BMW-Marketingchef Althaus "Wir kämpfen wie die Vollgestörten"

Mittwoch, 20. Januar 2016
Serviceplan-Chef Florian Haller im Gespräch mit BMW-Marketingleiter Steven Althaus (vorne)
Serviceplan-Chef Florian Haller im Gespräch mit BMW-Marketingleiter Steven Althaus (vorne)
Foto: Alex Grimm / Getty Images

Der Couchtalk beim Deutschen Medienkongress gehört zu den Formaten, wo Manager auch mal freier sprechen und nicht jede Aussage vorher von der hauseigenen PR-Abteilung überprüft wurde. Das merkte man auch in dem Gespräch, das Serviceplan-Chef Florian Haller mit BMW-Marketingchef Steven Althaus führte - zumindest zeitweise.
Zur Ausgangssituation: BMW ist einer der größten Kunden von Serviceplan. Insofern war nicht damit zu rechnen, dass Haller mit besonders kritischen Fragen zum Umgang von Werbungtreibenden mit ihren Dienstleistern aufwarten würde – ansonsten eins der Lieblingsthemen des Serviceplan-Chefs. Stattdessen widmete er sich der Transformation der Autoindustrie. Tatsächlich konnte er Althaus dabei die eine oder andere bemerkenswerte Aussage entlocken. Neben bekannten Positionen zum Thema Elektromobilität (gesellschaftlich relevantes Thema, große Chance für deutsche Autohersteller) wurde es vor allem dann munter, als es um autonomes Fahren und den Angriff von Google, Apple und Co in diesem Feld ging. Dadurch werden auch die etablierten Automarken gezwungen, sich mit solchen Konzepten zu befassen. Auf den Einwand Hallers, dass dies für ein Unternehmen wie BMW, das mit dem Claim "Freude am Fahren" wirbt, doch schrecklich sein müsse, weil es dann nur noch darum gehe, von A nach B zu kommen und nicht mehr um die Begeisterung für das Produkt, die Marke und das Autofahren selbst, entgegnete Althaus scherzhaft: "Wir kämpfen wie die Vollgestörten, damit genau das nicht passiert."

Kurz darauf wurde es aber wieder ernst. Denn auch für BMW ist autonomes Fahren ein wichtiges Thema. Zum einen gehe es dabei darum, die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Zum anderen darum, wie sich die Zeit im Auto sinnvoller nutzen lasse, beispielsweise wenn man in einem Stau stehe, so Althaus. Verbunden mit der Diskussion um die Offensive von Google und Co ist die Frage nach neuen Geschäftsmodellen in der Autoindustrie. Dabei spielt auch hier das Thema Datennutzung eine zentrale Rolle. Althaus unterstreicht, dass BMW anders als andere Hersteller in diesem Bereich nicht auf groß angelegte Kooperationen mit den Big-Data-Riesen setzt: "Wir wollen die Dinge lieber selbst in die Hand nehmen."

Zum Schluss wurde es dann doch mal staatstragend. Althaus betonte, wie großartig es sei, in diesen Zeiten an der Gestaltung wichtiger Zukunftsfragen mitarbeiten zu dürfen – auch und gerade im Marketing und in den Medien. Sein Schlusswort: "Ich wünsche uns allen viel Optimismus." mam
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