Bain-Studie Die Welt leistet sich weiter Luxus

Donnerstag, 22. Dezember 2016
Autokäufer beflügeln den Luxusmarkt
Autokäufer beflügeln den Luxusmarkt
Foto: Porsche
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Luxusmarkt Serge Hoffmann Bain & Company Luxusgüter


Die Welt wird rauer, doch der Luxusmarkt wächst weiter. Weltweit legt die Branche um 4 Prozent zu auf 1,08 Billionen Euro. Das geht aus dem "Worldwide Luxury Market Monitor" hervor, den die internationale Managementberatung Bain & Company gemeinsam mit dem italienischen Verband der Luxusgüterhersteller Fondazione Altagamma zweimal pro Jahr veröffentlicht.

In Europa belastet die Terrorgefahr den Konsum von Luxusgütern, die Amerikaner üben sich in Kaufzurückhaltung, ebenso die Chinesen. Und trotzdem wächst der Gesamtmarkt leicht um 4 Prozent auf 1,08 Billionen Euro. Dazu haben die Luxusautos sehr viel beigetragen. Bei den noblen und edlen Karossen stiegen die Umsätze um 8 Prozent.

Gleichzeitig geht der Trend immer mehr hin zu Luxuserlebnissen wie Reisen und Kreuzfahrten, hochwertigen Lebensmitteln, Wein und Spirituosen. Dagegen stagnierte der Verkauf von Luxusprodukten für den persönlichen Gebrauch wie Lederwaren, Mode, Schmuck, Uhren, Parfüm und Kosmetik. Für 2016 vermelden die Studienautoren hier einen Wert von 249 Milliarden Euro.

"Der Markt für Luxusgüter hat einen hohen Reifegrad erreicht", erklärt Serge Hoffmann, Bain-Partner und Luxusgüterexperte. "Die Markenhersteller müssen sich deutlich differenzieren, um weiterhin erfolgreich zu wachsen. Wir sehen Anzeichen einer Polarisierung von Marken. In allen Produktkategorien und Segmenten werden Gewinner und Verlierer erkennbar."

In Prognosen übersetzt heißt das: Der Markt für persönliche Luxuswaren wird bis 2020 um jährlich 3 bis 4 Prozent auf bis zu 285 Milliarden Euro zulegen. "Ein Spaziergang wird das aber nicht werden", warnt Hoffmann. "Nur die Marken, die ihr Geschäftsmodell entsprechend ausrichten und sich auf Omnikanal-Distribution sowie absolute Kundenorientierung einlassen, werden auch weiterhin erfolgreich sein."

Warum das wichtig ist, zeigt sich an einer anderen Zahl. Der stationäre Einzelhandel hat 2016 weltweit an Dynamik verloren. Dagegen führte die Wachstumsgeschwindigkeit des Onlinehandels zu einem E-Commerce-Anteil von 7 Prozent. "Damit hat E-Commerce bei Luxusgütern deutlich Boden gutgemacht und reiht sich gemessen am Umsatz hinter den Luxusgesamtmärkten der USA und von Japan ein", stellt Hoffmann fest. Auch das Off-Price-Segment gewinnt. Heute stehen preisreduzierte Produkte für 37 Prozent des Markts für persönliche Luxuswaren. Dabei gewinnen Outlets an Bedeutung. Sie machten 2016 rund ein Drittel des Umsatzes im Off-Price-Markt aus - Tendenz steigend. "Luxuslabels, die den Outlet-Kanal aktiv managen und die Rabatte in ihren Niederlassungen reduzieren, können von diesem Trend profitieren", ist Luxusexperte Hoffmann überzeugt. mir

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