BVIM Bundesverband Influencer Marketing steht kurz vor der Gründung

Donnerstag, 18. Mai 2017
Stefan Doktorowski ist Vorsitzender des Vorstands beim BVIM
Stefan Doktorowski ist Vorsitzender des Vorstands beim BVIM
Foto: Doktorowski

Die Influencer-Marketing-Branche bekommt in wenigen Tagen einen eigenen Verband. In Berlin steht die Gründung des "Bundesverbandes Influencer Marketing" (BVIM) kurz bevor, der sich unter anderem auf die Fahne geschrieben hat, den Dialog mit wirtschaftlich und gesellschaftlich relevanten Institutionen zu suchen. Die Idee kommt in der Branche überwiegend gut an. Es gibt aber auch Kritik.

Der BVIM will sich als Repräsentant und Stimme der Influencer-Marketing-Branche in Deutschland verstanden wissen. Er hat laut Website vor, "die Interessen, Standpunkte und Belange von Unternehmen, Influencer und weiteren Content Creators sowie Marktteilnehmer der Werbewirtschaft und der werbetreibenden Wirtschaft" zu erläutern und zu vertreten. Zudem will er für Influencer Marketing trommeln. Die offizielle Gründung soll in den kommenden Tagen erfolgen, die Vereinsregisteranmeldung wurde am 6. April beim Amtsgericht Berlin beantragt.

Ins Leben gerufen wurde der Verband von Stefan Doktorowski, der die Funktion als Vorsitzender des Vorstands beim BVIM übernehmen wird. Doktorowski ist Gründer und Managing Partner der Influencer-Marketing-Agentur "Martensgarten", welche sich auf die offene Vermarktung sowie auf Influencer-Marketing-Beratung spezialisiert hat. Der 33-Jährige ist zudem Co-Gründer der Kölner Konferenz InfluencerCon.

Notwendig sei ein solcher Verband, weil die Influencer-Branche bislang kaum Einfluss auf politische oder regulierende Behörden und deren Entscheidungen nehmen kann, sagt Doktorowski gegenüber HORIZONT Online. Auch in den Bereichen Content-Distribution und Vermarktung existiere eine große Verunsicherung am Markt. "Hier gilt es Standards zu setzen, Aufklärung zu leisten und intensive Dialoge mit sämtlichen Teilnehmern zu fördern", so Doktorowski.

Außerdem benötige die Influencer-Marketing-Branche eine objektive Stimme gegenüber wirtschaftlich sowie gesellschaftlich relevanten Institutionen. "Nur durch die Gründung einer unabhängigen Interessenvertretung kann es zu einer nachhaltigen sowie transparenten Gestaltung des Marktes bezüglich dieser Branche kommen", so der 33-Jährige. Konkret wolle der Verband nun Themen anpacken wie Werbekennzeichnung, Rundfunklizenzgebühren und Künstlersozialkasse. Kurzum: die Professionalisierung der Szene.

Neben Doktorowski sind folgende Gründungsmitglieder beim BVIM mit an Bord:

Sarah Kübler, CEO von Hitch On
Hendrik Martens, Director Business Development bei Flow:fwd
Michael Brycz, Co-Founder und Managing Director bei Bitstream Music Lab
Denis Müller, CSO bei Tube One Networks
Martin Wroblewski, Business Development Director DACH bei Inda Hash
Daniel Horzetzky, Gründer von Brandkizz
Niklas Heinen, CEO 100Tausendlux
Robert Levenhagen, CEO InfluencerDB
Philipp John, Co-Gründer und COO bei Reachhero
Ben von Martens, Gründer und Managing Partner von Martensgarten

Die Gründungsmitglieder zeigen sich erwartungsvoll: "Der Bundesverband Influencer Marketing ist ein bedeutender Schritt für die Branche, die stark wächst und immer mehr Aufmerksamkeit erfährt", sagt HitchOn-Chefin Sarah Kübler gegenüber HORIZONT Online. "Im Verband sehe ich die große Chance, Themen wie eine faire und transparente Preisgestaltung sowie eine saubere Kennzeichnung von Kooperationen voranzutreiben."

InfluencerDB-CEO Robert Levenhagen möchte mit der Teilnahme im Verband "mehr Transparenz und Messbarkeit in dieser Branche schaffen", wie er auf Nachfrage angibt. "Viele Unternehmen haben noch Schwierigkeiten, in diesem Bereich eine klare Strategie zu definieren - oft aufgrund fehlender Transparenz, Vergleichbarkeit und mangelndem Wissen", so Levenhagen. ReachHero-Gründer Philipp John will sich vor allem mit internationalen Kooperationen auf Verbandsebene befassen. "Ich komme gerade aus den USA und dort ist das Thema Influencer-Marketing schon deutlich weiter", sagt John.

Auch Akteure aus der Influencer-Marketing-Branche, die nicht Gründungsmitglieder beim BVIM sind, äußern sich optimistisch: "Grundsätzlich begrüße ich es, wenn wir uns miteinander vernetzen, unser Vorgehen abstimmen und uns zu Problemen und Lösungen austauschen. Ob es dafür ganz typisch deutsch gleich einen Verband braucht, sei mal dahingestellt", sagt Matthias Bannert, Chef der Influencer-Agentur b00st.me. "Bei unserer jungen Branche gibt es einen großen Bedarf am Austausch mit Behörden und anderen gesellschaftlichen Stakeholdern."

Ähnlich sieht das auch Stephan Schilling, Sprecher der RTL-Tochter Divimove, die zahlreiche Influencer unter Vertrag hat: "Die Gründung eines Verbandes mit dem Ziel, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, zu vermitteln und zu vernetzen, ist grundsätzlich erstmal charmant." Für den Verband werde der enge und vor allem persönliche Austausch mit den jungen Influencern entscheidend sein, so Schilling.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. So mahnt etwa Oguz Yilmaz, Chef der Agentur Whylder: "Man sollte den BVIM nicht als Interessenvertreter von Influencern verstehen, sondern vielmehr von Influencer-Marketing-Agenturen. Es sind anscheinend keine Influencer vertreten, die versuchen, ihre eigenen Interessen zu vertreten und somit sind es im Endeffekt nur Vermarkter, die im Zweifel ihre eigenen Interessen über die der einzelnen Künstler stellen. Vielleicht braucht es nochmal einen seperaten Verband der Influencer, vielleicht braucht es aber auch nur einen breiter aufgestellten BVIM. Oder nichts von Beidem." ron

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