Angebot auf diesen Trend aufzuspringen. Allerdings bisher ohne größeren Erfolg. Eine Fusion von iTunes Radio mit dem Streaming-Service Beats Music könnte einen ernshaften Herausforderer für Markführer Spotify ergeben.

4. Apple kauft Dr. Dres Musik-Know-how

Es gab mal eine Zeit, in der premiumorientierte Musikfans an den weißen Kopfhörern ihres iPods erkennbar waren und Apple-TV-Spots Musikkarrieren begründeten. Heute tragen statusbewusste Musikfans Beats-Kopfhörer und liefern die Beats-TV-Spots stets exklusive Clips aus den Musikspots der wichtigsten aktuellen Stars. Diese Markenstärke sorgte dafür, dass Beats 51 Prozent Marktanteil erreicht, obwohl das Unternehmen erst seit etwas mehr als einem Jahr die unter seinem Label vermarkteten Kopfhörer auch tatsächlich selbst produziert. Dagegen scheitert Apple in jüngster Zeit auffällig oft bei dem Versuch, seine eigene Relevanz in der Musikwelt zu belegen. So versank die 2010 gegründete Music-Social-Community iTunes Ping in Rekordzeit in der Bedeutungslosigkeit. Das Musik-know-how von Beats by Dre könnte Apple eine neue Chance zur Rückeroberung des Musikmarkts geben.

5. Beats liefert eine gute Plattform für Wearables

Derzeit liefert die Hardware von Beats wenig, was für die vernetzte Welt des digitalen Apple-Universums interessant wäre. Doch genau hier liegt auch eine Wachstumschance für beide Unternehmen. Durch einen Technologietransfer von Apple zum Kophörerhersteller bietet sich die Möglichkeit zu einer völlig neuen Generation von Premium-Kopfhörern zu kommen, die selbst schon ein vernetztes Abspielgerät sind. Apples Sprachassistent Siri wäre das perfekte intuitive Interface für solch eine Generation von auf dem Kopf zu tragenden Wearables.

6. Apple und Beats passen zueinander

So unterschiedlich die Wurzeln der Unternehmen sind, so ähnlich ist doch ihr Selbstverständnis im Marketing. Sowohl bei Apple wie auch bei Beats ist das Produktdesign und die Erlebnisse rund um das Produkt untrennbarer Bestandteil des Marketing. Andere Kopfhörer-Hersteller mögen billigere Übernahmekandidaten gewesen sein oder technisch überlegenere Produkte herstellen. Aber nur Beats hat einen Marketinganspruch, der sich annähernd mit Apple vergleichen ließe.

7. Apple kommt in die Jahre

Es ist nicht so sehr die Frage, wie gerade in den Marketingmedien eifrig diskutiert, ob Apple noch cool ist. Unbestritten ist jedoch, dass Apple nicht mehr als Emblem einer digitalen Jugend taugt. Allein schon das iPhone 5c, dass dem neuen Zeitgeschmack mit Farben minimal entgegen kommt, wirkt wie eine gefährliche Aufweichung von Apples minimalistischer Premium-Ästhetik. Will die Marke ihr extrem profitables Premiumprofil mit zu vielen Kompromissen verwässern, ist es einfach sinnvoll, eine weitere Marke im Porftolio zu haben, die ähnlich kompromisslos um die junge Zielgruppe kämpfen kann. cam

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